Kurztrip nach Wien Zehn Tipps für Städtereisen mit Kindern

Mit Kindern in die Stadt - und Spaß dabei? Aber sicher! In Wien zum Beispiel. Mit diesen Tipps erleben Familien einen unvergesslichen Kurztrip in Österreichs Hauptstadt.

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Städtereisen haben unter Familien keinen guten Ruf. Man könne die Kinder doch nicht durch eine Metropolen schleifen, finden viele Eltern, erst recht nicht im Sommer. Aber wer redet eigentlich von "schleifen"?

Klar, eine Stadt bei Hitze mit Kindern zu durchkämmen, kann der blanke Horror sein - aber nur, solange Eltern ausschließlich auf Museumsbesuche und Shopping beharren. Dabei gibt es gerade in urbanen Räumen viel zu entdecken. Wie man das anstellt, zeigen wir Ihnen hier - am Beispiel von Wien.

1. Erleben Sie die Stadt als Spielplatz!

Stur die Wiener Sehenswürdigkeiten abklappern - das ist definitiv nichts für Kinder. Eltern werden sich als Kommentar ein genervtes "Laaangweilig!" einfangen. Natürlich gibt es auch Kleine, die über Großes wie den Stephansdom staunen und die sich für kindgerecht vermittelte Häppchen Kulturgeschichte interessieren. Aber spannend ist vor allem alles, was sich spielerisch entdecken lässt.

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Wien mit Kindern: Toben, Naschen, Staunen

"Wien ist ein riesengroßer Abenteuerspielplatz", sagt Bernadette Németh, die über Österreichs Hauptstadt einen kleinformatigen Reiseratgeber geschrieben hat. "111 Orte für Kinder in Wien, die man gesehen haben muss" heißt das Buch. Unter Némeths Tipps sind Klassiker wie der Botanische Garten Schönbrunn und (für Ältere) das Kinderatelier in der Albertina, Wiens berühmtem Kunstmuseum.

Doch spannend sind für Kinder oft auch Orte, die nicht eigens für sie konzipiert wurden. Németh, selbst Mutter einer vierjährigen Tochter, empfiehlt zum Beispiel den Campus der Wirtschaftsuniversität, einen 2013 eröffneten Architekturpark.

Die von internationalen Stararchitekten wie Zaha Hadid entworfenen Gebäude gruppieren sich um die Bibliothek, dazwischen gibt es Holzstege, auf denen Kinder gern "stundenlang herumrennen", wie die Autorin sagt. Gut zu wissen: Im Campus-Restaurant mit Spielecke gibt es Kaffee und laut Németh den besten Flammkuchen der Stadt.

2. Entdecken Sie spannende Orte im Schatten der Sehenswürdigkeiten!

Machen Sie mit Ihren Kindern einen Bummel über den berühmten Wiener Naschmarkt! Dort können Sie eine Palatschinken mit Marillenmarmelade essen oder an einem der rund 120 Verkaufsstände gleich für ein Picknick einkaufen. Ein Tipp zum Toben danach: das schrägste Klettergerüst der Stadt. Es steht im Alfred-Grünwald-Park, "einer 9000 Quadratmeter großen Oase" nur wenige Meter neben dem Naschmarkt, wie Németh schreibt. Der Platz sei "herrlich überschaubar", es gibt Schaukeln, eine Seilbahn - und eben ein schief gebautes Spielgerät zum Kraxeln.

3. Lassen Sie es ruhig angehen!

Kinder brauchen zwischendurch Pausen. "Vermeiden Sie unbedingt eine Reizüberflutung", sagt Németh. "Toll erholen kann man sich auf der Jesuitenwiese im Prater." Die mit Alleen durchzogene Auenlandschaft biete große Wiesen, die sich zum Verschnaufen eignen.

4. Was tun bei Hitze? Packen Sie die Badehosen ein!

Jede Stadt hat Orte zum Abkühlen - auch Wien, wo die Temperaturen im Sommer gern auf über 30 Grad steigen. In der Wasserwelt am Kardinal-Rauscher-Platz können Kinder über Kunstinstallationen mit kleinen Fontänen klettern und in einem Bassin planschen. "Sehr beliebt sind auch die Hüpfelemente, die bei kräftigem Draufspringen einen Wasserkreis spritzen", so Németh.

Und dann sind da natürlich die Strandbäder: Das Bundesbad Alte Donau klingt nach Fluss, ist aber inzwischen eine Art See, der überwiegend durch Grundwasser gespeist wird. Das Wasser in dem Altarm der Donau ist klar, den Wasserpflanzen rücken Mähboote zu Leibe. Am 150 Meter langen Kieselstrand gibt es Rutschen in Tierform für Kleinkinder, eine Arche Noah aus Holz zum Spielen und warme Duschen.

5. Und wenn es die ganze Zeit regnet?

Das ist wohl das kleinste Problem bei einer Städtereise - und auch in Wien ist die Auswahl an Indoor-Aktivitäten riesig: Sehenswert ist laut Németh unter anderem die Sammlung im Weltmuseum in der Hofburg. Über ein ganzes Stockwerk verteilt sind lebensgroße Rüstungen für Mensch und Pferd ausgestellt. "In den stillen Sälen meint man, den Lärm alter Burgen zu hören", sagt Németh.

Viele Kinder werden auch über den Nacktmulltunnel staunen. Er befindet sich im Wüstenhaus im Schlosspark Schönbrunn, gleich gegenüber des Tierparks. In einem 70 Meter langen Glaslabyrinth flitzen die aus Afrika stammenden Nager durch beheizte Gänge - man kann ihnen dabei zusehen, wie sie Klo- und Schlafkammern anlegen.

Wien-Kennerin Németh empfiehlt auch das Haus der Musik mit seiner "musikalischen Treppe" auf dem Weg in den ersten Stock. "Zuerst merkt man gar nicht, dass die schwarz-weißen, einer Klaviertastatur nachempfundenen Treppenstufen beweglich sind. Doch spätestens beim zweiten Schritt hört man, dass sie eine Tonleiter spielen." Sie haben eine Melodie im Ohr? Dann proben Sie ein paar Sprünge!

6. Hunger, Durst, Süßes! Probieren Sie mit Ihren Kindern lokale Spezialitäten!

Bei Ihrem Streifzug durch die Stadt werden Sie viel Energie verbrauchen. Aber keine Sorge - Wien hat Kalorientankstellen an jeder Ecke. Die Tipps von Autorin Németh:

  • LEO, der älteste Würstelstand der Stadt. "Familie Mlynek legt Wert auf regionale Produkte, und das schmeckt man", sagt Németh. Aber kommen Sie nicht auf die Idee, "ein paar Wiener" zu bestellen! Die bei Kindern beliebten Würstchen erhalten Sie in Österreich unter dem Stichwort "Frankfurter". Tipp für Gruppen ab vier Personen: eine "Big Mama", das ist eine Riesen-Käsekrainerwurst mit mehreren Belägen. Adresse: Döblinger Gürtel 2, an der Grenze zwischen dem 9. und 19. Bezirk.
  • Wirtshaus am Nordpol: "Wenn man mit Kindern in Süßspeisengenüssen schwelgen will, die sonst nur die Oma hinbekommt, ist man hier richtig", sagt Németh. Sie empfiehlt Liwanzen, das sind "Hefeteigkreise, die in der Pfanne gebacken und mit Topfen, Powidlmarmelade, Zimt und Zucker gegessen werden".
  • Das Familienlokal Baomi bietet zwar nichts typisch Wienerisches, dafür aber frisch zubereitete vietnamesische Gerichte - und eine Spielecke. Auf der Karte stehen Pho-Suppe, gegrillter Schweinebauch und Dumplings, im Kinderbereich gibt es neben Märchenhaus und Rutsche jede Menge Spielzeug (geöffnet von Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr).

7. Schonen Sie die Reisekasse mit Gratis-Angeboten!

Kurztrips können richtig ins Geld gehen. Doch in jeder Stadt gibt es Angebote, die für Familien kostenlos sind - man muss sie nur finden. Die Stadt Wien listet hier die besten Museen ohne Eintritt für junge Menschen, unter anderem die Mitmachausstellung des ZOOM Kindermuseums. Aufregend und ebenfalls gratis: der Lainzer Tiergarten im Westen Wiens. Im ehemaligen Jagdrevier des Kaiserhauses gibt es Bäche und Teiche, Naturlehrpfade und sechs Spielplätze sowie ein Gehege mit Ur-Rindern.

8. Planen Sie gründlich Ihre An- und Abreise!

Stress vermeiden - das ist beim Kurztrip mit Kindern elementar. Suchen Sie sich schon vor der Anreise die beste Verbindung zu Ihrer Unterkunft heraus. "Gerade mit kleinen Kindern ist es praktisch, vom Flughafen oder Bahnhof nahtlos in die öffentlichen Verkehrsmittel wechseln zu können", sagt Németh. In Wien zum Beispiel seien alle U-Bahn-Stationen barrierefrei, hier wird der Kinderwagen also nicht zum Hindernis.

Preisabfragezeitpunkt:
24.06.2019, 12:46 Uhr
Ohne Gewähr

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Bernadette Németh
111 Orte für Kinder in Wien, die man gesehen haben muss: Reiseführer

Verlag:
Emons Verlag
Seiten:
240
Preis:
EUR 16,95

9. Stoßen Sie auf sich und Ihre kleine Reisegruppe an!

Und zwar in einem Heurigen, einer Weinwirtschaft am Stadtrand. "Das sind wunderbare Orte für die ganze Familie", sagt Németh. "Die Kinder gehen auf den Spielplatz, die Eltern sitzen unter Nussbäumen und trinken ein Gläschen Grüner Veltliner." Dazu gibt es Liptauer, einen Brotaufstrich aus scharfer oder süßlicher Peperoni.

"Besonders schön spielt es sich unter den alten Bäumen im Garten des s'Kellerstöckl ab", sagt Németh. Hin geht's mit dem Fahrrad. Die Wege liegen schattig zwischen meterhohen Gesteinsstufen. "Schon die Fahrt ist ein Erlebnis!"

10. Lassen Sie sich überraschen!

Wie detailliert man einen Städtetrip mit Kindern plant, ist sicher Typsache. In jedem Fall gilt: Beharren Sie nicht auf ausgeklügelte Routen, lassen Sie auch mal etwas weg, was man angeblich gesehen haben muss. Das Wichtigste: Haben Sie Spaß!

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
hugolette 16.08.2019
1. schnell ins Flugzeug mit Grundschulkindern, muss das sein?
Warum müssen Grundschüler Städtetrips machen? Am besten mit Billigairlines fliegen, bei Airbnb buchen und später in der Nachbarschaft damit "angeben". Ein Wochenende im Harz oder Sauerland ist auch sehr schön, viel Natur und Ruhe. Die Frage ist doch, sind Kurztrips überhaupt nachhaltig? Sind sie nactürlich nicht. Ein Grundschüler muss keine Städtetrips machen!
fatherted98 16.08.2019
2. Mein Tipp...
....Valencia......wer keine Flugscham (so wie ich) hat ist mit dem Billigflieger für wenig Geld schnell da. Unterkünfte sind nicht teuer und der ÖPNV super ausgebaut. Man hat Strand, Stadt und Freizeit dicht beisamen und alles mit ÖPNV erreichbar. Klar gibt es Abzock-Geschichten wie das Ozeaneum....aber es gibt die Turia-Gärten mit vielen Spielplätzen, den Möglichkeiten zu spielen und Rad zu fahren. Die sind mitten in der Stadt und riesig. Ich kann es nur empfehlen...vor allem ist Valencia noch nicht so überlaufen wie etwa Barcelona. Reisezeit mit Kindern....Oster....oder Herbstferien. Auch wenn das Wasser dann zu kalt zum schwimmen ist....Spaß am Strand kann man trotzdem haben. Wer aufs Geld schauen muss, richtet sich nach den Spaniern aus (die haben auch nicht viel) und geht dort essen wo es gut und günstig ist (nicht unbedingt in der Innenstadt). Unterkunft mit Küche ist Standard....also einkaufen und dort kochen geht auch.
winnie0815 16.08.2019
3. @hugolette
Wir machen gerne Städtetrips mit den Kindern. Wir haben damit angefangen als das jüngste Kind 4 war. Die Kinder sind jedes Mal begeistert und sehr interessiert an berühmten Gebäuden und Persönlichkeiten der jeweiligen Stadt, aber auch aus den Museen kaum rauszubekommen, wenn die Ausstellung interessant und für Kinder aufbereitet präsentiert wird. Warum sollen wir unseren Kindern kulturelle Bildung vorenthalten? Wir haben von Oslo bis Rom bisher recht viele Städte gemeinsam besucht. Alles ohne Flugzeug, viel mit der Bahn, da wir grundsätzlich Wert auf eine umweltfreundliche Lebensweise legen. ;-)
gimp69 16.08.2019
4.
Zitat von hugoletteWarum müssen Grundschüler Städtetrips machen? Am besten mit Billigairlines fliegen, bei Airbnb buchen und später in der Nachbarschaft damit "angeben". Ein Wochenende im Harz oder Sauerland ist auch sehr schön, viel Natur und Ruhe. Die Frage ist doch, sind Kurztrips überhaupt nachhaltig? Sind sie nactürlich nicht. Ein Grundschüler muss keine Städtetrips machen!
Ob ein Besuch in Wien mit Kindern sinnvoll ist kann ich nicht beurteilen. Man muss aber nicht unbedingt dorthin fliegen. Wir waren gerade mit dem Nachtzug in Wien. Es waren auch einige Familien unterwegs. Eine entspanntere Art zu reisen gibt es nicht: Abends in Deutschland ein- und mrogens (ausgeschlafen) in Wien aussteigen. Verspätungen muss man nicht befürchten: Der Zug hat endlos Zeit. Und ein Frühstück (Brötchen/Kaffee) ist auch mit drin.
Hamberliner 16.08.2019
5. Re: ins Flugzeug mit Grundschulkindern, muss das sein?
Zitat von hugoletteWarum müssen Grundschüler Städtetrips machen? Am besten mit Billigairlines fliegen, bei Airbnb buchen und später in der Nachbarschaft damit "angeben". Ein Wochenende im Harz oder Sauerland ist auch sehr schön, viel Natur und Ruhe. Die Frage ist doch, sind Kurztrips überhaupt nachhaltig? Sind sie nactürlich nicht. Ein Grundschüler muss keine Städtetrips machen!
Nicht nur das. Klimaschonender als Städte-Kurztrips ist, weniger, aber längere Reisen mit dem eigenen KFZ zu unternehmen und dabei möglichst viele Städte in jeweils einer einzigen einer Reise zu bündeln. Dabei spielt Wien eine wichtige Rolle für Klimaschutz und Zeitersparnis, das war für mich der Hauptgrund Wien zu besuchen: Wer in Norddeutschland wohnt und mit dem KFZ Südosteuropa bereisen möchte kann viel CO2 einsparen, indem er/sie den Autozug der ÖBB von Hamburg-Altona nach Wien-West nimmt bzw. umgekehrt auf dem Rückweg. Budapest, Odessa, Sofia und Athen - das kann man alles auf ein- und derselben Reise abfahren, und wenn man zur Stressvermeidung einen Puffertag in die Planung einbaut eignet sich dieser optimal, um auf der Rückreise, bevor es wieder auf den Autozug geht, Wien zu besichtigen. Bei dieser Reiseform kann man zwischen den stressigen Städten auch landschaftliche Perlen wie das Donaudelta, das Apuseni-Gebirge, die Sieben Seen in Südwest-Bulgarien oder die Adria-Ostküste genießen.
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