Städtetipp Paris Pflaster-Picknick und Seine-Strand

Wer backt das beste Baguette der Stadt? Wo springen die Pariser bei Hitze in die Seine? Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer verrät, wie man in der Stadt der Liebe einen perfekten Tag verbringt - und was es im Touri-Viertel Montmartre noch zu entdecken gibt.

AP

Herr Nestmeyer, welcher Pariser Stadtteil ist einen Streifzug wert?
Montmartre. Ja, Montmartre, aber nicht die Butte mit Sacré Coeur und auch nicht das Moulin Rouge, sondern die kleinen Seitengassen am Boulevard de Clichy mit ihren Szenebars und -kneipen: das Retrobistro La Fourmi zum Beispiel oder das Café Tabac des Deux Moulins, das Cineasten sofort als Drehort des surrealistischen Kassenschlagers "Die fabelhafte Welt der Amélie" wiedererkennen werden.

Was kostet eine Dosis Koffein in Paris?

In einer schrägen Vorstadtkneipe kostet ein Café noir 1,50 Euro, im Les Deux Magots am Boulevard Saint-Germain sind es 4 Euro - dafür schaut dort mit ein wenig Glück der Philosoph Bernhard-Henri Lévy auf einen Sprung vorbei.

Das beste Baguette ...

... gibt es bei Le Grenier à pain in der Rue des Abbesses. Djibril Bodian, dessen Backkünste vor einem Jahr offiziell mit dem Preis "La meilleure baguette de Paris" - "Das beste Baguette von Paris" - ausgezeichnet wurden, stammt übrigens aus dem Senegal.

Über den Dächern von Paris:

Alle fahren oder klettern auf den Eiffelturm, doch als Geheimtipp gilt die Dachterrasse des Restaurants im Institut du Monde Arabe. Sie liegt zwar nur in 25 Meter Höhe, aber von oben genießt man einen grandiosen Blick auf die Seine und den Chor von Notre-Dame. Und den Eiffelturm sieht man auch.

Wahre Worte:

"Die Straßen singen, die Steine sprechen. Die Häuser triefen von Geschichte, Ruhm und Romantik." (Henry Miller)

Einmal mit diesem Verkehrsmittel fahren:

Vor ein paar Jahren noch undenkbar, doch inzwischen gehören die Radfahrer fest zum Pariser Stadtbild. An allen Ecken stolpert man über die Ständer mit den bunten Leihrädern von Vélib. Allerdings sind schon viele Touristen an den kreditkartentechnischen Problemen beim Ausleihen gescheitert, so dass man sich vielleicht gleich einer der geführten Fahrradtouren von " Paris à vélo, c'est sympa!" anschließen sollte. Unter fachkundiger Führung radelt man durch das "Herz von Paris" oder lernt "die kontrastreiche Seite" der Stadt kennen.

Wo kann man eine entspannte Mittagspause verbringen?

Auf einem der lindgrünen Metallstühle des Jardin du Luxembourg. Der "Luco" ist der Lieblingspark der Pariser, aber auch Touristen können hier entspannt im Baumschatten oder in der Sonne sitzend die Mittagspause verträumen, ein bereits von Rilke besungenes Kinderkarussell bewundern und Segelschiffe auf einem Wasserbecken fahren lassen.

Wo gibt es im Sommer Abkühlung?

Man sollte sich zwar nicht mehr in die Seine stürzen, aber dafür kann man auf der Seine schwimmen: Direkt vor der Bibliothèque Nationale ist die Piscine Joséphine Baker verankert, ein Freibad-Boot mit Glasdach für schlechtes Wetter. Man sieht es schon von der Passerelle Simone de Beauvoir, einer grazil geschwungenen Fußgängerbrücke, die der aus Österreich stammende Architekt Dietmar Feichtinger im Jahre 2006 errichtet hat.

Ein anderer wichtiges Sommer-Event ist Paris Plage: Obwohl die 68er behaupteten, dass unter dem Pflaster der Strand liegt, pilgern heute alle im Sommer lieber an das rechte Seineufer, wo seit ein paar Jahren ein künstlicher Strand aufgeschüttet ist - mit Liegestühlen und Palmen. Wer im Sommer aus der Hauptstadt nicht herauskommt, kriegt hier wenigstens ein bisschen Urlaubsgefühle. Seit 2006 gibt es auch einen "Strand" am linken Ufer bei der Nationalbibliothek.

Das beste Eis der Stadt:

... gibt es bei Berthillon. Seit Jahrzehnten wird auf der Ile de la Cité das beste Eis der Stadt hergestellt, vor allem die cremigen Sorten sind ein Gedicht. Allein vom Schokoladeneis werden fünf verschiedene Sorten zubereitet. Das einzig Abschreckende ist die Schlange, die sich im Sommer bis weit auf die Straße hinauszieht - anstellen lohnt sich!

Der beste Picknickplatz:
Für ein romantisches Abendessen im Freien wird es wohl nie einen schöneren Platz geben als den Pont des Arts. Unter der Fußgängerbrücke fließt die Seine vorbei, und mit Blick auf den Louvre und Notre-Dame schmecken Rotwein, Baguette und Käse einfach noch besser.

Umsonst und doch unbezahlbar:
Paris ist die Stadt der Flaneure und Müßiggänger. Nirgendwo sonst auf der Welt ist es schöner, sich ziellos durch Straßen und gläserne Passagen treiben zu lassen, bis man in einen geradezu rauschhaften Zustand verfällt.

Für die Nacht:

Die Rue Oberkampf ist nach wie vor ein Magnet für Nachtschwärmer - und das Café Charbon gilt als das Wohnzimmer der Szene. Nach Zwischenstopps im Chez Justine und Ave Maria tanzt man im Nouveau Casino dem Morgen entgegen.

Die Fragen stellte Julia Stanek

insgesamt 4 Beiträge
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parisian 19.08.2011
1. ...
"An allen Ecken stolpert man über die Ständer mit den bunten Leihrädern von Vélib. Allerdings sind schon viele Touristen an den kreditkartentechnischen Problemen beim Ausleihen gescheitert," man kann seine Karte für die Vélibs mittlerweile per Internet im vorraus buchen, aber das die Velibs bunt sind ist mir neu, kittgrau würde ich die Farbe nennen.
MiguelBln 19.08.2011
2. Vélib
Ich war vor einem Monat in Paris und hat keinerlei Probleme mit der Anmeldung und der Ausleihe der Vélib-Räder, meine simple EC-Karte (mit Maestro-Funktion und PIN) reichte aus. Die Verleihstationen führen einen auf dem Bildschirm auf Wunsch sogar in deutscher Sprache durch die Prozedur. Nach nicht mal zwei Minuten kann man losradeln. Ich finde das Pariser System schlichtweg genial und bin der Meinung, davon kann sich Berlin, das sich ja so gerne als umweltbewußte, fahrradfreundliche Stadt darstellt, eine große Scheibe abschneiden.
eltoubib 20.08.2011
3. Nicht nur in Paris
Luxemburg-Stadt hat dieses Leihfahrradsystem mittlerweile auch eingeführt.
pitgo 27.08.2011
4. Paris
Ich finde die Städtetipps echt toll hier, vor allem die zu Paris. Aber ein paar fehlen mir dann doch, darum würde ich der Community gerne ergänzend http://www.my-entdecker.de/search/node/Paris ans Herz legen. Zumindest was Paris betrifft.
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