Toskanische Küche Wie es die Florentiner lieben

2. Teil: Weinkeller des "Rossini" - Schatzkammer mit 1500 Etiketten


Für Sibilla della Gherardesca sind alle Florentiner von Kindheit an buongustai, Feinschmecker: "Wir wachsen mit traditionellen Gerichten auf", hat sie mir erzählt, "schon als Kind habe ich unserer Köchin immer bei der Arbeit zugesehen. Seitdem liebe ich vor allem die ländliche und regionale Küche." In der Mittagspause geht die Modemanagerin darum auch gern ins "Da Sergio".

Das Lokal ist nicht leicht zu finden, obwohl es direkt an der zentralen, rund um die Uhr belebten Piazza di San Lorenzo liegt - die vielen Marktstände verdecken den Blick auf die Eingangstür. Drinnen stehen einfache Holzstühle und -tische, wie es sich für eine Trattoria gehört; Mamma kocht, Papa und die Söhne servieren. Die Leute von nebenan kehren hier mittags ein, um gekochten Tintenfisch oder zartes Roastbeef zu essen. Dazu gibt es einfachen Wein vom Land, einen kräftigen, angenehm nach Früchten und Vanille duftenden Colli Fiorentini: "Il Quercione" heißt der Rotwein vom Gut Le Cavane in Montespertoli nahe Florenz.

In der stillen, schmalen Via del Moro erhebt sich der Palazzo Niccolini-Bourbon mit dem Hotel "Residenza del Moro", eine Oase mit Zugang zum Garten mitten im Stadtzentrum. Elf bildhübsche Suiten birgt das Hotel im ersten Stock; besonders erfreuen mich die "Camera degli Affreschi" mit Wänden, die über und über mit barocken Malereien geschmückt sind, und die "Suite dell'Alcova" mit einem Alkoven aus dem 18. Jahrhundert, der in eine moderne Badelandschaft verwandelt worden ist. Überdies schmücken die Residenz zahlreiche Originalwerke einiger der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler wie Lucio Fontana, Gerhard Richter oder Anselm Kiefer.

Cibreo - ein Frikassee aus Hühnerklein samt Hahnenkämmen

Ich habe mir noch ein Ristorante in der Nähe des Kunst-Hotels notiert: Nur wenige Gassen entfernt, im Palazzo Gianfigliazzi am Lungarno Corsini, überrascht mich das "Rossini" aufs Angenehmste. Zwar wirkt nach dem erlesenen Design und der hohen Kunst in der "Residenza del Moro" die Einrichtung des großen Speisesaals ein wenig veraltet - 70er-Jahre-Stil, nicht mehr besonders schön. Dafür kocht hier Andrea Mazzoni einfallsreich Gerichte, die stets von typisch toskanischen und Florentiner Rezepten abgeleitet sind.

Ausgezeichnet schmecken die Pacchetti, Teigtaschen mit einer Kalbfleischfüllung in würziger Sauce, und auch die Amuse-Bouches gelingen Mazzoni besonders gut: gekochte Eier mit einer Creme aus dem aromatisch-würzigen Taleggio-Käse, mit Kaffee abgeschmeckt, sowie ein zartes Tintenfisch-Tatar mit Sardellen-Eis und Gartenkresse. Eine ganz eigene Spezialität, die man selbst in Florenz nur noch selten findet, ist der Cibreo, ein Frikassee aus Hühnerklein samt Hahnenkämmen. Mazzoni veredelt diesen deftigen Leckerbissen mit geraspelten Trüffeln und hauchdünnen Kartoffelscheiben. Sensationell ist der Weinkeller des "Rossini", eine Schatzkammer mit 1500 Etiketten, darunter die Elite der toskanischen Edeltropfen und die besten Jahrgänge aus Piemont.

Auf einem weiteren langen Spaziergang durch die Altstadt entdecke ich wunderbare Geschäfte wie die von edlen Flaschen schier überquellende "Galeria del Chianti" und Paläste mit traumhaften Innenhöfen. Fürs Abendessen aber suche ich den großen Überblick, ein Lokal mit Blick auf Florenz. Viele gute Möglichkeiten hat man da leider nicht. Das beste Panoramarestaurant der Arnostadt gehört zum Luxushotel "Villa La Vedetta", einer prächtigen Residenz, die über die baumgesäumten Viale Michelangelo im Süden der Stadt zu erreichen ist. Durch die Lobby und die geräumige Lounge geht es in den Garten. Ein Erlebnis: Die Aussicht auf den Dom, auf den Turm des Palazzo Vecchio und die Arnobrücken kann auch dem den Atem rauben, der schon oft in Florenz gewesen ist.

Wohnen in der Natur und doch mitten in der Stadt

Kurz vor Sonnenuntergang genieße ich von der Terrasse des Hotelrestaurants "Onice" aus den Blick über die golden funkelnden Dächer und Kuppeln. Der Chefkoch Andrea Accordi lässt zartes Taubenfilet mit jungem Gemüse servieren und verführerische Teigfladen mit in Olivenöl leicht angebratenem Fleisch der schmackhaften Gelbschwanzmakrelen von der toskanischen Küste. Zartes Spanferkelfilet, eine weitere toskanische Spezialität, peppt er mit fernöstlichen Gewürzen auf: Accordi hat einige Zeit in Thailand und Hongkong gearbeitet; seine Idee, Traditionsgerichte mit asiatischen Aromen zu kombinieren, ist in Florenz einmalig.

Altbewährtes und Neues möchte auch Claudio Nardi verbinden. Das einstige Privathaus des bekannten Florentiner Architekten steht in einem großen Garten direkt am Arno, mit Blick auf den städtischen Parco delle Cascine. Kürzlich hat Nardi daraus die "Riva lofts", eine minimalistisch ganz in Weiß eingerichtete Residenz mit zehn Suiten und Pool gemacht. Durch große Panoramafenster kann ich aus meinen Räumen auf den Fluss und den Park am anderen Ufer blicken - Wohnen in der Natur und doch mitten in der Stadt, wie es mir die Herzogin beschrieben hat. In Florenz ist dieses Wunder möglich.



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Seifert 01.09.2007
1.
Zitat von sysopKultur, Küche, Strände und mediterrane Lebensart: In Italien fühlen sich deutsche Touristen traditionell wohl. Lieben auch Sie Italien? Welche sind Ihre Tipps für Reisen an Mittelmeer?
Also,ick fah' nich'"an Mittelmeer",ick fah' lieba auffem Berch!! Geringfügig ernsthafter:die italienische Bergwelt ist mir am liebsten,hochgradig bevölkerter Strand ist mein Ding nicht. Aber,ob im Monte-Baldo-Massiv oder am Gran-Paradiso,dort herrscht Ruhe,mit der Chance,auch mit lebhaften Italienern oder anderen Nationalitäten,die beeindruckenden Ausblicke zu geniessen. Und:abends,beim Wein,schwinden von Glas zu Glas die Sprachbarrieren- wunderbar (dies ist kein Pladoyer für hemmungsloses Saufen)!
dontoffone 05.09.2007
2.
Gott sei Dank besteht Italien nicht ausschließlich aus Küste und die Sprachbarrieren, auch in den italienischen Alpen, sind ja bekanntlich nicht allzu groß für uns Deutsche. Wer allerdings den "Monte-Baldo", die Garda-Region und die Dolomiten schon für Italien hält, sollte es erst gar nicht versuchen tiefer in das Land einzudringen. Zu hoch wäre die Gefahr eines Autodiebstahls, Kofferklaus oder eines maffiösen Messers zwischen den Rippen…;-)) Also, wenn man sich von den prolligen Stränden des Mittelmeers fern hält (obwohl, es gibt auch kleine, feine Geheimtipps dort) und es einmal mit Umbrien, den Marken, oder dem nördlichen Latium versucht, wird überrascht sein, wie relaxed und gar nicht touristisch überspannt die Menschen dort sind. Eben - es gibt dort keine "Neckermänner", dafür jede Menge gutes Essen, leckeren Wein und unglaublich viele "Augenöffner". Voraussetzung für einen gelungenen Urlaub dort ist aber ein gewisses Interesse an Geschichte und Kultur und etwas Empathie für urbane Lebensweisen. Ich sollte es hier eigentlich nicht verraten, doch selbst am "Lago di Bolsena" kann man in der absoluten Hochsaison noch den ganzen Tag chez nouz in einer lauschigen, von hohem Schilf umrahmten Bucht liegen. Das ist ein mächtiger See in einer Vulkancaldera, 14 Km Wasserfläche und fast 160 Meter tief. Also durchaus alpine Qualitäten, Herr Seifert. Spitze auch für sportliches Surfen und Jet-Ski "brettern"…
Mike_D 05.09.2007
3.
Wenn ich nach Italien fahre, dann nach Südtirol. Die Berge, das Wetter, das Essen und Trinken, die 'Eingeborenen' und natürlich die Sprache - für mich als alten Bergfex die perfekte Urlaubsregion. Zum Glück gibt es auch noch einigermassen ruhige Ecken. Die Strände interessieren mich nicht so seht. Wenn schon mal Strandurlaub sein muss, dann auf einer der zahlreichen griechischen Inseln - vorzugsweise IOS.
Seifert 05.09.2007
4. Ist der Monte Baldo schon Italien??
Zitat von dontoffoneGott sei Dank besteht Italien nicht ausschließlich aus Küste und die Sprachbarrieren, auch in den italienischen Alpen, sind ja bekanntlich nicht allzu groß für uns Deutsche. Wer allerdings den "Monte-Baldo", die Garda-Region und die Dolomiten schon für Italien hält, sollte es erst gar nicht versuchen tiefer in das Land einzudringen. Zu hoch wäre die Gefahr eines Autodiebstahls, Kofferklaus oder eines maffiösen Messers zwischen den Rippen…;-)) Also, wenn man sich von den prolligen Stränden des Mittelmeers fern hält (obwohl, es gibt auch kleine, feine Geheimtipps dort) und es einmal mit Umbrien, den Marken, oder dem nördlichen Latium versucht, wird überrascht sein, wie relaxed und gar nicht touristisch überspannt die Menschen dort sind. Eben - es gibt dort keine "Neckermänner", dafür jede Menge gutes Essen, leckeren Wein und unglaublich viele "Augenöffner". Voraussetzung für einen gelungenen Urlaub dort ist aber ein gewisses Interesse an Geschichte und Kultur und etwas Empathie für urbane Lebensweisen. Ich sollte es hier eigentlich nicht verraten, doch selbst am "Lago di Bolsena" kann man in der absoluten Hochsaison noch den ganzen Tag chez nouz in einer lauschigen, von hohem Schilf umrahmten Bucht liegen. Das ist ein mächtiger See in einer Vulkancaldera, 14 Km Wasserfläche und fast 160 Meter tief. Also durchaus alpine Qualitäten, Herr Seifert. Spitze auch für sportliches Surfen und Jet-Ski "brettern"…
Übertragen auf Deutschland:bleibt bloß raus aus Bayern!! Es gibt jedoch Leute,die fahren dennoch hin -so wie ich die o.a. Region schätze,da sie m.E. eine ideale Mischung zwischen Bergen,Wasser und mediterranem Umfeld und ebensolcher Lebensart bietet. Und:innerhalb von max.10 Stunden bin ich dort -sachte gefahren.
dontoffone 06.09.2007
5.
Zitat von SeifertÜbertragen auf Deutschland:bleibt bloß raus aus Bayern!! Es gibt jedoch Leute,die fahren dennoch hin -so wie ich die o.a. Region schätze,da sie m.E. eine ideale Mischung zwischen Bergen,Wasser und mediterranem Umfeld und ebensolcher Lebensart bietet. Und:innerhalb von max.10 Stunden bin ich dort -sachte gefahren.
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