Thailand in der Hochsaison Bangkok bereitet sich auf Massendemo vor

Das öffentliche Leben in Bangkok soll nach dem Willen der Regierungsgegner am Montag stillstehen. Das Auswärtige Amt rät, Menschenansammlungen in der thailändischen Hauptstadt zu meiden. Hoteliers und Tourveranstalter bangen um ihr Einkommen.

AP/Wason Wanichakorn

Bangkok - Entspannt auf dem Fluss Chao Phraya in Bangkok Richtung Königspalast schippern - das lassen sich Inge und Maja aus Bochum nicht nehmen. Die Studentinnen wissen, dass Regierungsgegner seit Wochen in der Stadt demonstrieren, aber sie sind unbesorgt. "Wir haben Fotos von uns mit Demonstranten auf Facebook hochgeladen. Mein Freund war entsetzt, der findet das gefährlich, aber zu uns waren die Leute ganz freundlich", sagen sie.

So unbesorgt wie die beiden Frauen sieht das Auswärtige Amt die Lage in der thailändischen Hauptstadt nicht. In seinem Reisehinweis rät die Behörde, jegliche Menschenansammlungen im gesamten Stadtgebiet zu meiden. Auch am Donnerstag sind wieder Tausende Demonstranten gegen die Regierung aufmarschiert. Der lautstarke Protestzug führte über den Fluss Chao Phraya in den westlichen Teil der thailändischen Hauptstadt.

Der Marsch gilt als Vorbereitung auf die Massendemonstration, mit der der frühere Vize-Regierungschef und Anführer der Demonstranten, Suthep Thaugsuban, Bangkok am Montag lahmlegen will. Hunderttausende Demonstranten werden erwartet, die den Verkehr der Acht-Millionen-Metropole mit der Besetzung wichtiger Kreuzungen zum Erliegen bringen wollen. Ihr Ziel ist, die Regierung zu stürzen und die Wahlen am 2. Februar zu verhindern.

Die thailändischen Behörden haben daher für das gesamte Stadtgebiet sowie für an Bangkok grenzende Provinzen ein besonderes Sicherheitsregime nach dem "Internal Security Act" verhängt. Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden dringend, ihre Planung entsprechend anzupassen und längere Verzögerungen einzuplanen.

"Überprüfen Sie Ihre Lebensmittelvorräte"

Die deutsche Botschaft in Bangkok schließt Versorgungsengpässe nicht aus. Per E-Mail schrieb Botschafter Rolf Schule an Landsleute in Thailand, dass niemand wisse, wie sich die geplante Lahmlegung von Bangkok am kommenden Montag auswirken wird. Er empfiehlt unter anderem: "Überprüfen Sie Ihre Lebensmittelvorräte auf ausreichende Reis-, Nudel- oder sonstige haltbare Vorräte" und "Legen Sie einen Bargeldvorrat an".

Bilder der Massenproteste, die schon im November begannen, zeigen bereits erste Folgen für die Tourismusbranche: "Wir hatten im Januar mit 2,5 Millionen internationalen Besuchern gerechnet", sagt Piyaman Techapaiboon, Präsidentin des Tourismusrates, der alle Verbände innerhalb der Branche repräsentiert. "Jetzt rechnen wir mit 400.000 weniger."

"Unsere Häuser in Bangkok haben in diesem Monat vielleicht 40 Prozent Stornierungen erlebt", sagt Chanin Donavanik, der Chef der Dusit-Thani-Hotelgruppe. "Erfreulicherweise läuft es überall sonst im Land gut." "Wir haben ein Viertel weniger Buchungen als sonst", berichtet Luzi Matzig, Direktor des Tourveranstalters Asia Trails. In Thailand ist zurzeit Hochsaison.

"Viele Touristen bleiben wegen der Situation nur eine Nacht in Bangkok und fahren dann weiter auf die Inseln", sagt Mena Kamkhen im Hotel Rest In in der Nähe der Khao San Road, wo überwiegend Rucksacktouristen wohnen. Sie liegt in der Nähe des Protestgeländes. Fluggesellschaften wie Singapore Airlines und Cathay Pacific haben für die nächsten Wochen reihenweise Flüge nach Bangkok gestrichen.

Thailand-Touristen sind treu

Die Touristikindustrie ist enorm wichtig für das Land: Direkt und indirekt macht sie fast 17 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus, rund 43 Milliarden Euro 2012, berichtet der Welttourismusrat in einer Thailand-Studie. Daran hängen 4,8 Millionen Arbeitsplätze.

Die Erfahrungen vergangener Jahre zeigen aber: Die Touristen bleiben Thailand treu. Es gab schon 2006, 2008 und 2010 Massenproteste. 2010 besetzten Demonstranten wochenlang eine Kreuzung direkt an der Einkaufsmeile mitten in Bangkok. Bei Zusammenstößen mit der Polizei kamen mehr als 90 Menschen um. Die Regierung schickte schließlich Panzer, um die Straßen zu räumen.

Damals ging die Besucherzahl im Mai zwar um elf Prozent zurück. Im Jahr darauf kamen im gleichen Monat aber 70 Prozent mehr Gäste. Nach dem Krisenjahr 2010 mit 16 Millionen Besuchern reisten ein Jahr später 19,2 Millionen Besucher nach Thailand. 2013 waren es 26,1 Millionen. Aus Deutschland fliegen gut eine halbe Million Touristen im Jahr nach Thailand. Viele steigen in Bangkok nur um.

abl/dpa



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raoul2 09.01.2014
1. Wenn die
... nicht weiter versuchen, Gewalt zu provozieren, indem sie friedliche Demonstranten hinterrücks beschießen, einem Journalisten, den sie für "zu Demonstranten-freundlich" halten, das Haus anzünden oder bewaffnete Polizisten in Zivil in das Camp der Demonstranten schicken, die Drogen bei sich haben, um die gestreuten Gerüchte, die Demonstranten seien drogenabhängig und bewaffnet, zu "beweisen", kann auch der Montag völlig friedlich ablaufen. Die Versuche der Interims-Premierministerin Yingluck, die Demonstrationen gegen die offensichtliche Korruption ihrer Familie, gegen ihre vom weiterhin flüchtigen Bruder ersonnenen, sinnlosen Geldverbrennungs-Aktionen zum Kauf der Stimmen für eine neue "Wahl" Anfang Februar und gegen die weitere Ausplünderung des gesamten Landes durch die Shinawatra-Clique, die eine Ein-Parteien-Diktatur mit dem kriminellen Thaksin an der Spitze errichten möchte, zu diskreditieren, sind allzu durchsichtig - in manchen Aktionen schon überaus lächerlich. So hat sie angekündigt, das Tragen der thailändischen Flaggen-Farben am Montag als verfassungswidrig und als Landesverrat einzustufen, zu die allzu friedlichen Demonstranten zu "kriminalisieren". Wer die Bilder der bisherigen Proteste ansieht, wird feststellen, daß gerade diese Farben blau-weiß-rot das Erkennungszeichen der Leute sind, die friedvoll für ein freies, demokratisches Thailand eintreten. Da könnte man - genauso dumm und platt - ja auch gleich auf die Idee kommen, das Gehen auf zwei Beinen zu verbieten... Die Nerven der Shinawatras und ihrer Unterstützer liegen blank.
special waste 10.01.2014
2. Sandwich
Die "Städtische Mittelschicht" in Bangkok, auch wenn sie der Regierung äußerst kritisch gegenübersteht, hat für die jetzt angekündigten Protestaktionen gar nichts mehr übrig. Einige Kommentatoren hier aber immer noch. Jetzt merkt auch die selbsternannte Elite, das die Grundlage ihres Wohlstandes wegzubrechen droht. Die Touristen bleiben weg und durch die schwache Währung drohen massive Preiserhöhungen. Das Investitionsklima geht gegen null und erste Firmen denken über Produktionsverlagerungen ins benachbarte Ausland nach. Eine Katastrophe für das Land. Die Protestaktionen werden in der Presse durchweg verrissen, sogar Journalisten, die am Anfang noch mit demonstriert haben, schreiben heute Kommentare wie "shut down Suthep, not Bangkok". Reformprozesse sind wichtig, aber man geht auch in der Presse mittlerweile von 5 - 6 Jahren aus. Wer regiert das Land in dieser Übergangszeit und installiert Reformen? Die Gemengelage in Thailand bleibt undurchsichtig, auf der einen Seite eine Übergangsregierung die erzwungendermassen den Dialog sucht, auf der anderen Seite Suthep mit seinen Demonstranten. In der Mitte das Militär, das seine Neutralität herausstellt und einen Coup ablehnt. Wer ist der grosse Unbekannte in diesem Spiel, der die Fäden zieht? Darüber spricht hier öffentlich niemand. Dazu ein treffender Kommentar aus der Bangkokpost : "Suthep ist nur der Jockey, aber wem gehört das Pferd, auf dem er reitet?" Die Stimmung in Bangkok kippt und ob am Montag wirklich die Massen Bangkok fluten und diese Stadt zum Erliegen bringen? Wohl kaum, deshalb setzt Suthep auch nicht mehr auf Massendemonstrationen, sondern auf das Blockieren von Strassen und Kreuzungen. Dafür reichen schon ein paar tausend Leute, die er aus seiner Provinz Surat Thani ankarren lässt. Eigentlich könnte die Opposition der Regierung gar keinen grösseren Gefallen tun, denn sie bringt die Bevölkerung Bangkoks gegen sich auf. Bleibt es friedlich, hat er verloren und das Land wird sich in einem sehr langen Übergangsprozess wieder finden müssen. Die Regierung kann also gar keinen Grund haben, diesen Konflikt mit Gewalt zu lösen. Kommt es aber zu Gewalt und bürgerkriegsähnlichen Zuständen, wird das Militär, wie angekündigt, Einschreiten und es gibt eine erneuten Coup mit unabsehbaren Folgen. Dann hätte Suthep sein Ziel erreicht.
Horacio 10.01.2014
3. Die Herde zieht weiter!
Es werden ein paar hunderttausend Demonstranten kommen und die werden auch wieder gehen. Die Regierung wird im Amt bleiben und durch die nächste Wahl bestätigt werden. Bemerkenswerter Kommentar heute in der Bangkok Post. "Entsorgen Sie bitte den Protestführer" Es gibt doch viele intelligente Menschen in Thailand.
micawber 10.01.2014
4. Nicht Demokratie ...
... sondern ein Staendestaat des 18./19. Jahrhunderts ist das Ziel Sutheps und seiner Hintermaenner. Kein gleiches und allgemeines Wahlrecht mehr, keine kritische Presse. Stattdessen die Herrschaft einer selbsternannten 'Elite', die die Pfruende unter sich aufteilt.
Pattaya75 10.01.2014
5. Oh die Deutschen
Man muß sich als Deutscher in Thailand schämen, daß "Personen" wie special waste or Horacio in Thailand leben. Ihre Komentare spiegeln Ihre Dummheit wieder.
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