Türkei Wege zu neuem Weiß

Mit Hotelabrissen und Badeverboten will die Türkei die weltberühmten Sinterterrassen in Pamukkale auf Vordermann bringen. Noch liegt über den Quellen allerdings ein Grauschleier.


Pamukkale - Die Badenixen in den himmelblaunen Naturbassins der Kalkterrassen von Pamukkale gibt es nicht mehr - höchstens noch auf Postkartenmotiven. Denn in den einst strahlend weißen Sinterterrassen im Westen der Türkei herrscht seit einigen Jahren Badeverbot.

Das war einmal: Baden in den Sinterterrassen von Pamukkale ist heute verboten
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Das war einmal: Baden in den Sinterterrassen von Pamukkale ist heute verboten

Zu groß waren die Umweltsünden, die den einstigen Touristenmagneten mit einem unattraktiven Grauschleier überzogen haben. Derzeit dürfen die Kalkterrassen nur noch barfuß oder auf Socken betreten werden. Pamukkale soll wieder weiß werden.

Nur Urlauber, die erstmals Pamukkale besichtigen, sind noch beeindruckt von den Terrassen. Alle, die die größte Besucherattraktion der Türkei schon vor 20 oder 30 Jahren einmal sahen, reagieren enttäuscht. Damals leuchteten die Terrassen noch in echtem Pamukkaleweiß.

Heute fließt das Wasser der Quellen im angrenzenden antiken Hierapolis spärlicher und führt so zu weniger mineralischen Ablagerungen. Die Sinterschicht ist vor allem an den Außenflächen des knapp 100 Meter hohen Terrassengebildes trocken und dunkel.

Schneebedeckte Hügel mit Grauschleier: Die Schönheit des Naturwunders von Pamukkale soll in ein paar Jahren wieder hergestellt sein
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Schneebedeckte Hügel mit Grauschleier: Die Schönheit des Naturwunders von Pamukkale soll in ein paar Jahren wieder hergestellt sein

Über 1,2 Millionen Besucher kamen 1998 nach Pamukkale - meist mit Bustouren aus Antalya, Dalaman, Bodrum, Kusadasi und Izmir. 1999, ohnhin ein schlechtes Jahr für den türkischen Tourismus, kamen nach Angaben der zuständigen Behörde nur noch gut die Hälfte.

Aber der Grauschleier muss weg, da sind sich alle in der Türkei einig. "In vier, fünf Jahren soll Pamukkale wieder so schön wie früher sein", sagt Taner Tin, Chef der örtlichen Tourismusbehörde. Der Anfang ist gemacht: Zum Schutz des Naturwunders dürfen Touristen heute nur noch einige, durch Seile und Schilder markierte Pfade benutzen.

Die Hotels direkt an den Quellen und Sinterterrassen wurden inzwischen fast vollständig vom Staat aufgekauft und sollen möglichst bald abgerissen werden. Die Bettenburgen gelten als Sündenböcke und Verschmutzer, die sie aufgrund einer fehlenden Kanalisation viel Schmutz ins Grundwasser leiteten. Experten vermuten zudem, dass einige Häuser die Pamukkale-Quellen für ihre Thermalbäder illegal anzapften und deshalb immer weniger Wasser über die Terrassen lief.

Schon die Römer genossen die Thermalquellen: Die antiken Ruinen und Bauten von Hierapolis zeugen davon
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Schon die Römer genossen die Thermalquellen: Die antiken Ruinen und Bauten von Hierapolis zeugen davon

Auch Busse sollen nur noch weiter entfernt parken dürfen. Ältere Besucher und Behinderte werden dann mit kleinen Elekroautos zur der Attraktion gebracht, die als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco steht. Geplant ist auch, Bäumen und Blumen sowie rosa- und purpurfarbenen Oleanderbüsche anzupflanzen. Geduldet werden sollen nur noch Cafes und Souvenirstände.

Um das Naturwunder von den vielen Übernachtungsgästen zu entlasten, entstanden gut fünf Kilometer entfernt, unter anderem in Karahayit, zahlreiche Hotels - teilweise mit üppigen Pflanzen, Statuen und Thermalpool ausgestattet. Touristen, die auf eigene Faust mit dem Überlandbus oder Mietwagen anreisen, schlafen meist in Pamukkale Köy, wo eine Übernachtung schon ab 15 Mark zu haben ist.

Informationen:

  • Flüge an die Touristenorte am türkischen Mittelmeer bieten Chartergesellschaften teils unter 500 Mark an. Wer nicht in einer Gruppe von der Küste nach Pamukkale fahren will, nimmt den preiswerten Überlandbus.
    Für kürzere Strecken empfiehlt sich auch das "Dolmus", ein Routentaxi, das bei Bedarf abfährt. Mietwagen sind ab 40 Mark bis 60 Mark pro Tag zu haben.
  • Zweitägige Busausflüge von den Urlaubsorten der Küste kosten zwischen 65 bis 90 Mark - inklusive Übernachtung, Abendessen, Frühstück und Führungen
  • Weitere Auskünfte beim Türkischen Fremdenverkehrsamt, Taunusstraße 52-60, 60329 Frankfurt/Main, Tel. 069/23 30 81


Bernd Kubisch



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