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Lettland: Tipps für die Riga-Reise

Foto: Uwe Zucchi/ picture alliance / dpa

Städtetipp Riga Balsam für die Kehle

Cocktails im Bahnhofsturm, Kräuterlikör im Kellergewölbe: Bei einer Partynacht in Riga landet gern mal Hochprozentiges im Glas. Höhepunkt dieses Sommers ist ein Festival, bei dem Zehntausende Sänger auftreten. Dann rockt die Stadt eine Woche nonstop.

Martin Brand hat in Russland seinen Zivildienst gemacht, in Polen studiert und arbeitet nun in ganz Osteuropa als Reiseführerautor. Bei seinen Trips durchs Baltikum faszinierte ihn am meisten Lettland, vor allem Riga mit seiner hanseatischen Geschichte sowie seinem Mix aus osteuropäischer und skandinavischer Kultur.

Herr Brand, wie fängt der Tag in Riga am schönsten an?

Mit einem Frühstück im Ambiente . In diesem Restaurant lernen Sie bei leckeren Pfannkuchen und frischem Lachs den Geschmack der Stadt kennen und stimmen sich gleich auf das ein, was Sie draußen an Architektur erwartet: Im Zentrum von Riga reiht sich ein Jugendstilgebäude an das nächste.

Wohin zum Shopping?

Im Studio Art Bag  kann jede Frau zur Designerin ihrer eigenen Handtasche werden, die dann ganz individuell geschneidert wird - wenn es dringend ist auch übers Wochenende. Passende Schuhe finden sich anschließend bei Madam Bonbon . In ihrer elegant eingerichteten Jugendstilwohnung stehen im Schlafzimmer auf dem Bett, auf dem Couchtisch des Wohnzimmers und selbst auf dem Rand der Badewanne Dutzende Damenschuhe.

Welcher ist der interessanteste Stadtteil?

Die Moskauer Vorstadt. Hier ist das Leben rauer, die Probleme sind sichtbarer. Viele Touristen trauen sich nicht in das Arbeiterviertel, das mitunter etwas trostlos wirkt. Charme verleihen ihm die verfallenen Holzhäuser. Von der Aussichtsplattform der Akademie der Wissenschaft aus hat man einen tollen Blick auf Riga.

Wo sonst haben Besucher schöne Aussichten?

Auf dem Kirchturm der Petrikirche. Vom höchsten Bauwerk der Altstadt eröffnet sich ein grandioser Rundblick. Mein Geheimtipp: die unter Touristen wenig bekannte Bar im Turm des Rigaer Bahnhofs. Neben dem Panoramablick auf die Dächer der Altstadt gibt es noch einen Cocktail und Sushi.

Ein typisch lettisches Mittagessen...

...sind Grauerbsen mit Speck. In der rustikal eingerichteten Bauernstube Taverna  gibt es zu diesem deftigen Gericht ein Glas Sauermilch oder Kefir.

Warum sollte man diesen Sommer nach Riga fahren?

Alle fünf Jahre versammeln sich die Letten in Riga zu einem Lieder- und Tanzfest . Mehr als 30.000 Musiker werfen historische Trachten über und feiern zusammen mit ausländischen Gästen ihre Kultur. Die ganze Stadt ist eine Woche lang in Festlaune. Höhepunkt ist das Abschlusskonzert eines Chors von 13.000 Menschen. Dieses Jahr startet das Fest Ende Juni.

Welchen Ort empfehlen Sie für eine Abkühlung im Sommer?

Jurmala, das mondäne Seebad vor den Toren Rigas. Die weiten Ostseestrände sind bei den Einheimischen sehr beliebt und entsprechend voll, wenn's heiß wird. Wer Ruhe sucht, flieht ins idyllisch an einem See gelegene Ethnologische Freilichtmuseum. Aus unzähligen Holzhäusern hat man dort das historische Lettland in Miniatur nachgebaut. Ein wunderbarer Ort.

Welches Museum ist außerdem spannend?

Das Okkupationsmuseum. Dort lernt man vieles über die Geschichte Lettlands, das vor und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets besetzt war und während des Krieges von den Nazis. Auf dem Trödelmarkt Latgalite findet sich mit Sicherheit ein alter sowjetischer Orden oder eine massive Leninbüste.

Gibt es auch ein handlicheres Mitbringsel?

Eine Flasche Rigaer Balsam. Der hochprozentige Kräuterlikör aus 24 Arzneipflanzen gilt als lettische Spezialität schlechthin.

Wo ruht man sich vom Shoppen aus?

Im Hinterhofcafé "Ligitas Leckereien". Es liegt in einer schmalen Gasse in der Altstadt, ganz in der Nähe des Schwedentors. Im Wintergarten kann man sich bei einer hausgemachten Torte vom Sightseeing erholen. Warum die Gasse vor dem Café "Laute Straße" (Trokšnu iela) heißt? Hier sollen im 19. Jahrhundert Prostituierte aus den Fenstern ihrer kleinen Wohnungen lauthals ihre Liebesdienste angeboten haben.

Und wer bietet heutzutage besonders gute Kochkünste an?

Der Küchenchef der kleinen Galerija Istaba  (Kr. Barona 31a) - das ist ein Ausstellungsraum, Restaurant und Café in einem: Man wählt nicht aus einer Speisekarte, sondern lässt sich überraschen, was die frischen Zutaten hergeben. Ein kulinarisches Vergnügen, das nicht mal sehr teuer ist.

Eine unvergessliche Nacht...

...erlebt man im Folkklubs Ala Pagrabs . In den Kellergewölben herrscht gute Laune, es gibt lettisches Bier, deftiges Essen und fast jeden Abend Livemusik.

Die Fragen stelle Julia Stanek

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