Wales Eine schaurig-schöne Reise

Vor allem Männer sollten sich bei einem Wales-Urlaub in Acht nehmen. In vielen Burgruinen warten angeblich die Geister längst verblichener Ladys darauf, den männlichen Touristen eins auszuwischen.


Um Wales verfallene Schlösser ranken sich zahllose Schauergeschichten
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Um Wales verfallene Schlösser ranken sich zahllose Schauergeschichten

Die Waliser pflegen ihre eigene Sprache, die Unkundige weder verstehen noch lesen und schon gar nicht sprechen können. Die Landschaft ähnelt ein wenig der Irlands: Hecken begrenzen Straßen und Wege, Mauern aus lose geschichteten Steinen umranden die Felder. Zehn Millionen Schafen ziehen über die grünen Wiesen. Dreimal mehr als der Landesteil im Südwesten Großbritanniens Einwohner hat. Und immer wieder Schlösser, Burgen. Mehr als 500 verlassene und verfallene hochherrschaftliche Gebäude soll es hier geben - man könnte meinen, dass die Anzahl der Schauergeschichten und Gruselmärchen, die sich um die Ruinen ranken, diese Zahl noch übersteigt.

Wer es also gern einmal schön gruselig haben möchte, wer einem Nervenkitzel nicht abgeneigt ist, und wen auch das Gefühl gesträubter Nackenhaare nicht stört, der ist hier goldrichtig. Im Hotel Miskin Manor in Cardiff beispielsweise hört man oft dicht hinter sich Schritte. Ob das wirklich nur die Fußdielen sind, die knarzen? Sitzt man im Salon vor dem Kamin erfasst einen urplötzlich ein eisiger Luftzug. Dabei ist es doch knuffig warm, so nah am Feuer.

Mit ihren grünen Wiesen und sanften Hügeln erinnert die Landschaft an Irland
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Mit ihren grünen Wiesen und sanften Hügeln erinnert die Landschaft an Irland

Im Örtchen St. Athan im Süden von Wales geht der Schatten einer Frau um. Angeblich hat hier einmal ein Lord seine Ehefrau im Boden vergraben, so das nur noch ihr Kopf herausguckte. Die Gestalt, die im Morgengrauen zu sehen ist, soll die Schwester der traurigen Lady sein, die ihre Verwandte mit gesammeltem Tau vor dem Verdursten bewahren suchte und nun keine Ruhe mehr findet. Auch in der ehrwürdigen Burg Caephilly Castle soll der Geist einer traurigen Frau umherschleichen. Der Burgbesitzer Gilbert de Clare hatte seine Gattin ins ferne Frankreich verbannt, weil er ihr Untreue vorwarf. Noch heute können die Burgwächter in der Nacht das Parfum der Verstoßenen riechen.

In den Black Mountains in Wales scheint die Zeit stehen geblieben zu sein
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In den Black Mountains in Wales scheint die Zeit stehen geblieben zu sein

Schaurig-schön ist der Mythos, der sich um das Landgut Penyclawdd rankt. Das 1350 errichtete Gebäude dienste erst als Gefängnis, dann als Gericht. Heute ist es eine Pension. Die gegenwärtige Besitzerin fand im Garten einen Ring aus dem 16. Jahrhundert mit der Aufschrift: "Die Liebe besiegt alles". Männliche Gäste der Pension spüren diesen Liebesschwur aus vergangenen Zeiten angeblich immer noch als zärtliches Streicheln einer schönen Frau. Zauberhafte Stille liegt um den Llangorse Lake im nahe gelegenen Brecon Beacins Nationalpark. Doch Männer sollten sich vor dem tiefen Wasser hüten. Der Legende nach lauern die dort lebenden Meerjungfrauen nur darauf, sie mit in die Tiefe zu ziehen.



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