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Städtetipps für Weimar: Schiller bis Schittchen

Foto: Maik Schuck / Weimar

Schiller bis Schittchen Der perfekte Tag in Weimar

Thüringer Wurst, Schittchen und Goethe - das ist Weimar? Ja, aber nicht nur. Auch: ein nebliger Novembermorgen im Park von Belvedere, ein Bummel über die geschichtsträchtigen Friedhöfe oder eine Jazzsession im Kasseturm.
Zur Person
Foto: Antje Vanhoefen/ Bruckmann Verla

Antje Vanhoefen, geboren 1971 in Rostock, lebt in Weimar. Sie studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Seit 2000 arbeitet sie als Kunsthistorikerin für Ausstellungsprojekte, schreibt zu diversen kunsthistorischen Themen und Reiseführer. Im April 2014 wurde sie zur Direktorin des Schlossmuseums Arnstadt ernannt.

Frau Vanhoefen, wo in Weimar gibt es das beste Frühstück?

Ein Klassiker ist ohne Frage das Frühstück im "Resi" genannten Residenz-Café . Das mehr als 170 Jahre alte Kaffeehaus liegt direkt an der Weimarer Residenz und ist das älteste noch bestehende der Stadt. Mit Blick auf das Stadtschloss  genießt man hier ein bisschen Wiener Kaffeehausatmosphäre.

Allerdings hat im Sommer auch ein Frühstückspicknick im Park an der Ilm , im Schlosspark Tiefurt  oder Belvedere  seinen Reiz. In den wunderbar angelegten Landschaften sitzt man entspannt mit Kindern und Freunden auf einer mitgebrachten Decke oder direkt im Gras und kann essen, spielen und später noch flanieren.

Wohin sollte ein Bummel am Vormittag unbedingt führen?

Über Weimars Marktplatz am Rathaus oder durch die Schillerstraße zum Theater - und weiter zum Goetheplatz, um anschließend in Weimars Altstadtgassen einzutauchen. Bequem kann man so vom Museum zum Café oder in die kleinen Ladengeschäfte wechseln: vom Schillerhaus  zum Schirmmuseum , von der Herzogin Anna Amalia Bibliothek  zum Buchbinder oder vom Weimarhaus  in die Crêperie du Palais .

Wo lässt sich die Geschichte Weimars am besten spüren?

Eindrucksvoll sind ohne Frage die Gedenkstätte KZ Buchenwald , Schloss und Park Tiefurt , Schloss und Park Belvedere  sowie das Museum für Ur- und Frühgeschichte - um nur einige zu nennen. Ich selbst empfinde auch Weimars Friedhöfe als sehr wirkmächtige Plätze, die viele Geschichten erzählen.

Und wo ist die Stadt besonders modern?

Jung und überraschend ist Weimar immer wieder an ganz unterschiedlichen Orten. Das liegt an der Bauhaus-Universität und an der Hochschule für Musik Franz Liszt. Aber auch neben den etablierten Kultur- und Bildungseinrichtungen gibt es hier viele Initiativen, die durch ihre Frische überzeugen und Weimars Atmosphäre prägen. Ein Beispiel: Da eröffnet ein Pop-up-Restaurant als Abschlussarbeit und schließt nach einer Saison wieder - von den Gästen wurde es begeistert angenommen.

Ihre persönlichen Lieblingsplätze abseits des Trubels:

Der Park von Belvedere  an einem nebligen Novembermorgen. Das Bienenmuseum , in dem es allerdings auch sehr trubelig zugehen kann. Die Tiefurter  und die Denstedter Kirche  während eines Orgelkonzerts. Sehr gern spaziere ich auch über den Historischen Friedhof  oder besuche die kleineren Museen, beispielsweise das Haus "Hohe Pappeln" , in dem einst Designer und Architekt Henry van de Velde lebte.

Welches Lokal empfehlen Sie für eine Rast am Mittag?

Es gibt viele gute Restaurants in Weimar, mit internationaler und regionaler Küche. Das Anno 1900  ist sehr zu empfehlen, aber es gibt noch viele andere - am besten man isst sich einmal durch Weimar und erstellt seine persönliche Hitliste.

Eine typisch thüringische Mahlzeit zur Stärkung ist…

…ganz klar die würzige Rostbratwurst , die man am besten auch mit Thüringer Senf verzehrt. Im Herbst sollte man unbedingt den deftigen Zwiebelkuchen probieren und in der Weihnachtszeit Schittchen, so nennt man Stollen in vielen Teilen von Thüringen.

Was ist der beste Ort für eine Pause am Nachmittag?

Bei schlechtem oder kaltem Wetter empfehle ich, auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen bei Bäcker Rose  einzukehren - Weimarer schwören auf diese Institution am Herderplatz. Bei Sonnenschein ist der schon erwähnte Park von Belvedere  besonders schön. Gerne höre ich hier den Vögeln oder den Schülern des Musikgymnasiums  beim Musizieren zu.

Wo kann man in der Adventszeit einen gelungenen Abend verbringen?

Auf dem Weimarer Weihnachtsmarkt , bei Konzerten oder Theateraufführungen im Deutschen Nationaltheater  oder bei einem Besuch im Lichthaus, dem Kino im Straßenbahndepot . Im Sommer empfehle ich das Kunstfest, das Sommertheater im Park von Tiefurt  sowie eine der Veranstaltungen im Köstritzer Spiegelzelt . Und auch laut bis schräg kann Weimar bieten - zum Beispiel im Studentenclub Kasseturm .

Und wo kann man gut Geschenke kaufen?

Ich empfehle die vielen kleinen Läden in Weimars Zentrum, zum Beispiel in der Windischenstraße. Aber es gibt auch abseits der Altstadtpfade originelle Geschäfte. Extravagante Regenschirme zum Beispiel gibt es bei Frau Pennewitz, die auch das Schirmmuseum betreibt. Und ein Erlebnis ist ohne Frage auch ein Besuch im Krawattenladen von Herrn Kaiser , gleich um die Ecke vom Wittumspalais .

Ein ausgefallenes Weimar-Mitbringsel…

…findet man garantiert im Laden der Bauhaus-Universität . Auch der Kirchenladen  am Herderplatz oder die Museumsläden der Klassik Stiftung  sind eine gute Adresse. Vielleicht entdeckt man sein Mitbringsel aber auch in einem der Antiquariate oder einer kleinen Galerie. Der Weimar-Souvenir-Klassiker ist jedoch das Gingkoblatt, das Goethe einst mit einem Gedicht bedachte - zum Beispiel verarbeitet zu Tee, als Motiv auf Windlichtern, als Schmuckstück oder auf Porzellan und Servietten.

Ein Weimar-Buch, das Kulturfreunde unbedingt lesen sollten:

Ganz klar Thomas Manns "Lotte in Weimar" , das derzeit mal wieder im Weimarer Nationaltheater gespielt wird, sowie Goethes Gespräche mit Eckermann. Jedoch kennt man Weimar nicht ohne seine dunkle Seite, die Zeit des NS-Regimes, die unter anderem in "Der gefesselte Wald - Gedichte aus Buchenwald", Werken von Jorge Semprún oder im Roman "Nackt unter Wölfen" von Bruno Apitz behandelt wird.

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Fahrplan und Buchung

Goethes Spuren - wo findet man sie?

Empfehlenswert ist das etwa eine Fahrstunde entfernte Ilmenau mit dem Goethe Stadtmuseum . In dessen Räumen lebte Goethe einst, das Haus beschäftigt sich aber auch mit der Stadt- und der Bergbaugeschichte in der Region. Im Anschluss bietet sich ein Besuch des ebenfalls am Goethe-Wanderweg , aber schon im Thüringer Wald gelegenen Jagdhauses Gabelbach  an. An beiden Orten lernt man Weimars Heroen in anderer Umgebung und in anderen Funktionen kennen - und erlebt selbst die Natur, die schon Goethe begeisterte.

Sie selbst leben seit mehr als zehn Jahren in der Stadt. Was macht für Sie den Reiz von Weimar aus?

Das Nebeneinander von Tradition und Moderne - so abgegriffen diese Formulierung auch sein mag. Das Spannungsverhältnis von wahrer Hochkultur und der Barbarei während des Dritten Reiches. Und die ewige Jugendlichkeit dieser "alten Dame" Weimar.

Die Fragen stellte Eva-Maria Träger

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.