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Wien-Tipps: Schwimmbäder, Schnitzel, Schlagobers

Foto: © Herbert Neubauer / Reuters/ REUTERS

Städtetipp Wien Platzerl mit Pfiff

Gemeinsam allein sein. Nichts zelebrieren die Wiener so gern wie ein kontemplatives Stündchen im Kaffeehaus. Koffeinsüchtige finden ihr Glück in Melange und Mokka, Vintage-Liebhaber im Fundus eines Kostümverleihs - und Schnitzelfans finden es überall.

Daniel Krasa wurde 1976 in Wien geboren. Er verbrachte seitdem viele Jahre seines Lebens als Autor in Südamerika und Asien. Aber so gut wie seine Heimatstadt kennt er keinen anderen Ort der Welt.

Herr Krasa, wie beginnt ein Tag in Wien am schönsten?

Mit einem Frühstück am Naschmarkt, und zwar in dessen westlichem Teil. Zu meinen Lieblingscafés zählt das Naschmarkt Deli. In den umgebauten Verkaufsständen gibt es nicht nur leckere orientalische Gerichte, sondern am Wochenende auch Livemusik.

Welchen Stadtteil muss man gesehen haben?

Den Wiener Alltag erlebt man am Yppenplatz im 16. Bezirk. Hier haben in den letzten Jahren viele Kneipen, Restaurants und Künstlerateliers aufgemacht. Auf dem Bauernmarkt, immer samstags, gibt es herrliche Gourmet-Souvenirs wie Marillenmarmelade oder Obstler zu kaufen.

Die schönste Aussicht auf Wien...

... hat man von der kurvenreichen Höhenstraße, die auf das Gipfelplateau des Kahlenbergs führt. Frühaufstehen lohnt sich! Beim Sonnenaufgang erhebt sich der gelbe Feuerball tief aus der Pannonischen Tiefebene über das Donaubecken.

Am Abend empfiehlt sich ein Besuch in der Bar des "Twenty Five Hours "-Hotels. Bei einem Aperitif über den Dächern der Stadt blicken die Gäste auf das Parlament, den Volksgarten, das Rathaus und den Stephansdom.

Wohin für ein leckeres Mittagessen?

Zu Trzesniewski  in der Dorotheergasse. In diesem Lokal erhält man an der Theke kleine, mit verschiedenen Pasteten und Aufstrichen angerichtete Brote, die man dann an Stehtischen genüsslich verschlingt. Traditionell trinkt man dazu einen Pfiff, ein 0,1-Liter-Glas frisch gezapftes Bier.

Wie bitte, Sie empfehlen kein Schnitzel? Wo gibt es das beste?

Jeder Wiener hat dazu eine Meinung, und gute Schnitzel gibt es einfach in vielen Küchen. Mein Favorit: das Gasthaus Plachutta  bei der Staatsoper. Machen Sie bloß nicht den Fehler, Soße zum Schnitzel zu verlangen. Ein Scheibchen Zitrone und eine Portion Salat sind alles, was dazugehört!

Das gibt's nur in Wien:

Kaffeehäuser. Kein Café, kein Starbucks, keine Bar der Welt kann da mithalten. Viele Einheimische sehen in den Kaffeehäusern eine Art Zweitwohnsitz. Sie sinnieren hier über Wichtiges und Unwichtiges, vergessen die Zeit und alles, was sie gerade und in Zukunft verpassen könnten. Wer eine Melange und eine köstliche Mehlspeise bestellt, - so nennt man hier Süßes wie Kuchen, Torten, Strudel oder Hefegebäck - der kriegt eine Portion Kontemplation gleich mitserviert.

Wahre Worte:

"Ins Kaffeehaus geht man, wenn man alleine sein will, aber dazu Leute braucht." Alfred Polgar (1873-1955), Schriftsteller.

Welches ist das schönste Kaffeehaus?

Das Café Prückel  am Stubentor. Es ist groß genug, um ein freies Platzerl zu finden. Und der Apfelstrudel schmeckt hervorragend. Wer Ruhe sucht, der sollte sich lieber auf den Weg ins Kleine Café am Franziskanerplatz machen. Garantiert gemütlich! Bestellen Sie beim Ober auf keinen Fall "ein Kännchen Kaffee" - der wird hier nämlich immer in der Tasse serviert. Und betonen Sie das Wort "Kaffee" unbedingt auf der letzten Silbe.

Eine kleine Kaffeekunde, bitte!

Die Wiener Melange ähnelt einem Cappuccino. Wenn Sie Schlagobers statt Milch wünschen, bestellen Sie einen Franziskaner. Der Mokka ist mit einem Espresso vergleichbar. Mit ein wenig Milch wird es - je nach Größe - ein kleiner oder großer Brauner.

Geld ausgeben...

...geht ganz leicht in der Mariahilfer Straße. Als eine der größten und bekanntesten Einkaufsstraßen Wiens ist sie der perfekte Ort für einen relaxten Schaufensterbummel oder für olympisches Hardcore-Shopping. Hier reihen sich Boutiquen, Kaufhäuser, Cafés und Eissalons aneinander.

Welcher Laden verspricht ein besonderes Shopping-Erlebnis?

Das Kostümhaus . Ab dem 10. Juni verkauft der Klamottenverleih seinen gesamten Fundus - ein Flohmarkt der Extraklasse. Liebhaber von Vintage-Kleidern können sich durch rund 50.000 Accessoires und Kostüme wühlen, die teilweise Auftritte in Theater- und Filmproduktionen hatten. Dabei sind Originalteile aus den fünfziger bis siebziger Jahren, Hüte, Schuhe und Taschen aus verschiedensten Epochen.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Wiens Zuckerbäcker zaubern Süßes wie Pralinen, Konfekt und Torten - all das lässt sich wunderbar exportieren. Doch Vorsicht: Viele Touristen vernaschen ihre Mitbringsel, kaum dass sie die Konditorei verlassen.

Wiens schönste Badestelle...

...ist die Donauinsel. Im nördlichen und südlichen Bereich liegen ruhige Strände, das Wasser ist sauber. Besser besucht sind die Abschnitte in der Nähe der Reichsbrücke, bei der U-Bahn-Station Donauinsel. Der künstlich geschaffene Landstreifen zwischen der Donau und der Neuen Donau misst 21,1 Kilometer in der Länge und 200 Meter in der Breite.

Eine unvergessliche Nacht...

...beginnt in Wien mit einer Vorstellung im Burgtheater  oder in der Staatsoper . Ein Besuch muss nicht zwangsläufig teuer sein, es gibt in beiden Häusern Tickets ab zehn Euro. Danach könnte eine Lokaltour auf dem Programm stehen: Die Gegenden mit den kürzesten Nächten sind der Spittelberg und das Gebiet rund um die Schleifmühlgasse. Tanzwütigen sei ein Besuch in der seit Jahren angesagten Passage empfohlen. Der Club liegt in einer ehemaligen Fußgängerunterführung am Burgring.

Die Fragen stelle Julia Stanek