WM-Service Dortmund Ehrlichkeit statt Schnickschnack

Ruhrgebietsstädte sind nicht gerade schön. Doch wer sich für den Charme der Industriekultur erwärmen kann, ist in Dortmund genau richtig. Außerdem gibt es dort die knackigste Currywurst - ohne Schnickschnack, aber mit Schranke.

Keinen Schnickschnack bitte. Für jeden Dortmunder gab es früher zwei Fixpunkte. Die Arbeit und den Fußball. Die Arbeit war sein Leben, der Fußball, besser gesagt der BVB, seine Religion. Punkt. Dieses Weltbild geriet jedoch immer mehr ins Schwanken. Durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet ist nicht mehr viel über von der traditionellen Kohlewirtschaft. Manche Fabriken und Stahlwerke stehen seit einiger Zeit verwaist in der Gegend herum, wenn sie nicht von emsigen Chinesen Teil für Teil abgebaut und zu Hause wieder aufgebaut werden. Oder sie werden in kulturelle Veranstaltungsorte oder Parks verwandelt.

Überhaupt ist Dienstleistung und High Tech schwer im Kommen im Pott und so auch in Dortmund. Auch die Borussia in gelb und schwarz hat viel erlebt in den letzten Jahren. Wurde bis in die 1990er ehrlicher Arbeiterfußball auf der Südtribüne geschätzt, sollte es unter Manager Meier und Präsident Niebaum plötzlich Champagner sein. Das ging einige Jährchen gut und viele Modefans gesellten sich ins Stadion.

Vor zwei Jahren kam der Zusammenbruch. Wie von den Fabriken wurden Teile der Mannschaft ins Ausland verfrachtet und auf die Jugend gesetzt. Und das gefällt den treuen Anhängern. Der gemeine Dortmunder steht nämlich nicht sonderlich auf Schnickschnack. Seine Art ist direkt. Er sagt stets offen und ehrlich seine Meinung. Und will keine Currywurst nach Berliner Art mit Blattgold und Champagner, sondern ne Currywurst mit Pommes Schranke. Dortmund Ruhrgebietsstädte sind in der Regel nicht schön. Dennoch lohnt sich ein Bummel durch die Stadt, vor allem, wenn man sich für Industriekultur erwärmen kann.

Wer kein Ticket fürs Stadion mehr ergattern konnte, aber auf das Bad in der Menge nicht verzichten will, der kann es sich im Fan Park West geben. Dort werden alle sein, wirklich alle. Denn es locken Großbildleinwände, Bolzplätze und vieles mehr. Wer auf Trubel keine Lust mehr hat, dem steht immerhin noch die Chill Out Area weit offen. Sehen Sie selbst unter www.fzw.de 

Wo sonst Fußball schauen?

Das offizielle Public Viewing mit allen Spielen auf Großleinwand gibts auf dem Friedensplatz in der Innenstadt, dort wo Borussia Dortmund mit den Fans seine Meistertitel feiert. Die Großleinwand hat ihren Namen durchaus verdient, misst sie doch stolze 60 Quadratmeter. Der Friedensplatz liegt zwischen neuem Rathaus und altem Stadthaus. Das offizielle Fan-Fest steigt ebenfalls hier. Dabei wird allerlei Unterhaltendes rund um den Fußball geboten; das Programm ist eine Mischung aus international und westfälisch.

Die offizielle WM-Meile ist die Hohe Straße, die von der Innenstadt aus Richtung Stadion führt. Eine Nummer kleiner ist die Leinwand, die während der WM im Dietrich-Keuning- Haus (Leopoldstraße 50-58) steht. Das Motto des Freizeitzentrums in der Dortmunder Nordstadt: "WM Total". Hier gibt es für jeden kartenlosen WM-Touristen das Spiel seiner Nationalmannschaft. Außerdem steigen Streetkick- Events in Zusammenarbeit mit dem Fan-Projekt Dortmund. Für Kinder und Jugendliche werden Spiele rund ums Kicken angeboten. Außerdem gibt es Konzerte und Partys.

Eine traditionelle BVB-Fankneipe ist das "Barrock" (Kreuzstraße 87) im Kreuzviertel. Netter Aspekt für alle, die in weiblicher Begleitung zu kommen gedenken - Unmengen von Wimpeln oder Mannschaftsfotos unzähliger Generationen sucht man hier vergeblich. Die Einrichtung trifft auch den Geschmack Latte Macchiato-Trinkern. Fußball gucken und dabei die besten Kickerspieler der Stadt treffen kann man im "Subrosa"  (Gneisenaustraße 56/Ecke Feldherrenstraße). Die Kneipe ist dunkel und voller Rockerkitsch. Aber keine Angst, die Atmosphäre ist sehr entspannt.

Überlebenstraining

Ach ja, das Erfreuliche: Wichtigste Regel für den Umgang mit echten Dortmundern und Ruhrgebietlern im Allgemeinen: Keine Angst, sie bellen nur. Man darf keine geschliffen Höflichkeitsformen erwarten. Die Menschen im Pott sind hilfsbereit und dabei sehr, sehr ehrlich und direkt. Das sollten einen nicht vor den Kopf stoßen. Also immer daran denken: Es ist nicht so schroff gemeint, wie es vielleicht rüberkommt. Wichtig ist zudem die ganz einfache Farbenlehre im Pott. Gelb-Schwarz gehört Dortmund. Blau, genauer Königsblau, gehört Gelsenkirchen. Deshalb immer auf die Kleidung achten, die Städte liegen dicht beieinander. Denn hat man erstmal die feindlichen Linien übertreten, wird es im gelben Laibchen in einem Rudel königblauer Anhänger schnell recht ungemütlich.

Zum Schluss noch ein guter Rat für den Geldbeutel. Wenn man sich für das Dortmund-von-oben-Programm auf dem Fernsehturm entschieden habt, heißt es standhaft bleiben. Auch wenn die gute Aussicht den Appetit steigert, sollte davon Abstand genommen werden im Turmrestaurant zu speisen.

Adressen:

Fan-Fest, Friedensplatz, 44122 Dortmund
WM-Meile, Hohe Straße, 44122 Dortmund
Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstraße 50-58, 44147 Dortmund
"Barrock", Kreuzstraße 87, 44137 Dortmund
"Subrosa", Gneisenaustraße 56, 44147 Dortmund
"El Mundo", Neuer Graben 48, 44139 Dortmund

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