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Juister Strandkorbvermieter nach der Corona-Sperre "Der Trecker ist im Dauerstress"

Plötzlich geht es wieder los: Die ostfriesischen Inseln sind seit Montag wieder für Urlauber geöffnet. Auf Juist werden die Strände unter Hochdruck vorbereitet - damit auch jeder Gast seinen Strandkorb bekommt. Ein Anruf.
Ein Interview von Antje Blinda

SPIEGEL: Herr Steimer, wo erwische ich Sie?

Thorsten Steimer: Ich bin unterwegs und muss unsere Strandkörbe aufbauen. Über den Winter werden die natürlich eingelagert, auch die Vermieterbuden sind in Einzelteile zerlegt und liegen in einer Halle - dort befanden sie sich aufgrund der Coronakrise noch. Wir sind jetzt gerade dabei, alles an den Strand zu karren. Am Samstag sind wir von der Ankündigung überrascht worden, dass es ab Montag wieder losgeht.

SPIEGEL: Seit Montag dürfen Urlauber wieder in Ferienwohnungen und auf Campingplätze auf den ostfriesischen Inseln, ab 25. Mai sind auch Pensionen und Hotels geöffnet.

Steimer: Genau. Einen Campingplatz haben wir auf Juist nicht. Und die Ferienwohnung muss für mindestens eine Woche gemietet sein - wer unter einer Woche gemietet hat, darf nicht auf die Insel. Am Montag sind knapp 800 Leute gekommen, wir haben 9000 Gästebetten.

SPIEGEL: Wie lange dauert das, bis Sie Ihre Strandkörbe aufgestellt haben?

Steimer: Bis zum Wochenende werden alle Vermieter Strandkörbe am Strand haben - es werden auf jeden Fall so viele sein, dass alle Gäste, die da sind, auch einen bekommen können. Der Engpass ist: Wir sind sechs Vermieter auf der Insel mit jeweils 140 bis 300 Strandkörben - und haben nur einen Trecker, der die Strandkörbe fahren kann.

SPIEGEL: Wie kommt das?

Steimer: Juist ist eine autofreie Insel, und die Zahl der Fahrzeuge wird so gering wie möglich gehalten. Daher gibt es nur einen Traktor, der diese Sachen machen darf. Und der ist natürlich jetzt im Dauerstress. Zudem haben auch die Männer auf den Baustellen, die in der gästelosen Zeit länger als sonst im Jahr arbeiten durften, erst am Samstag erfahren, dass sie abbauen müssen. Und dieser eine Trecker wird auch eingesetzt, um Kräne und schwere Baumaschinen wegzufahren. Die Fahrer sind tagtäglich unterwegs und müssen in alle möglichen Richtungen springen. Im regulären Betrieb hätten wir ja schon vor drei Wochen angefangen, die Körbe an den Strand zu fahren.

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Juist nach Lockerung der Corona-Maßnahmen: Strand im Aufbau

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SPIEGEL: Gibt es Auflagen für die Strandkorbvermietung?

Steimer: Ja, die Körbe müssen zwei Meter auseinander stehen. Und es darf immer nur eine Person drin sitzen, es sei denn, es sind zwei aus einem Haushalt - mehr als zwei passen sowieso nicht in einen Strandkorb. Früher haben wir die Vermietung immer durch die offene Tür gemacht, jetzt ist sie geschlossen. Im Fenster ist eine Plexiglasscheibe, hinter der mein Angestellter sitzt und kassiert.

SPIEGEL: Welchen Abstand haben Ihre Körbe denn sonst?

Steimer: Wir haben einen riesigen breiten Strand. In unserem Bereich stehen die Körbe generell immer so vier, fünf Meter auseinander. Selbst in der Hauptsaison hätten wir kein Problem mit dem Zwei-Meter-Abstand.

SPIEGEL: Gibt es denn jetzt jemanden, der aufpasst, dass die Handtücher nicht zu dicht liegen?

Steimer: Ich denke mal, dass die Gäste selber den Abstand einhalten wollen. Das Ordnungsamt wird wohl verschärft kontrollieren und gucken, dass keine Gruppen gebildet werden oder sonst was. Auch wir werden Info-Zettel an den Buden aufhängen. Aber in den ersten beiden Tagen seit der Öffnung haben wir gesehen, dass sich alle - auch in den Läden - vorbildlich verhalten. Der Abstand wird bewahrt, es drängelt keiner, es gibt keine schlechte Laune. Das ist sehr angenehm.

SPIEGEL: Wie fühlt sich das jetzt für Sie an, dass es wieder losgeht?

Steimer: Schön! Wir leben ja vom Tourismus, und wir haben bisher in diesem Jahr keine Mark verdient. Im Saisongeschäft muss man im Sommer so viel einnehmen, dass man das ganze Jahr über die Runden kommt - und dann Neuinvestitionen tätigen kann. Im Frühjahr sind die Konten eigentlich leer. Die Schließung der Insel war für alle, die mit dem Tourismus zu tun haben, der ungünstigste Zeitpunkt, den man überhaupt haben konnte.

SPIEGEL: Seit zwei Jahren betreiben Sie Steimers Strandbar. Seit Montag dürfen in Niedersachsen ja eigentlich auch Restaurants unter Auflagen wieder geöffnet sein. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Steimer: Die Strandbar ist ein kleines Corona-Opfer geworden. Zwei Jahre lang war sie geduldet, weil sie die erste Strandbar generell an der Nordseeküste in Ostfriesland war und es dafür noch keine rechtliche Grundlage gab. Dann hat das Bauamt in Aurich gesagt, dass wir einen Bebauungsplan für den Strand benötigen. Nicht ganz einfach. Aber die Gemeinde hat das schnell hinbekommen. Aufgrund der Corona-Lage konnte man die Pläne aber nicht auslegen. Also weiß ich nicht, wann die Bar aufmachen kann.

SPIEGEL Lief die Bar gut?

Steimer: Ja, sie war erfolgreicher, als ich es mir überhaupt erhofft hatte. Ganz viele Gäste kommen, weil es etwas Neues ist - man sitzt am Strand, die Füße im Sand. Wir haben einmal die Woche Livemusik, sonst ist es komplett ruhig. Wer hierher kommt, finde ich, soll das auch genießen können und nicht irgendwelche Musik aus dem Radio im Hintergrund hören müssen.

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