»AIDAmar« im Seekanal von Warnemünde: Normalerweise fährt das Schiff auch Sankt Petersburg an – jetzt steht eine Routenänderung an
»AIDAmar« im Seekanal von Warnemünde: Normalerweise fährt das Schiff auch Sankt Petersburg an – jetzt steht eine Routenänderung an
Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance / dpa- Zentralbild

Abgesagte Kreuzfahrten und Urlaubstrips Diese Reedereien und Reiseveranstalter meiden Russland

Aida, MSC, TUI Cruises: Große europäische Kreuzfahrtreedereien nehmen Sankt Petersburg aus dem Sommerprogramm. Auch deutsche Reiseveranstalter stoppen Russlandreisen. Der Überblick.

Der Krieg in Osteuropa wirkt sich auch auf den Tourismus aus. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatten sich bereits einige große Veranstalter und Kreuzfahrtanbieter mit Absagen und geänderten Routen zu Wort gemeldet – darunter Deutschlands größter Reiseveranstalter TUI sowie Aida Cruises. Nun hat auch die Reederei MSC ihre Kreuzfahrtanläufe auf Sankt Petersburg gestrichen.

Welche Reedereien ändern ihre Routen?

Die vier MSC-Schiffe, die den russischen Ostseehafen Sankt Petersburg auf dem Kreuzfahrtplan hatten, »werden von Ende Mai bis Oktober nicht mehr die russische Stadt anlaufen, da die Gesundheit und Sicherheit von Gästen und Besatzung oberste Priorität hat«, teilte MSC Cruises am späten Montagabend mit. Die Reederei sei mit alternativen Häfen wie Stockholm, Helsinki oder Tallinn in Kontakt. »Derzeit läuft kein Schiff von MSC Cruises Sankt Petersburg an.«

Eine Sprecherin von Phoenix Reisen teilte am Dienstag auf Anfrage mit, der Kreuzfahrtanbieter sei in Gesprächen mit Reedereien, eine definitive Entscheidung stehe noch aus. Allerdings habe Phoenix Reisen bereits als »Direktmaßnahme« Russland-Flusskreuzfahrten für April und Mai abgesagt. »Weitere Schritte behalten wir uns vor«, teilte die Sprecherin mit.

Auch Sea Cloud Cruises zieht »Konsequenzen aus der aktuellen Entwicklung um die Ukraine«. Wie die Hamburger Reederei am Dienstag mitteilt, läuft ihr neuer Großsegler Sea Cloud Spirit in diesem Jahr nicht Sankt Petersburg an. »Die ehemalige Zarenstadt hatte ursprünglich viermal auf dem Fahrplan für die Ostsee-Premiere des Dreimast-Vollschiffes gestanden«, heißt es in dem Statement. Für die Reisen im Juni und Juli 2022 werde das Unternehmen nun einen neuen Verlauf entwickeln.

Zuvor hatten bereits TUI Cruises und Aida Cruises bekannt gegeben, dass sie Sankt Petersburg vom Programm streichen. Eine Sprecherin von Aida Cruises teilte mit, die Reederei betrachte mit großer Sorge die Ereignisse und hoffe auf eine baldige friedliche Lösung. Die Reederei werde »den Reiseverlauf unserer Kreuzfahrtschiffe in der Sommersaison 2022 im Ostseeraum anpassen und unsere Gäste so bald wie möglich über die Änderungen informieren«, kündigte die Sprecherin auf Anfrage an.

»Sankt Petersburg ist eine der Kronjuwelen auf den Skandinavien-Routen. Aber natürlich gibt es Alternativen.«

Frank Del Rio, CEO von Norwegian Cruise Line

TUI Cruises hatte mitgeteilt: »Vor dem Hintergrund der Ereignisse haben wir uns aus ethischen und moralischen Gründen entschieden, die Fahrpläne unserer Ostseekreuzfahrten von Mai bis Oktober 2022 anzupassen: Wir werden Sankt Petersburg nicht mehr anlaufen.« Die Anläufe würden voraussichtlich durch Klaipeda (Litauen) und Riga (Lettland) beziehungsweise Kopenhagen (Dänemark) und Visby (Schweden) ersetzt.

Norwegian Cruise Line (NCL) sieht sich ebenfalls gezwungen, Routen zu ändern und Sankt Petersburg als Ziel zu ersetzen. Die US-amerikanische Reederei sehe sich nun nach anderen Häfen im Ostseeraum um, meldet das Branchenportal Skift unter Berufung auf ein Statement von NCL. Es handele sich um circa 50 Touren, bei denen in dieser Sommersaison ein Stopp in Sankt Petersburg vorgesehen war. »Das ist enttäuschend«, sagte Norwegian-Chef Frank Del Rio laut Skift. »Sankt Petersburg ist eine der Kronjuwelen auf den Skandinavien-Routen. Aber natürlich gibt es Alternativen.«

Diese Reiseveranstalter streichen Russland aus dem Programm

Nicht nur die Reedereien, auch andere Reiseanbieter werden diese Saison ohne Russland bestreiten.

Als einer der Ersten in der Touristik hat sich Hauser Exkursionen für Reiseabsagen entschieden. »Mit sofortiger Wirkung stellt Hauser Exkursionen seine Reiseangebote nach Russland ein«, schrieb der Münchner Veranstalter bereits am Donnerstag, dem Tag, als Putin die Ukraine angriff. Es handelt sich um sechs abgesagte Reisen. Der Trekking-Spezialist nimmt auch keine entsprechenden Buchungen mehr entgegen.

Der Grund: »Wir fühlen uns aus ethischen und moralischen Gründen verpflichtet, ein klares Zeichen zu setzen«, sagt Hauser-Geschäftsführer Manfred Häupl. »Wer Völkerrecht absichtlich mit Füßen tritt und zudem militärisch aktiv in ein Nachbarland einmarschiert, darf nicht toleriert werden.« Häupl betont, dass in einigen Regionen der Erde stets abgewogen werden müsse, »inwieweit der Bevölkerung durch Tourismus Hoffnung und Perspektive erhalten bleiben, ohne dabei das Regime zu unterstützen«. In dem aktuellen Fall verhalte es sich anders.

Ebenfalls »ethische und moralische Gründe« nennt der Reiseveranstalter Berge & Meer für seine Entscheidung, bis auf Weiteres keine Reisen nach Russland mehr durchzuführen.

Auch Studiosus zieht Konsequenzen. »In Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen und auf das Abraten des Auswärtigen Amtes  werden wir nun alle Russlandreisen mit Abreise bis zum 30. Juni absagen«, schreibt der Spezialist für Studienreisen in einem Statement. Zudem würden wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine für das laufende Jahr keine Russland-Buchungen mehr angenommen.

Aktuell seien keine Studiosus-Gäste in Russland unterwegs, die nächsten Reisen seien ab dem 2. Juni geplant. Wer für das zweite Halbjahr schon Russland gebucht hat, könne kostenlos umbuchen oder stornieren. Mehrtägige Aufenthalte in Sankt Petersburg auf zwei Baltikumreisen werden nun gestrichen, es soll Alternativen geben.

Sämtliche Reisen nach Russland bis Ende Juni abgesagt hat auch Lernidee Erlebnisreisen, wie die Touristikfachzeitschrift »fvw« berichtet. Wie der Marktführer im Geschäft mit Reisen auf der Transsibirischen Eisenbahn die zweite Jahreshälfte plant, ist noch unklar. Geschäftsführer Felix Willeke sagte, er könne angesichts der »extrem unübersichtlichen Gesamtlage« noch keine Aussage treffen. Der Veranstalter sei aber mit allen Kundinnen und Kunden, »die uns hierzu kontaktieren«, im Gespräch und biete eine kostenlose Umbuchung und kulante Stornomöglichkeiten an.

FTI setzt sein Angebot für Reisen nach Russland ebenfalls bis auf Weiteres aus, teilte Ralph Schiller, CEO der FTI Group dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit. Generell sei aber die Nachfrage nach Russland schon seit Längerem aufgrund der Pandemie zurückgegangen und Reisen dorthin wurden weniger gebucht. Ukraine-Reisen führt der Konzern den Angaben zufolge bereits seit Mitte Februar nicht mehr durch.

Der Osteuropa- und Asienspezialist Go East Reisen aus Hamburg verzeichnet seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bereits gehäuft Stornierungen für Russlandreisen, berichtet »fvw«. »Es stornieren vor allem Kunden, die schon in den kommenden Wochen mit uns nach Russland reisen wollten«, sagt demnach Jochen Szech, Chef von Go East.

Das Interesse an Reisen nach Russland sei aber schon seit Längerem coronabedingt zurückgegangen und das Land weniger gebucht worden, so Szech. Für die für das Unternehmen wichtigeren Reiseziele – die baltischen Staaten, Polen und Slowenien – gebe es infolge der Ukrainekrise bislang keine Stornierungen.

jus/dpa