Waldbrand im französischen La Teste-de-Buch am Golf von Biskaya (am 18. Juli): 8000 Menschen mussten ihre Unterkunft räumen
Waldbrand im französischen La Teste-de-Buch am Golf von Biskaya (am 18. Juli): 8000 Menschen mussten ihre Unterkunft räumen
Foto: Thibaud Moritz / AFP

Feuerherde in Europa Das Ferienziel von Flammen bedroht – welche Rechte habe ich als Urlauber?

In etlichen Ländern Südeuropas toben Waldbrände. Wie nah kommen sie den Ferienregionen? Und welche Rechte haben Pauschalurlauber und Individualreisende, wenn ihr Ort betroffen ist?

Im Urlaub darf es warm sein, die Sonne satt vom Himmel knallen. Die Hitzewelle in großen Teilen Südeuropas ist aber nicht für jeden Reisenden etwas, mancherorts steigen die Temperaturen auf mehr als 40 Grad. Außerdem greifen in einigen Ländern Feuer um sich. Am Pool relaxen, während Rauch in der Luft liegt oder womöglich Asche niedergeht – das will niemand. Doch welche Urlaubsregionen sind überhaupt von den Bränden betroffen? Und wie ist die Rechtslage, sollte das eigene Ferienziel von Flammen bedroht werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wo brennt es überhaupt genau?

An der Costa del Sol wurden rund 2300 Menschen wegen eines Waldbrands evakuiert (Foto vom 15. Juli)

An der Costa del Sol wurden rund 2300 Menschen wegen eines Waldbrands evakuiert (Foto vom 15. Juli)

Foto: Daniel Perez / EPA

Bilder von Brandherden aus Spanien, Portugal und Frankreich können Urlauberinnen und Urlauber verunsichern. So dramatisch die Lage im Einzelfall vor Ort sein kann – in der Regel sind die Feuer örtlich begrenzt und betreffen kaum bekannte und ausgewiesene Urlaubsregionen.

So ist die Lage aktuell in den wichtigen Urlaubsländern:

  • Frankreich: Waldbrände wüten vor allem an der südfranzösischen Atlantikküste und dort südlich von Bordeaux. Sie breiten sich weiter aus. Innerhalb einer Woche verbrannten südlich der Metropole 19.300 Hektar Land, so die zuständige Präfektur für die Gironde. Das entspricht etwas mehr als dem gesamten Stadtgebiet Braunschweigs. An diesem Dienstag ist die Lage nach offiziellen Angaben weiter ungünstig. Heftige Winde hatten es den Einsatzkräften immer wieder erschwert, die Brände auf trockenen Böden im Zaum zu halten.

  • Spanien und Portugal: In beiden Ländern toben nach wie vor Brände. In Spanien waren zuletzt vor allem die Regionen Kastilien und León sowie Galicien im Westen und Nordwesten des Landes betroffen. Besonders schlimm war die Lage in Zamora nahe der Grenze zu Portugal und in Ávila nordwestlich von Madrid. In diesen zwei Provinzen, die beide in der sogenannten Autonomen Gemeinschaft Kastilien und León liegen, mussten seit Sonntag insgesamt rund 10.000 Menschen aus rund 50 Ortschaften vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. In Portugal waren am Montag noch fünf größere Brände aktiv. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten die Flammen in dem Land in gut einer Woche rund 30.000 Hektar Wald.

  • Italien: Die italienische Feuerwehr hat wegen eines großen Waldbrandes in der Toskana mehrere Bewohnerinnen und Bewohner in Sicherheit gebracht. Auf Sizilien und Sardinien hatten die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln wieder angehoben. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei. Seit Wochen sorgen anhaltende Dürre in Italien und Wind immer wieder dafür, dass sich Brände schnell ausbreiten.

  • Griechenland: Schwere Brände haben südlich der Hafenstadt Rethymno auf Kreta große Flächen landwirtschaftlich genutzten Landes zerstört. Die Brandgefahr bleibt wegen der Trockenheit und starker Winde im gesamten Süden Griechenlands sehr hoch, warnte der Zivilschutz am Dienstag.

Wer sich einen Überblick über die Lage größerer, aktiver Brandherde machen möchte, kann unter anderem eine interaktive Karte  des sogenannten Copernicus Programms der Europäischen Union (EU) nutzen. Dazu unter »Active Fires« jeweils einen Haken bei »MODIS« und »VIIRS« setzen. Um die Feuer zu lokalisieren, werden Temperaturmessungen von Satelliten  genutzt. Auf der Website wird aber darauf hingewiesen, dass die Brände nicht immer präzise lokalisiert werden können.

Wann kann ich meine Reise kostenlos stornieren?

Grundsätzlich haben Pauschalurlauber das Recht, ohne Gebühren zu stornieren, wenn ihre Reise durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände absehbar erheblich beeinträchtigt ist. Laut Rechtsanwalt Roosbeh Karimi aus Berlin ist etwa ein Brand in der Nähe des gebuchten Hotels mit Asche und Rauch in der Luft ein solcher Grund. Extreme Hitze allein reiche aber nicht für eine kostenlose Stornierung aus.

Beginnt die Reise allerdings erst in ein paar Wochen, gibt es kein Recht auf kostenlose Stornierung. Karimi rät, allenfalls kurzfristig zu stornieren. Denn es dürfte sich nicht sicher vorhersagen lassen, wann die Feuer gelöscht sein werden. Darauf kommt es bei der Frage nach einer Stornierung aber an. Die Frage ist immer: Wird die konkrete Reise des Urlaubers oder der Urlauberin erheblich beeinträchtigt? Wochen im Voraus lässt sich das nicht beantworten. Außerdem muss die konkrete Urlaubsregion betroffen sein. Ein Brand irgendwo im Land reicht für eine gebührenfreie Stornierung nicht aus.

Grundsätzlich sind Pauschalreisende rechtlich besser abgesichert als Individualtouristen. Rät etwa das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in ein Land ab, können sie in aller Regel kostenlos von der Reise zurücktreten. »Bei außergewöhnlichen Umständen können Urlauber kostenlos zurücktreten«, erklärt Karimi. Dazu können Waldbrände genauso zählen wie politische Gefahren und Ausbrüche gefährlicher Krankheiten.

Was gilt für Individualreisende?

Individualreisende können sich nicht darauf verlassen, bei Waldbränden kostenfrei zu stornieren. Das hänge davon ab, in welchem Land der Anbieter – etwa eine Fluggesellschaft – seinen Sitz hat und welche Gesetze dort gelten, sagt der Rechtsanwalt. In der Regel würden Urlauber und Urlauberinnen ihr Geld vermutlich nicht wiedersehen. Es empfiehlt sich, zumindest Unterkünfte mit der Option »kurz vorher kostenfrei stornierbar« zu buchen.

Was mache ich, wenn im Urlaub ein Feuer ausbricht?

Waldbrand im Nordwesten Spaniens: Meist sind keine Urlaubsregionen betroffen

Waldbrand im Nordwesten Spaniens: Meist sind keine Urlaubsregionen betroffen

Foto: Miguel Riopa / AFP

Pauschalreisende haben zwei Möglichkeiten, wenn sie bereits vor Ort sind:

  • Vertrag kündigen und Heimreise antreten oder

  • Reisepreis mindern

Darauf weist die Verbraucherzentrale Bremen hin. Variante eins ist dann möglich, wenn die Reise erheblich beeinträchtigt wird.

Zur Veranschaulichung zwei Szenarien:

  • Szenario eins: Vor Ort bricht ein Feuer aus, die Menschen müssen aber nicht sofort evakuiert werden. Trotzdem soll der Urlaub an dieser Stelle abgebrochen werden. In diesem Fall sollten Reisende sich in erster Linie an den Reiseveranstalter wenden, sagt Nicole Bahn von der Verbraucherzentrale Bremen. »Urlauber rufen dazu am besten bei der Hotline an.« Der Veranstalter müsse dann klären, wie und von wo aus die Rückreise erfolgt. Das Telefonat gelte als Kündigung. Genauso ist die Frage zu klären, wie diese Heimreise abgesichert ist. Zusätzlich empfiehlt die Verbraucherschützerin Urlaubern zur eigenen Sicherheit, den Abbruch der Reise auch per E-Mail zu bestätigen.

  • Szenario zwei: Der Urlauber muss angesichts einer Notsituation schnell abreisen und erreicht seinen Reiseveranstalter nicht. Für eine schriftliche Kündigung bleibt keine Zeit. Alle anfallenden Kosten wie Zug- oder Bahnticket können Urlauberinnen und Urlauber sich laut Nicole Bahn zusätzlich zu der nicht erbrachten Leistung – also dem ausgefallenen Resturlaub – am Ende erstatten lassen. Auch in diesem Fall reiche es aus, dem Veranstalter eine E-Mail mit den notwendigen Quittungen zu senden.

Grundsätzlich ist der Reiseveranstalter dafür verantwortlich, die Urlauber wieder sicher nach Hause zu transportieren – sofern das Pauschalpaket die An- und Abreise enthält. Daher kommt er für zusätzlich entstandene Kosten auf, wenn die Rückreise nicht wie geplant möglich ist. Sind etwa Zufahrtsstraßen blockiert und müssen Reisende länger vor Ort bleiben, zahlt der Veranstalter für die Unterkunft für einen Zeitraum von maximal drei Tagen.

Für Individualreisende gilt wieder: Sie müssen sich selbst darum kümmern, wie sie nach Hause kommen und ob sie eine Ersatzunterkunft finden.

Wann darf ich den Reisepreis mindern?

Möchte ein Urlauber trotz Beeinträchtigung durch Brände in der Region bleiben, greift Option zwei. Die oder der Reisende kann in diesem Fall eventuell den Reisepreis mindern. Laut der Verbraucherzentrale ist das möglich, sobald einzelne Reiseleistungen wie Transport, Verpflegung und Unterkunft nicht mehr dem gebuchten Standard entsprechen. Aber: Nicht lange zögern, sondern auch hier den Veranstalter schnell informieren.

Nach deutschem Recht müssen auch Individualreisende bereits gebuchte Leistungen wie Flug und Unterkunft nicht zahlen, wenn diese gar nicht erbracht werden. Das kann laut Verbraucherzentrale der Fall sein, wenn die Urlaubsregion gesperrt ist. Ist die Unterkunft jedoch zugänglich, ohne dass der Reisende sich in Gefahr begibt, ist dieser auf die Kulanz des Anbieters angewiesen. Geld zurück wegen Beeinträchtigungen gibt es erst einmal nicht.

pla/dpa
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