Knopp-Kontroverse Farbe nur für die Bunteswehr?

Der neue Historikerstreit ist da: Geschichtenerzähler Guido Knopp hat für seine ZDF-Abschiedsserie "Weltenbrand" den Ersten Weltkrieg von fleißigen chinesischen Kindern bunt ausmalen lassen.
Als Steppke half Guido Knopp hessischen Bauern bei der Ernte, später fehlte ihm dafür leider die Zeit

Als Steppke half Guido Knopp hessischen Bauern bei der Ernte, später fehlte ihm dafür leider die Zeit

Foto: Fredrik von Erichsen/ picture-alliance/ dpa

Manche seiner Kollegen finden das grob unseriös. Schließlich achteten Dokumentationen bisher peinlich darauf, den originalen Farbcharakter jener Epoche abzubilden. Und jeder weiß, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die Welt nun mal schwarz-weiß und wenig tiefenscharf war. Brachialpopulist Knopp jedoch ist der Meinung, in Farbe sehe alles viel echter aus, und gerade die junge Generation finde dadurch einen besseren Zugang zu jener Epoche.

Echt oder nachgeholfen?

Kriegsbegeisterung in bunt

Kriegsbegeisterung in bunt

Foto: DPA

Berlin, 1914: Kriegsbegeisterung Unter den Linden. Die jubelnden Massen ahnen noch nichts von Gräuel des Grabenkriegs. Technisch wurde die Nachkolorierung dieser dokumentarischen Aufnahmen perfekt ausgeführt. Unter Historikern ist Guido Knopps Vorgehen trotzdem umstritten. Denn die meisten Farben waren damals (siehe links, Mitte und rechts) noch gar nicht erfunden.

Zudem streuen Knopp-Intimfeinde das Gerücht, diese gespenstisch anmutenden Bilder seien in Wirklichkeit erst 1918 entstanden und zeigten nervlich zerrüttete und anderweitig versehrte Kriegsheimkehrer.

Original der Fälschung?

Echt, wie ca. 3000 Zeugen bestätigen!

Echt, wie ca. 3000 Zeugen bestätigen!

Foto: DPA

Zentraler Kritikpunkt der Knopp-Gegner: Das Publikum sei nun kaum noch in der Lage, Originalbilder von den in Farbe nachdrehten Spielszenen, sogenannten Reenactments, zu unterschieden. So kämen leicht Zweifel auf, ob sich die in "Weltenbrand" dargestellten Ereignisse (hier: Schlacht um Verdun) tatsächlich so ereignet haben. Bei allem Bemühen um Authentizität, so der Vorwurf, mache Knopp seine Arbeit damit selbst unglaubwürdig.

Vertraute Vergangenheit

Bewiesen: WK I-Veteranen erinnerten sich stets in schwarz-weiß oder sepia

Bewiesen: WK I-Veteranen erinnerten sich stets in schwarz-weiß oder sepia

Foto: SPAM (Foto: dapd)

Traditionalisten sehen deutsche Kriegsgeschichte dann doch lieber so, wie sie seinerzeit auf Zelluloid gebannt wurde. Unser Szenenfoto: Generalstabschef Erich von Falkenhayn besichtigt im Sommer 1915 deutsche Stellungen bei Ypern.

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