2020 - Die Zeitungsdebatte Brauchen wir noch Tageszeitungen, und wenn ja, welche?

Axel-Springer-Verlag in Berlin

Axel-Springer-Verlag in Berlin

Foto: Hartmut Schwarzbach/ ARGUS

Meine Art, mich jeden Tag zu informieren, hat sich in den letzten zwei Jahren stark verändert. War es sonst immer klar, mit der "SZ" anzufangen (Titelseite, Seite 3, Panorama, ein bisschen Wirtschaft, ein bisschen Kultur, Medien, Sport), dann "taz" (überall mal so reinschauen), dann "FAZ" (Wirtschaft, Feuilleton, Sport), ist es jetzt: Twitter, Facebook, Flipboard, "Perlentaucher", taptu. Auf diese Weise lese ich auch "SZ", "taz", "FAZ", aber vorgelesen von Hunderten Frühaufstehern, aussortiert, geliket, gelinkt, und dazu: "New York Times", "Guardian", "buzzfeed", "New Yorker", "Atlantic", all das, was schlaue Menschen für mich durchwühlt haben und präsentieren wie eine Jagdbeute.

Die drei Zeitungen kommen jeden Morgen ins Haus, aber als von kundigen Redakteuren zusammengestelltes Morgenpäckchen erreichen mich die Zeitungen nur noch selten.

Schuld ist das iPad, auf das ich mich jeden Morgen freue wie früher auf frische Tüten mit Fußballbildern.

In meinem Bekanntenkreis höre ich verschiedene Begründungen dafür, warum der eine oder die andere Zeitungen nicht mehr liest oder nicht mehr so gründlich oder mit weniger Freude.

Darum bin ich in den letzten Wochen durch acht Redaktionen gezogen, um mit Chefredakteuren darüber zu sprechen, wie sie den Wandel erleben, den ihre Zeitungen durchmachen. Alle wissen, dass die goldenen Zeiten der Massenblätter vorbei sind, und alle hoffen auf neue digitale Erlöse.

Die Digitalisierung des Journalismus löst im Moment noch mehr Erlösungsphantasien als Textphantasien aus, dabei mangelt es vor allem an letzterem. Printprodukte nur digital zu vermarkten, das ist so wenig die große Lösung wie Bezahlmodelle für Online-Journalismus. Letztendlich wissen wir Journalisten das auch.

Wir haben uns zu lange darauf verlassen, dass Verlage und Verleger die Konzepte entwickeln, die uns und unseren Journalismus sichern. Wenn wir zukünftig diese Konzepte für neue Medien und neue Formen nicht entwickeln, dann dürfen wir uns nicht beklagen, wenn der Journalismus langsam zugrunde gespart wird.

Als SPIEGEL-Mitarbeiter haben wir eine besondere Chance, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen für einen sich ständig weiterentwickelnden Journalismus: Uns gehört der Verlag zur Hälfte und wir haben mit SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL TV die drei Elemente unter einem Dach, die man heutzutage braucht für modernen Journalismus.

Zu begreifen, dass man dasselbe Thema im Heft, auf der Online-Seite, auf Tablets und Smartphones und im Fernsehen anders erzählen muss, das gehört zu diesem Selbstverständnis, und darum präsentieren wir in der kommenden Woche das Zeitungsdrama im Heft und auf Tablets, beginnen auf SPIEGEL ONLINE eine Debatte darüber, wie sich Tageszeitungen verändern müssen, um neue Leser zu gewinnen und wollen das in drei Wochen abschließen, indem wir alle Vorschläge in das Konzept einer Tageszeitung einfließen lassen, die auf ganz neue Art informiert.

Deshalb möchten wir Sie als Leser, Journalisten, Fotografen, Grafiker bitten, sich an diesem Projekt "2020" zu beteiligen mit Kritik und Ideen, mit Texten und Konzepten. Wir freuen uns über Ihre Vorschläge im

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, via Twitter  mit dem Hashtag #tag2020, über Facebook  oder per Mail an tag2020@spiegel.de .

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