AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 44/2002

Archäologie Knochenschäden durch Käse


Römische Stadt Pompeji
DPA

Römische Stadt Pompeji

Ihr Appetit auf Käse hatte für viele Bewohner des antiken Rom offenbar schmerzhafte Folgen: Sie erkrankten am Malta-Fieber. Das schließt der italienische Paläopathologe Luigi Capasso aus der Untersuchung eines zwei Jahrtausende alten Rundkäses.

Als im Jahr 79 der Vulkan Vesuv die Städte Pompeji und Herculaneum unter seiner Asche und Lava begrub, verkohlte der Schafskäselaib zwar ­ blieb aber in seiner Struktur "perfekt erhalten" (Capasso). Unter dem Elektronenmikroskop erkannte der Forscher darin neben harmlosen Käsebazillen auch den Brucella-Keim, der schweres chronisches Fieber mit Schüttelfrost und Gelenkschmerzen auslösen kann.

Capasso suchte gezielt nach dem Erreger im Käse; denn zuvor hatte er an 17 Prozent von 250 untersuchten Skeletten aus der antiken Stadt Herculaneum die für Malta-Fieber typischen Knochenschäden ausgemacht.

Auch heute noch schafft der Erreger manchmal den Sprung von infizierten Ziegen, Schafen oder Kühen über die rohe Milch zum Menschen ­ besonders in den Ländern südlich des Mittelmeers. Das Bakterium gilt als potenzielle Biowaffe.



© DER SPIEGEL 44/2002
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