Clusterbomben im Irak Tödliche Altlasten

Nicht explodierte Clusterbomben entwickeln sich zu einem schweren Problem für die US-Streitkräfte im Irak. In viel größerer Zahl als bislang vermutet liegen sie mit scharfen Zündern sogar in dicht besiedelten Gebieten.

Artillerieraketen oder Flugzeugbomben stoßen über dem Gefechtsfeld jeweils bis zu 900 dieser Minibomben aus. Nach Pentagon-Angaben explodieren zwei bis sechs Prozent der Ladungen nicht. Von den bis zu anderthalb Millionen US-Bomblets, die auf den Irak herabregneten, könnten danach rund 90 000 noch als Blindgänger herumliegen.

Doch das scheint nach den Erfahrungen der GIs im Zweistromland noch viel zu niedrig. Dort geht man jetzt von einer Fehlerrate von bis zu 40 Prozent aus. Allein im Raum Kerbela werden noch 100 000 Blindgänger vermutet. Ähnlich mörderische Altlasten kosteten nach dem Golfkrieg von 1991 bislang 1600 Zivilisten das Leben. Nach dem jüngsten Waffengang starben allein in Kerbela binnen 14 Tagen 23 Menschen durch die Minibomben.

Nun überdenkt auch das Pentagon den Einsatz der inzwischen weltweit kritisierten Clusterbomben. US-Strategen fürchten die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ihrer Truppen. "Wir schaffen auf dem Schlachtfeld Zonen, die wir nicht mehr betreten können", sagt ein Offizier. Während es in anderen Ländern bereits Streumunition gibt, die sich selbst entschärft, sind solche Sicherheitssysteme in den USA noch in der Entwicklung.

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