Medizin Probelauf für Sehchip

Ein Mikrochip könnte Blinden neue Hoffnung auf die Rückgewinnung ihres Augenlichts geben. Patienten, denen die Prothese eingesetzt wurde, konnten wieder schmemenhafte Objekte erkennen.

Tests mit einem ins Auge implantierten Mikrochip, der Erblindeten das Augenlicht zurückgeben soll, sind in der letzten Woche an der Hamburger Universitätsklinik in Eppendorf (UKE) ermutigend verlaufen. Die beiden Patienten, denen die in Deutschland entwickelte Sehprothese vorübergehend auf die Netzhaut gepflanzt wurde, "hatten wieder Seheindrücke, die sie vorher nicht wahrgenommen hatten", berichtet Gisbert Richard, Leiter der UKE-Augenklinik. Sie hätten "Strukturen und sogar Farben" erkennen können.

Für den unter örtlicher Betäubung durchgeführten Eingriff hatten die Mediziner Patienten ausgewählt, die wegen eines degenerativen Augenleidens ("Retinopathia pigmentosa") nur noch minimale Sehreste besaßen. Die Tests waren noch nicht darauf ausgerichtet, dass die Patienten reale Gegenstände wahrnehmen. Sie sollten nur zeigen, dass die vom Mikrochip ausgesandten elektrischen Signale in den so genannten Ganglienzellen der Netzhaut zu Reaktionen führen.

Weitere Versuche mit der Netzhautprothese sind am UKE und an den Uni-Kliniken in Aachen, Essen und Wien geplant. Sollten auch sie zu den gewünschten Ergebnissen führen, gäbe es für Erblindete, bei denen der Sehnerv und der fürs Sehen verantwortliche Teil der Hirnrinde noch intakt sind, womöglich schon in ein bis zwei Jahren eine Hoffnung: Der Chip im Auge, so glaubt Richard, könnte ihnen zumindest eine "begrenzte Sehfähigkeit" zurückgeben.