AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 43/2008

SPIEGEL-Gespräch "Ich bin das Gesicht"

2. Teil: "Was ist, wenn wirklich mal jemand Gewalt anwendet?"


SPIEGEL: Investieren Sie auch deshalb nicht mehr so viel in Spieler, weil die Konkurrenz Neid äußerte und Fans der gegnerischen Teams Stimmung gegen Sie machen?

Hopp: Das wäre Wasser auf die Mühlen dieser Leute. Ich muss jetzt nicht auf die Bremse treten, denn ich habe mir von Beginn an ein Budget gesetzt. In diesem Rahmen bewegen wir uns.

SPIEGEL: Bringen Sie denn Verständnis auf für Fußballfans, die es stört, wenn plötzlich der Milliardär aufkreuzt und einen Verein päppelt, der an allen anderen vorbeizieht?

Hopp: Natürlich habe ich das verstanden, aber unsere Gegner übersehen, dass wir seit 2001 stets eine gute Rolle in der Regionalliga gespielt haben. Es geht mir um die Form des Protests. Die "Hurensohn"-Gesänge lassen sich noch verschmerzen. Aber wenn man mich auf einem Plakat im Fadenkreuz zeigt wie neulich gegen Dortmund, dann ist das kein Spaß. Die Polizei hat den jungen Mann dingfest gemacht und verhaftet.

SPIEGEL: In der Fankurve geht es ruppig zu.

Hopp: Weiß ich. Aber das geht zu weit. Was ist, wenn wirklich mal jemand Gewalt anwendet? Die Anzeige haben wir übrigens am vorigen Montag zurückgezogen, weil der Mann sich entschuldigt hat. Wir laden ihn auch ein, sich mal in Hoffenheim alles anzusehen.

SPIEGEL: Der Deutsche Fußball-Bund droht Vereinen mit Strafen, wenn Fans gegen Sie pöbeln. Und in Bremen durfte ein Transparent nicht ins Stadion, auf dem stand: "Hoppe hoppe Reiter - wenn er fällt, dann schreit er". Ist das nicht alles überzogen?

Hopp: Ich weiß auch, dass das vielleicht Leute provozieren könnte, das Verbotene erst recht auszutesten. Mit dem Plakat in Bremen hätte ich kein Problem gehabt. Ob das, was der DFB macht, gut für uns ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Der DFB will wohl unterbinden, dass Leute im Stadion festgenommen werden müssen.

SPIEGEL: Rangnick ist diese ganze Debatte nicht recht, er will die Opferrolle nicht.

Hopp: Am liebsten wäre mir natürlich auch, wenn Ruhe herrschte. Ich habe das mit den Beleidigungen schon ein Jahr lang erlebt und habe bisher überhaupt nicht darauf reagiert. Es war die Polizei, der DFB, nicht wir - aber ein Stadion ist nun mal kein rechtsfreier Raum, weshalb ich die Reaktion gutheiße.

SPIEGEL: Empfinden Sie Deutschland generell als eine Neidgesellschaft?

Hopp: Es mag an meiner Stiftung liegen, dass mir nicht so viel Neid - nicht zu verwechseln mit dem Hass in den Stadien - entgegenschlägt, wie das üblich ist. In zwölf Jahren hat diese Stiftung 190 Millionen Euro ausgeschüttet, und sie wird es hoffentlich schaffen, künftig 30 Millionen in jedem Jahr zur Verfügung zu stellen. Deshalb ist mir viel mehr Anerkennung zuteilgeworden als Neid. Ich meine Anerkennung etwa von Leuten, die in der Röhre zur Bestrahlung liegen und dort erfahren, dass die Dietmar-Hopp-Stiftung das Gerät gespendet hat. Oder von Leuten, die in der Zeitung lesen, dass ich der Uni-Klinik Heidelberg oder auch der Uni Mannheim schon zwischen 40 und 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe. In Dortmund interessiert das natürlich niemanden.

SPIEGEL: Haben Sie im Fußball mit so viel Ablehnung gerechnet?

Hopp: Ich glaube, dass 80 Prozent das durchaus in Ordnung finden, was wir machen. Diejenigen, die da so laut sind, nehmen mich als Stellvertreter für die Kommerzialisierung des Fußballs. Ich bin das Gesicht. Wenn irgendwann mal ausländischen Investoren die Tür geöffnet wird in der Bundesliga und Leute kommen wie der Scheich aus Abu Dhabi, dann wird man vielleicht sagen: Wäre schön gewesen, wenn wir noch den einen oder anderen Hopp hätten. Denn ich mache es anders. Mein Ziel ist es nicht, Geld zu verdienen. Mein Ziel ist es zu stabilisieren, langfristig lebensfähig zu machen. Wer mich jetzt bekämpft, ist auch gegen Business-Seats, auf denen jemand Champagner trinkt.

SPIEGEL: Muss man dafür sein?

Hopp: Die Leute wissen ganz genau, dass die gutverdienenden Fußballer finanziert werden müssen. Ein Torwart wie Fritz Herkenrath hat noch für einen Sack Kartoffeln gespielt. Diese Zeiten sind vorbei. Wenn es mal mehrere Investoren gibt, werden die Feindseligkeiten gegen uns abnehmen. Sehen Sie: Beim Hamburger SV wollen sie einen Fonds auflegen, in den Investoren einzahlen können mit der Chance, an späteren Weiterverkäufen der Spieler zu verdienen. Wenn ich in so einen Fonds einzahlen würde, wäre ich nicht das Gesicht.

SPIEGEL: Sie wollten ursprünglich der Fußballjugend, die Sie fördern, als Perspektive einen Proficlub in der Nähe bieten. Ist jetzt der Weg vom Förderstützpunkt bis zur Bundesliga nicht zu groß geworden?

Hopp: Nicht größer als bei jedem anderen Bundesligisten. In der Meistermannschaft unserer B-Jugend haben wir vier, fünf Spieler, die richtig Potential haben. Mein Traum ist immer noch, dass wir mal einen deutschen Nationalspieler entwickeln.

SPIEGEL: Wie wollen Sie es schaffen, mit einem Proficlub aus der Retorte die Herzen der Fans zu gewinnen?

Hopp: Um in Ihrem Bild zu bleiben: Retortenbabys werden doch auch geliebt! Im Ernst: Die Begeisterung ist jetzt schon in einem Maße da, wie ich mir das nie vorgestellt hätte. Wir haben 50 Fanclubs. Wenn Sie mich vor zwei Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt: Wenn wir mal zehn haben, ist das toll. Das muss und wird weiter wachsen, das ist klar. Aber was bedeutet Tradition? Microsoft wäre kein Weltkonzern geworden, wenn nur Traditionsunternehmen erlaubt gewesen wären.

SPIEGEL: Schon vor Jahren verspotteten Fans des Nachbarclubs Waldhof Mannheim Ihre Hoffenheimer als "FC Neureich-Bimbeshausen". Damals kündigten Sie an, sich ein dickes Fell zuzulegen.

Hopp: Das Fell ist nicht so dick, dass mich die Gesänge kaltließen. Da würde ich Theater spielen. Damals die Waldhöfer, das war eine spezielle Geschichte. Es gibt einen Sportarbeitskreis der Metropolregion Rhein-Neckar mit namhaften Firmen. Die haben einmal das Ziel formuliert, dass man hier Bundesligafußball bräuchte. Damals war Hoffenheim in der Regionalliga, Waldhof eine Klasse tiefer in der Oberliga. Da habe ich gesagt: Gut, wir wollen mit Hoffenheim sowieso in die Zweite Liga, dann setze ich mich an die Spitze dieser Bewegung, bin auch bereit, das vorzufinanzieren. Heute unterstützen uns diese Firmen und sponsern auch den Namen Rhein-Neckar-Arena, unser neues Stadion in Sinsheim.

SPIEGEL: Waldhofs Fans waren beleidigt?

Hopp: Sie sagten: Wir sind doch der Traditionsverein! Wir müssen der Club sein, der in die Bundesliga kommt! Aber es gab keinen, der das in die Hand genommen hat, und ich war damals schon 15 Jahre in Hoffenheim engagiert. Zudem hatte ich dort über zehn Jahre aktiv Fußball gespielt. Dennoch bauten die Waldhöfer so eine Art Feindbild auf. Das hat sich aber weitgehend beruhigt.

SPIEGEL: Warum investieren Sie fast nur in Projekte in der Rhein-Neckar-Region?

Hopp: Ich bewege keine Summen, wie es Bill Gates kann. Wenn ich versuchen würde, das Geld meiner Stiftung überregional oder international zu streuen, würde es verpuffen. Wenn ich hier ein Altenheim baue, dann kenne ich viele der Menschen, denen es zugutekommt.

SPIEGEL: Bei SAP nannte man Sie auch "Vadder Hopp". Dort gab es überdurchschnittliche Gehälter, keine festen Arbeitszeiten, zinslose Darlehen für das Eigenheim, einjährige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Lässt sich so eine Firmenkultur auf den Fußball übertragen?

Hopp: Was sich übertragen lässt, ist der Versuch, durch Menschlichkeit und Verständnis zu Leistung anzuspornen. Das gefällt mir bei Rangnick und seinem Team, das gefällt mir bei Manager Schindelmeiser. Die machen das. Und zwar ohne dass ich sie darum gebeten hätte.

SPIEGEL: Die Aktie von SAP hat in den vergangenen Wochen zwischenzeitlich fast die Hälfte an Wert eingebüßt, Ihre Familie und Ihre Stiftung halten rund zehn Prozent der Anteile. Könnte die Finanzkrise Ihr Engagement beeinträchtigen?

Hopp: Ich habe zum Glück keine Zertifikate von Banken, die in Konkurs gingen, und die SAP-Aktien will ich ja nicht verkaufen. Ich erwarte, dass sie weiterhin Dividende bringen.

SPIEGEL: Herr Hopp, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Das Gespräch führten die SPIEGEL-Redakteure Jörg Kramer und Michael Wulzinger



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