Der SPIEGEL

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10. November 2008, 00:00 Uhr

Eishockey

Die letzte Eiszeit

von Cathrin Gilbert

Der Kölner Profi Robert Müller gilt als einer der besten Torhüter der Liga. Vor zwei Jahren entdeckten die Ärzte einen Tumor in seinem Kopf, zweimal wurde er seitdem operiert. Sein Krebs ist nicht heilbar. Er will trotzdem noch einmal zurück aufs Eis.

Er schaut nach links. Dann nach rechts. Es ist ganz still in der Halle. Ein kurzer Blick nach unten, das Eis spiegelt sich in seinen Augen, dann setzt er einen Fuß vor den anderen, langsam und vorsichtig. Er kann es immer noch. 44 Tage lang hat Robert Müller darauf gewartet.

Eishockey-Keeper Müller: Zurück ins Tor
DPA

Eishockey-Keeper Müller: Zurück ins Tor

Es ist ein heiliger Augenblick, er will ihn genießen, allein. Aber dann stehen plötzlich diese Männer auf dem Eis, riesige Burschen, die Schultern gepolstert, den Hai auf der Brust, und hämmern mit der Schaufel ihrer Eishockeyschläger auf das Eis. Tack. Tack. Tack.

Sie kommen aus Kanada, Tschechien oder Schweden, sie wandern von Club zu Club, immer dorthin, wo es das meiste Geld gibt. Sie teilen aus und stecken ein, wenn sie sich auf dem Eis bekämpfen, sie haben nicht viel übrig für Sentimentalitäten, aber wenn sie jetzt mit ihren Schlägern auf das Eis schlagen, klingt es zärtlich. Tack, tack, tack. "Welcome back", grölen sie.

Robert Müller weiß seit zwei Jahren, dass er Krebs hat. Er ist Profi bei den Kölner Haien und spielt für die deutsche Nationalmannschaft. Vor 44 Tagen wurde ihm zum zweiten Mal ein Teil eines Tumors aus dem Kopf entfernt, er war so groß wie die Faust eines Babys.

Tack, tack, tack. Müller zuckt kurz, dann lächelt er, setzt sich seine Torwartmaske auf und gleitet hinüber zu seinem Tor. Vor vier Tagen wurde er in Heidelberg zum letzten Mal bestrahlt, 16-mal insgesamt in den vergangenen Wochen. Den Ozongeruch, den die Strahlen verursachen, hat er immer noch in der Nase.

Sieben Minuten lang steht er auf dem Eis und wehrt die Schüsse ab, nur zwei lässt er ins Tor, er ist 1,72 Meter groß und ziemlich breit, aber seine Bewegungen sind flink und präzise, er schwitzt. Dann winkt er ab. Es reicht fürs erste Mal. Morgen kommt er wieder.

"Müller zurück auf dem Eis", titeln die Haie später auf ihrer Homepage. "Müller steht wieder", schreibt der Kölner "Express". "Den Robert", sagt einer seiner Mitspieler, "den kann eben nichts umhauen."

Sieben Minuten im Tor, das scheint zu reichen für die Gewissheit, dass Robert Müller es wieder geschafft hat.

Er hat es ja schon einmal geschafft, damals im November 2006, als die Ärzte den Tumor in seinem Kopf fanden. Drei Monate später kehrte er zurück aufs Eis. Sein Comeback war eine Sensation, seinen neuen Verein, die Kölner Haie, führte er in diesem Jahr bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft. Sie haben ihn als Helden gefeiert, der den Krebs besiegte, es ist eine Rolle, die man ihm gegeben und die er angenommen hat.

Auch nun, nachdem man ihm im August zum zweiten Mal den Kopf geöffnet hat, weil die wachsende Geschwulst so stark auf die Blutgefäße drückte, dass sein Leben akut in Gefahr war, spricht Robert Müller wieder vom Comeback. "Ende November will ich wieder spielen", sagt er.

Aber diesmal geht es nicht mehr nur um einen Neuanfang, sondern auch um das Ende. Die Wahrheit nämlich ist, dass Robert Müller den Krebs nie besiegt hat. Sein Tumor ist nicht heilbar. Trotzdem will er wieder zurück aufs Eis. Oder gerade deshalb.

Das erste Punktspiel seiner Mannschaft nach der Operation im August hat sich Robert Müller am Abend vor seinem ersten Training angeschaut. Die Haie spielen gegen die Hannover Scorpions. Müller sitzt im Block 510 in einer Business-Lounge der Arena in Köln. Er trägt eine braune Hornbrille und eine Kappe mit der Aufschrift: "Only God can judge me". Geboren ist er in Rosenheim, sein Oberbayerisch hat sich nur wenig abgeschliffen, er redet eh nicht viel. Unter seiner Kappe zieht sich die Narbe von Ohr zu Ohr, seit seiner ersten Strahlentherapie wachsen auf seinem vorderen Kopf keine Haare mehr.

Die Haie führen 3:0, Müller zeigt keine Regung. Irgendwann erklingt die Sirene, und er läuft los, um seinen Kameraden zum Sieg zu gratulieren. Auf dem Weg nach unten klopft ihm einer auf die Schulter und sagt: "So kann's weitergehen, ne? Wäre doch gelacht, wenn wir das Ding nicht gewinnen."

Müller stockt. Er hat einfach das letzte Drittel des Spiels vergessen.

So etwas passiert ihm manchmal. Der Tumor nistet in seinem Vorderhirn, dort, wo die soziale Intelligenz und die Emotionskontrolle gesteuert werden. Manchmal kann er sehr offen und gesprächig sein, dann wieder wirkt er seltsam still. Er will seine Geschichte erzählen, um seiner Krankheit einen Sinn zu geben. Dass man den Krebs bekämpfen müsse, auch wenn man vielleicht keine Chance habe. Und dass es manchmal sogar besser sei, so zu tun, als wäre er gar nicht da. "Es gab Kinder, Fans von mir, die auch einen Tumor haben und von mir wissen wollten, was man gegen den Krebs tun kann", sagt er, "da wusste ich gar nicht, was ich sagen soll."

Behandelt wird Müller von einem der führenden Experten für Gehirntumoren in Deutschland. Wolfgang Wick hat unter anderem in Harvard studiert, mit 36 wurde er Professor und ist heute Arzt an der Universitätsklinik in Heidelberg. Von seinem Bürofenster schaut er auf die Weinberge am Neckar. Auf seinem Computerbildschirm flimmern kleine gelbe Ordner, in denen die Daten seiner Patienten gesammelt sind. "Meine Patienten", sagt Wick, "kämpfen alle gegen den Tod."

Wick hat gemeinsam mit seinem Team vor zwei Jahren den Krebs in Müllers Kopf erkannt. Er ist heute nicht nur sein Arzt, sondern auch sein Vertrauter. Sie haben gemeinsam besprochen, dass es jetzt sinnvoll ist, die ganze Geschichte zu erzählen und nicht nur die halbe, und dass Müller seinen Arzt von der Schweigepflicht entbindet. "Der Professor kann am besten erklären, was mit mir los ist", sagt Müller. "Ich vertraue ihm."

Er hat ein sogenanntes Glioblastom im Kopf, einen Tumor vierten Grades, Heilung nicht möglich. Es sind meistens Menschen jenseits der sechzig, die an einem Glioblastom erkranken. Die meisten haben weniger als ein Jahr, weil dieser Tumor so rasend schnell wächst und die Therapien schlecht ansprechen, nur drei Prozent schaffen fünf Jahre. "Robert Müller", sagt sein Arzt Wick, "ist schon über die mittlere Lebenserwartung bei dieser Art von Tumoren hinweg."

Alles hat mit einer leichten Verspannung im Nacken begonnen


Begonnen hat alles im Herbst 2006 mit einer leichten Verspannung im Nacken. Müller hat das damals nicht ernst genommen, Gehirnerschütterungen sind nichts Besonderes im Eishockey. Doch das Ziehen im Nacken wurde stärker, es kroch hoch in seinen Kopf, die Schmerzen dröhnten und ließen ihn erbrechen wie bei einem Migräne-Anfall.


Er spielte damals in Mannheim und war einer der besten Torhüter im Land. Während die Vereinsärzte begannen, nach den Ursachen der Kopfschmerzen zu suchen, lernte seine Umgebung neue Wesenszüge an ihm kennen. Robert wurde ruhiger, antwortete kaum, manchmal brauste er grundlos auf oder war einfach nur lustlos. "Um auszuschließen, dass es was Schlimmeres ist", so sagt es Müller, "haben sie mich dann in die Röhre geschoben."

Am 13. November 2006 bezog Robert Müller das Zimmer 229 auf der Station für Neuroonkologie in der Heidelberger Kopfklinik. Einen Tag später sägte der Neurochirurg Andreas Unterberg Müllers vordere Schädeldecke in einem Bogen oberhalb der Stirn auf. Er entfernte den Tumor so großflächig wie möglich und ließ das Gewebe untersuchen.

Als Robert Müller aufwachte, erklärten ihm die Ärzte, dass er einen schnell wachsenden Tumor im Stirnhirn trage. Der Chirurg habe ihn nur teilweise entfernen können, weil jeder weitere Vorstoß eine gravierende Veränderung der Persönlichkeit bewirkt hätte.

Schon damals, sagt Wick, sei es nur noch darum gegangen, das Leben seines Patienten zu verlängern.

Gemeinsam entschieden sie sich für eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie für Müller, um den Rest des Tumors zu bekämpfen. "Man muss sich den Tumor wie ein Pilzgeflecht vorstellen", sagt Wick. "Die Pilze, die wir auf den Kernspinbildern erkennen können, sind nur die Fruchtkörper." Das Wesentliche spiele sich unsichtbar im Waldboden ab. Er habe sofort gewusst, dass Müllers Stirnhirn voller Tumorzellen sitzt. "Leider", sagt er leise.

Fragt man Robert Müller, wie es ihm geht, antwortet er: "Gut." Es ist schwierig, mit ihm über seine Krankheit zu sprechen. "Ich bin keiner, der über seine Gefühle redet, das war ich noch nie, und außerdem ändert es nichts an der Diagnose." Robert Müller, sagt Wick, sei kein Patient, der nach dem Warum frage. Und auch nicht nach dem Wie-lange-noch.

Er war 3, als er das erste Mal auf dem Eis stand, mit 17 bekam er seinen ersten Vertrag beim EHC Klostersee, mit 18 spielte er in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft. Eishockey-Torwart, das ist sein Beruf. Was Müller wissen wollte von seinem Arzt: Kann er zurück aufs Eis? Und wann?

Zehn Tage nach dem Eingriff verließ er die Heidelberger Klinik, acht Wochen nach der Operation begann er mit dem Training. Einen Monat später, im Februar 2007, feierte er sein Comeback beim All-Star-Game in Mannheim, einem Einladungsspiel, für das die Deutsche Eishockey Liga einmal im Jahr die besten Spieler beruft.

Während er schon wieder trainierte und für die Adler auf dem Eis stand, begann fünf Monate nach der Operation die Chemotherapie. Temodal heißt das Medikament aus den USA, das Wick ihm gab, um die weitere Teilung der Krebszellen zu verhindern. Die Behandlung erstreckte sich über mehrere Monate, fünf Tage lang täglich drei bis vier Kapseln, dann 23 Tage Pause, damit sich der Körper entgiftet, und dann wieder von vorn.

Müller spürte keine Nebenwirkungen. Von den Bestrahlungen und von der Chemotherapie spricht er wie andere von der Krankengymnastik. Er konnte trainieren und fühlte sich bald schon so fit wie vor der Operation. Ein Tumor im Hirn mag die Persönlichkeit eines Patienten verändern, aber Müller war immer noch in der Lage, Pucks zu fangen, die mit 140 km/h auf ihn zurasen. Patienten mit einem Gehirntumor können durchaus Leistungssport treiben, sie können sogar unter den besten Eishockey-Torhütern Deutschlands sein.

Das Gute an dem Krebs von Müller ist, dass er ihm keine Schmerzen bereitet. Das Tückische ist, dass man den Feind im Körper unterschätzt.

Die Adler Mannheim setzten ihn kaum ein, nur dreimal durfte er noch in der Saison 2006/07 aufs Eis. Im Finale forderten die Mannheimer Fans seinen Einsatz, 31 Sekunden vor Schluss kam er ins Tor. 31 Sekunden, eine Geste, mehr nicht. In der Sommerpause holten die Mannheimer einen neuen Torwart. "Das war der schlimmste Schmerz während meiner ganzen Krankheit", sagt Müller.

Die Mannheimer ließen ihn kaum spielen, weil ihnen das Risiko zu groß war. Müller hatte vor seiner Operation einen epileptischen Anfall erlitten, kurz danach einen zweiten. "Kein Arzt konnte uns zu 100 Prozent sagen, ob das nicht wieder passiert", sagt Daniel Hopp, der die Adler seit 1998 managt. "Stellen Sie sich vor, er bekommt während eines Spiels einen Anfall - vor 12.000 Zuschauern in der Halle, live im Fernsehen, und kein Spezialist in der Nähe." Niemand in Mannheim fühlte sich in der Lage, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Sie wollten ihn schützen, nicht abschieben, aber Müller wollte keinen Schutz.

Im Oktober 2007, nach nur fünf Einsätzen in der neuen Saison, wechselte er zu den Duisburger Füchsen, einem Team, das keine Chance hat, um die Meisterschaft mitzuspielen, aber Müller wollte wieder in Form kommen. Er wurde sofort eingesetzt, zwölfmal spielte er für die Füchse, bis ihn die Kölner Haie verpflichteten, eine Top-Mannschaft der Liga.

Im Eishockey gibt es keine Transferperioden wie im Fußball. Jeder Spieler kann von einem Tag auf den anderen den Verein wechseln. Die Kölner riefen ihn am Nikolausabend an, weil der damalige Torwart den Verein verlassen wollte. Am Morgen danach unterzeichnete Müller seinen neuen Vertrag. "Natürlich wusste ich, dass er an Krebs erkrankt war", sagt Kölns Geschäftsführer Thomas Eichin, der als Fußball-Profi 180 Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach bestritten hat, "aber die genaue Diagnose war mir zu diesem Zeitpunkt egal." Er sei fit gewesen, "und ehrlich gesagt habe ich mich auch nicht für irgendwelche Überlebensstatistiken interessiert".

Müllers Verpflichtung war ein Erfolg, er bekam nur wenige Gegentore, die Krankheit war kaum mehr ein Thema. Die Haie qualifizierten sich für die Play-offs, im Viertelfinale trafen sie ausgerechnet auf die Mannheimer Adler, Müllers früheren Verein. In den Wochen zuvor waren wieder Geschichten zu lesen von dem Eishockey-Torhüter, der den Krebs besiegt habe und in die Nationalmannschaft zurückgekehrt sei, und auch darüber, dass die Mannheimer ihn wohl hätten fallenlassen.

"Uns fehlen Typen wie Robert"


Im Play-off-Viertelfinale muss ein Team vier Siege haben, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Nach zwei Spielen stand es 1:1, das dritte Spiel fand in Köln statt, es dauerte insgesamt sechseinhalb Stunden, die beiden Teams lieferten sich eine Schlacht vor 17.000 aufgeputschten Zuschauern, die Schilder mit einer 80 hochhielten, der Trikotnummer von Robert Müller. Das Spiel dauerte so lange, dass Kölner Betreuer mit dem Fahrrad zum Trainingszentrum in der Nachbarschaft der Kölner Arena fuhren, um die erschöpften Spieler beider Mannschaften mit Müsliriegeln, Coca-Cola und Energy-Drinks zu versorgen. Die Kölner siegten schließlich 5:4. In der amerikanischen Eishockey-Liga gab es im Jahr 1936 mal eine Partie, die länger dauerte. Köln gegen Mannheim am 22. März 2008 war ein Jahrhundertspiel, und im Tor stand Robert Müller, ein tumorkranker Profi.


Normalerweise bekommt ein Torhüter in 60 Minuten 30 Schüsse aufs Tor, in diesem Spiel waren es 100. "Eishockey bis zum Umfallen", schrieb der "Kölner Stadt-Anzeiger". Müller fiel nicht. Es war sein Sieg, es war das Spiel seines Lebens, und als die Kölner in Mannheim das vierte Spiel gewannen, riefen draußen vor dem Stadion ein paar Adler-Fans: "Wärst du besser nicht gesund geworden."

Am Ende der Saison wurde Köln Vizemeister. Dank Müller, dem besten Torhüter der Liga.

15 Wochen nach dem verlorenen Finale gegen die Eisbären musste Robert Müller zu einer Routine-Untersuchung nach Heidelberg. Er fühlte sich gesund, wie immer, er war gut gelaunt, beinahe hätte er den Termin vergessen. Keine Schmerzen, keine Beschwerden, sein letzter epileptischer Anfall lag da fast zwei Jahre zurück.

Doch der Kernspin zeigte eine neue Geschwulst, die in nur wenigen Tagen um das Achtfache gewachsen war. Am 18. August wurde Müllers Schädel ein zweites Mal aufgesägt. Sein Arzt Wick sagt, dass Krebspatienten in so einer Situation oft sehr stark reagierten, wütend werden oder traurig oder beides. Robert Müller, sagt Wick, habe nur kurz geschluckt, aber keine Fragen gestellt.

Seitdem wissen auch die Kölner, wie es wirklich steht um Müller. "Aber das ändert nichts", sagt Geschäftsführer Eichin. Anders als die Mannheimer haben die Kölner einen neuen Torwart nur als Zwischenlösung verpflichtet, der Vertrag läuft bis Ende November. Sollte Müller länger brauchen, werde der Vertrag des Ersatzmanns um vier Wochen verlängert, sagt Eichin. "Ich weiß, dass Robert zurückkommt."

Eichin braucht Müller. Die Kölner haben bisher nur 7 von 19 Spielen gewonnen, sie stehen auf dem zwölften Tabellenplatz. "Uns fehlen Typen wie Robert", sagt Eichin. Er müsste nach einem neuen Torwart suchen, aber er hat Müller versprochen, dass er wartet.

Und wenn es nicht klappt mit dem Comeback?

"Darüber denke ich nicht nach", sagt Eichin.

Robert Müller ist ein Fänger. Er hat gelernt, Dinge festzuhalten. Ein Torwart hält den Puck, er verteidigt die Führung auf dem Eis, ein Torwart verhindert, dass etwas passiert. Nun hält er einfach fest an seinem Plan. Er will zurück aufs Eis, er hat es ja schon einmal geschafft. Nichts wird ihn aufhalten, auch nicht, dass jetzt alle wissen, wie krank er wirklich ist.

Vor knapp zwei Wochen hatte er einen leichten epileptischen Anfall, den ersten seit November 2006, für ein paar Minuten konnte er seine Zunge nicht mehr bewegen. Am selben Tag zeigte eine neue Kernspintomografie, dass sich die Reste der im August operierten Geschwulst trotz Strahlen- und Chemotherapie nicht zurückgebildet haben, wie Wick sich das erhofft hatte.

Das Problem sei, sagt der Arzt, dass die Zellen bereits gegen alle Formen der Therapie resistent seien. "Aber ich werde ihn nicht daran hindern, zurückzukehren in den Sport."

Robert Müller hat sich entschieden, zu Hause in Rosenheim ein Haus zu kaufen für seine Frau und seine beiden Kinder. Er ist 28 Jahre alt, trainiert jetzt jeden Tag, im Wald oder auf dem Eis. Seine Reflexe sind noch nicht wieder da, seine Bewegungen zu langsam, der Weg zurück aufs Eis sei lang, sagt er. Er weiß auch nicht, ob es reicht.

Wie geht es Ihnen, Herr Müller?

"Gut", sagt er.

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