AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 8/2009

Formel 1 "Enormer Erfolgsdruck"

Der deutsche Rennfahrer Nico Rosberg, 23, über den Trend zum abgemagerten Piloten


SPIEGEL: In der neuen Saison werden die Formel-1-Rennwagen wegen eines zusätzlichen Hybridantriebs schwerer. Um das Gewicht woanders einzusparen, nehmen die Fahrer nun teilweise drastisch ab. Wie viele Kilo haben Sie verloren? Rosberg: Ich möchte keine Zahl verraten. Sagen wir so: Ich habe den Winter über sehr auf meinen Körper geachtet.

SPIEGEL: Haben Sie gehungert?

Rosberg: Nein. Es geht nicht allein ums Essen, sondern auch darum, nicht zu viel Muskelmasse aufzubauen. Ich arbeite schon länger mit der Sportklinik in Bad Nauheim zusammen und stimme mit den Ärzten ab, was ich esse und wie ich trainiere. Das tue ich jetzt noch disziplinierter.

SPIEGEL: Wie weit würden Sie gehen?

Rosberg: Um eine Zehntelsekunde pro Runde schneller zu werden, würde ich niemals meine Gesundheit gefährden. Es kann nicht richtig sein, dass wir wie Skispringer oder Jockeys aussehen sollen. Auf uns Fahrern lastet ein enormer Erfolgsdruck. Da liegt es nahe, dass sich einer vornimmt, ein paar Kilo loszuwerden - und noch mal und noch mal. Ich habe gehört, dass manche Teams ihre Fahrer sogar auffordern, weiter abzunehmen.

SPIEGEL: Sie sind 1,77 Meter groß ...

Rosberg: ... und ich gehöre damit zu den Größeren in der Formel 1. Ein kleinerer Fahrer wie Felipe Massa von Ferrari ist mit seinen etwa 60 Kilo klar im Vorteil.

SPIEGEL: Was schlagen Sie vor?

Rosberg: Man könnte ein Mindestgewicht für den Fahrer samt Sitz festlegen - ist er beim Wiegen zu leicht, kommen Zusatzgewichte in den Sitz. Die Wachstumsgene sollten nicht entscheidend sein.

Das Interview führte Detlef Hacke



© DER SPIEGEL 8/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.