Folter Hören mit Schmerzen

In Guantanamo und anderen Gefängnissen wurden im "Krieg gegen den Terror" muslimische Häftlinge systematisch auch mit Musik gefoltert. Musiker und Bürgerrechtsgruppen fordern nun Aufklärung.
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Brutale Praxis: Folter mit Metallica und Britney Spears

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Guantanamo

Gefangene

Im Mai 2003 wird Ruhal Ahmed aus seiner Zelle im Camp Delta des Militärgefängnisses von geholt und in eine Verhörzelle gebracht. Er muss sich hinhocken, der Militärpolizist, der ihn geholt hat, fesselt seine Fußschellen an einen Ring im Boden, seine Arme müssen die Beine von hinten umfassen, dann werden seine Handschellen ebenfalls am Bodenring befestigt. Eine sogenannte "stress position": Der kann nicht sitzen, nicht stehen, nicht knien. Er kann nur in einer Zwischenposition kauern, rasch bekommt er Krämpfe. Ahmed kennt das, es ist Teil der "standard operating procedure", um sie auf das Verhör vorzubereiten.

Seit mehr als einem Jahr ist Ahmed in Guantanamo, über Wochen hat er immer wieder die gleiche Frage beantworten müssen: Warum waren er und seine zwei Freunde, die mit ihm gefangen genommen worden sind, im Herbst 2001 in Afghanistan? Alle drei sind Engländer muslimischen Glaubens, Ahmeds Familie stammt aus dem heutigen Bangladesch. Die "Tipton Three" werden sie genannt, nach ihrem Herkunftsstädtchen in den Midlands. An diesem Tag allerdings steht eine Boombox, eine kleine Musikanlage, in der knapp acht Quadratmeter großen Zelle. Der Soldat legt eine CD des Rappers Eminem ein und dreht die Lautstärke hoch. Dann geht er.

"Ich dachte, was ist denn jetzt los? Hat der seine Boombox vergessen?", sagt Ahmed. "Als er zurückkam, fragte ich ihn: ,Was soll das? Warum spielt ihr Eminem?' Er schaute mich nur an und sagte nichts."

Das nächste Mal, als er in die Verhörzelle kommt, läuft Heavy Metal statt Eminem. Stundenlang, auch tagelang. In ohrenbetäubender Lautstärke. Manchmal stellen sie ihm noch ein Stroboskop vor das Gesicht. Die Zelle ist dunkel, der Apparat schießt ihm Blitze in die Augen. Zusätzlich regeln die Verhörspezialisten die Klimaanlage nach unten. Über Stunden muss Ahmed in eisiger Kälte ausharren. Auf die Toilette lassen sie ihn auch nicht, er muss es einfach laufen lassen. Die Fesseln lassen die Beine anschwellen. Während die Musik ihn anbrüllt.

Ruhal Ahmed ist heute 28 Jahre alt und lebt wieder in Tipton, einer Kleinstadt in der Nähe von Birmingham. Er hat einen kurzgeschnittenen Bart, trägt einen Trainingsanzug, spricht mit nordenglischem Akzent. Seine Frau macht die Tür auf, sie ist schwanger, das Paar wohnt in einer Arbeitersiedlung. Ihre zweijährige Tochter läuft herum, zwei jüngere Brüder Ahmeds wohnen auch in dem Reihenhaus.

Mehr als zwei Jahre lang war er in Gefangenschaft der Amerikaner, im März 2004 wurde er wieder freigelassen. Der Regisseur Michael Winterbottom hat aus den Erlebnissen der Tipton Three einen preisgekrönten Film gemacht: "Road to Guantanamo". Es ist die Geschichte einer Reise, die unglaublich schiefgeht.

Guantanamo

Im September 2001 waren sie zu einer Hochzeit nach Pakistan gereist, 20 Jahre alt war Ruhal Ahmed damals. Sie waren abenteuerlustig und auch naiv, sie gingen über die Grenze nach Afghanistan, obwohl der "Krieg gegen den Terror" schon drohte. Mit einer Gruppe Taliban wollten sie zurück nach Pakistan, als Kämpfer der Nordallianz sie gefangen nahmen. Sie wurden schließlich den Amerikanern übergeben. Anfang 2002 waren sie in .

Folter

"Wenn ich Leuten erzähle, dass Musik sein kann, schauen sie mich an und denken, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Wie kann eine Kunst, die so viel Freude macht, Folter sein? Aber so ist das: Normale Folter kann man aushalten. Musik

nicht. Ich habe alles gestanden, was von mir verlangt wurde. Dass ich Bin Laden und Mullah Omar kenne. Dass ich weiß, was ihre Pläne sind. Alles. Nur damit es aufhört."

In Guantanamo, in Afghanistan, im Irak und in anderen amerikanischen Geheimgefängnissen haben Soldaten der Armee und Geheimdienstleute Terrorverdächtige gefoltert, Waterboarding und Schlafentzug gehörten zu ihren Methoden und auch laute Musik. Gefangene wurden tagelang an den Handgelenken aufgehängt und danach mit den Beats von Dr. Dre beschallt. Sie wurden gefesselt und bekamen Kopfhörer aufgesetzt, über die Meat Loaf lief, stundenlang. Sie wurden in Holzkisten gesteckt und mussten nächtelang "Saturday Night Fever" von den Bee Gees ertragen. Ausgerechnet Musik, die Kunstform, die die Welt verändern wollte und es wohl auch manchmal geschafft hat, in Woodstock, bei "Rock gegen Rechts", bei Live Aid, ist eine Waffe im Krieg gegen den Terror geworden.

Es gibt Musiker, die sich dagegen wehren. Die britischen TripHopper Massive Attack gehören genauso dazu wie der amerikanische Industrial-Musiker Trent Reznor und der Country-Star Rosanne Cash. Sie fordern, dass Pop keine Waffe mehr sein darf. Sie wollen wissen, was mit ihrer Musik in den amerikanischen Gefängnissen geschehen ist.

Unterstützt werden sie von britischen und amerikanischen Organisationen. Das National Security Archive, eine amerikanische Bürgerrechtsorganisation, die die Geheimhaltungspolitik der US-Regierung bekämpft, hat auf Freigabe der Akten geklagt. Sie berufen sich auf den Freedom of Information Act. Bei elf staatlichen Institutionen wurden Anträge auf Herausgabe aller Akten gestellt, in denen "AC/DC, Aerosmith, der ,Barney & Friends'-Song, The Bee Gees, Britney Spears, Bruce Springsteen, Christina Aguilera, David Gray, Deicide, Don McLean, Dope, Dr. Dre, Drowning Pool, Eminem, Hed P. E., James Taylor, Limp Bizkit, Marilyn Manson, Matchbox Twenty, Meat Loaf, ,Meow Mix'-Jingle (eine Katzenfutterwerbung), Metallica, Neil Diamond, Nine Inch Nails, Pink, Prince, Queen, Rage Against the Machine, Red Hot Chili Peppers, Redman, Saliva, die ,Sesamstraße'-Musik, Stanley Brothers, The Star Spangled Banner, Tupac Shakur" vorkommen.

Die Liste ist in wochenlanger Recherche von Mitarbeitern des National Security Archive recherchiert worden. Es kann noch Wochen dauern, bis über die Anträge entschieden wird. Und bis die Akten geöffnet werden, sogar Monate, vielleicht Jahre.

Musik als Waffe ist nichts Neues

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Brutale Praxis: Folter mit Metallica und Britney Spears

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CIA

Die Geheimgefängnisse der und des US-Militärs sind bislang eine Schattenwelt, die nur mühsam aus Akten und Aussagen rekonstruiert werden kann. Es geht auch darum, die Befehlsketten nachzuvollziehen und mehr zu erfahren über das System der Geheimgefängnisse, die von der Bush-Regierung eingerichtet wurden. Der wichtigste Verbündete bei diesem Kampf ist die Öffentlichkeit. Und die Öffentlichkeit gewinnt man am besten mit der Unterstützung von Künstlern.

Musik als Waffe ist nichts Neues. Am Hamburger Hauptbahnhof wird seit ein paar Jahren der Vorplatz mit klassischer Musik beschallt, um die Junkies zu verjagen.

Als sich der panamaische Diktator Manuel Noriega 1989 auf der Flucht vor US-Truppen in die Vertretung des Vatikan von Panama-Stadt flüchtete, beschallten die Soldaten das Gebäude tagelang mit Hard Rock und anderer Musik.

Als das FBI 1993 im texanischen Waco die Stürmung einer Farm vorbereitete, in der sich Sektenmitglieder verbarrikadiert hatten, donnerte erst einmal "These Boots Are Made for Walking" aus den aufgestellten Lautsprechertürmen. Sinn und Zweck war einfach: die Belagerten mürbe zu machen.

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Auch die Verhörspezialisten wollten im Krieg gegen den Terror nichts anderes erreichen. Wie das genau funktioniert, daran hat die amerikanische Regierung zusammen mit britischen und kanadischen Behörden während des Kalten Krieges forschen lassen. "Kubark" hieß ein Verhör-Handbuch der , in dem beschrieben wurde, wie man die Gefangenen mit Sinnesreizen überflutet oder sie ihnen entzieht und sie damit foltert.

Folter

Es wird davon ausgegangen, dass die U. S. Army die Anwendung nach dem Ende des Vietnam-Kriegs aussetzte, aber das Wissen wird noch immer genutzt: in einem Programm namens SERE ("Survival, Evasion, Resistance, Escape") lernen Soldaten, denen potentiell die Gefangennahme droht, bis heute, wie sie widerstehen können.

CIA

Ein Psychologe des SERE-Programms war es auch, der im Winter 2001 von der beauftragt wurde, Verhörmethoden für den "War on Terror" zu entwickeln. Im Sommer 2002 autorisierte George W. Bush diese "speziellen Verhörmethoden". Den Gefangenen über lange Zeiträume mit lauter Musik zu beschallen, oft in Kombination mit anderen Qualen - unbequemen Fesselungen, extremen Temperaturen oder Lichteffekten -, ist ein wichtiger Teil. Die Methode wird auch "no-touch torture" genannt. Sie hinterlässt keine sichtbaren Spuren.

Ob das Programm zentral gesteuert wurde, ist noch immer unklar. In einem freigegebenen Papier der CIA finden sich ein paar Sätze, die definieren, welche Lautstärke einem Gefangenen wie lange zumutbar ist. Der Rest ist geschwärzt.

Es gibt anonyme Berichte von FBI-Agenten, die schildern, wie Gefangene gefoltert wurden. Und es gibt den ehemaligen Verhörspezialisten Tony Lagouranis, der ein Buch darüber geschrieben hat. Er berichtet, wie im Frühjahr 2004 im Gefängnis der Air Base von Mossul im Irak ein Verhörraum namens "Disco" eingerichtet worden sein soll. Der Kommandant "zeigte auf einen Container außerhalb des Stacheldrahts und sagte, was wir machen sollten. Er hatte von der Luftwaffe ein Stroboskop besorgt und von einem Soldaten eine Boombox. Von Wärtern ließ er sich übelste Death-Metal-CDs geben. All das überreichte er uns und sagte, wir sollten den Container ausräumen und ihn in ein Verhörzimmer umbauen".

In solchen Kammern nahmen sich die Verhörspezialisten die Gefangenen vor. Manchmal, sagt Ruhal Ahmed, kamen sie zwischendurch rein und brüllten ihm Fragen ins Ohr. Oft kamen sie auch nicht. Die endlos laufende Musik verstärkte das Gefühl, dass die Qual kein Ende nehmen werde.

"Es fühlt sich an, als hätte man sehr starke Migräne, und dann kommt jemand und schreit dich an - und das multipliziert mal tausend", sagt Ruhal Ahmed. "Du kannst dich nicht konzentrieren, auf nichts. Vorher, wenn ich verprügelt wurde, konnte ich mich vom Schmerz wegphantasieren. Aber durch die Musik verliert man jede Richtung. Sie übernimmt die Herrschaft über dein Gehirn. Du verlierst die Kontrolle und fängst an zu halluzinieren. Du wirst an eine Grenze gestoßen und merkst, dass dahinter der Wahnsinn lauert. Eine Grenze, hinter der es, wenn man sie einmal überschritten hat, kein Zurück mehr gibt. Diese Grenze habe ich mehrmals gesehen."

Suzanne Cusick ist Professorin an der New York University und eigentlich auf europäische Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich mit Musik und Folter und hat viele Vorträge zum Thema gehalten. Was sie immer wieder überrasche, sagt sie, sei, wie leichtfertig mit dem Thema umgegangen, wie rasch in Abrede gestellt werde, dass Musik ein Mittel der Folter sein könne - und dass ernsthaft darüber diskutiert werde, welche Songs und Stile sich besonders eigneten zur Folter.

Aber warum Musik und nicht gleich reiner Krach? "Manchmal war es auch nur Krach", sagt Cusick. "Aber Musik gibt es überall. Krach nicht. Außerdem ist es für manche Muslime eine Sünde, sogar nur instrumentale Musik zu hören. Diese Gefangenen über lange Zeit dazu zu zwingen folgt einer Strategie der kulturellen Demütigung. Und in der Musik selbst spiegeln sich natürlich die popkulturellen Präferenzen der amerikanischen Mittel- und Unterschichten."

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Die Songs, mit denen die Häftlinge in gefoltert worden sein sollen, lesen sich wie ein Buch über die Populärkultur der letzten 30 Jahre.

Triumphsongs, Quälsongs und Männermusik aus den Charts

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Brutale Praxis: Folter mit Metallica und Britney Spears

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Da gibt es die Triumphsongs, die Lieder, mit denen der amerikanische Sieg gefeiert und dem Gefangenen wieder und wieder in die Wunde gerieben werden soll: "We Are the Champions" von Queen ist so eins. Oder "Born in the U.S.A.", ein Song von Bruce Springsteen, der immer noch als Feier amerikanischer Größe und Selbstgewissheit missverstanden wird. Auch "Babylon" des britischen Softro-ckers David Gray dürfte in diese Kategorie fallen.

Zweitens gibt es die Quälsongs, Heavy Metal oder Industrial. Metallicas "Enter Sandman" etwa oder "March of the Pigs" von Nine Inch Nails. Musik, die ausgewählt wurde, um dem Gefangenen weh zu tun.

Drittens ist da die Männermusik aus den Charts, Country, Mainstream-Rock, HipHop. Musik, die die Soldaten auch als akustischen Schutzwall mit auf Patrouille nehmen. Musik, die sie gern hören und die nicht nervt, wenn sie aus den Zellen herüberdröhnt, weil ja auch die Soldaten die Dauerbeschallung aushalten müssen.

Und schließlich Pop, Songs von Christina Aguilera oder Britney Spears, die zur sexuellen Demütigung eingesetzt wurden. Als Teil größerer Szenarien, in denen die Gefangenen erniedrigt werden.

"Dass unsere Musik auf diese barbarische Weise missbraucht worden ist, finde ich ekelhaft", sagte Tom Morello, Gitarrist der linken Band Rage Against the Machine, dem amerikanischen Musikmagazin "Spin". "Wenn man weiß, wofür wir ideologisch stehen, ist das schwer zu ertragen."

Pop hat eine große emanzipatorische Kraft, und doch gibt es auch eine lange Tradition rebellischer Musikstile, die immer mit der Qual kokettierten. Musik, die so gemacht war, dass Eltern sie nicht aushalten konnten.

Der Weg nach Guantanamo ist für einen Rocksong eben nicht unwahrscheinlicher als der auf die Bühne von Live Aid. Bono Vox und aller "Rock gegen Rechts"-Folklore zum Trotz.

"Ich kann das nicht so schlimm finden", sagt Stevie Benton, Bassist der Nu-Metal-Band Drowning Pool. "Ein paar Stunden laute Musik hören - in den USA bezahlen die Kids dafür."

Und auch die amerikanische Band Metallica, 1981 in Los Angeles gegründet und immer noch eine der besten Metal-Bands der Welt, gehört nicht zu den Aktivisten. In Interviews hat sich der Sänger James Hetfield darüber gefreut, dass seine Musik zum Quälen von Gefangenen eingesetzt wird.

Da mag Patriotismus mitschwingen, Hetfield sieht sich als jemanden, der den amerikanischen Truppen dabei hilft, den Feind zu besiegen. Aber auch eine merkwürdige Form von Handwerkerstolz. "Wir haben unsere Eltern, unsere Ehefrauen, die Menschen, die wir lieben, schon immer mit dieser Musik bestraft. Warum sollte es den Irakern anders gehen?", sagte er. "Ein Teil von mir ist sogar stolz. Hey, sie haben Metallica ausgewählt!"

Tatsächlich ist vor allem Metal eine Direktübertragung aus der Jungmännerhölle, eine Musik, die von dem Unglück und dem Schmerz berichtet, ein junger Mann zu sein. Metal-Konzerte zu besuchen handelt auch von dem immer gleichen Selbstbeweis: All das kann ich aushalten. Im Verhör wird dies umgedreht: Der Gefangene wird über die Grenze des Aushaltbaren hinweggezwungen.

Es gibt auch technische Entwicklungen in der Popmusik der vergangenen 30 Jahre, die sie für den Einsatz in Verhörzellen erst tauglich gemacht haben. Die besessene Arbeit der Sound-Ingenieure etwa, die mit ausgefeilten Studiotechniken das Letzte aus den Frequenzen herausholen.

Und in popkulturellen Randbereichen wie der Industrial Music spielten Bands wie Throbbing Gristle oder Psychic TV schon in den Achtzigern mit der Idee, dass Musik auch die dunkle Seite von Macht und Gewalt ausdrücken kann.

"Wenn man in ein Konzert oder in einen Club geht, dann sucht man laute Musik, Lichtblitze. Man möchte in Ekstase geraten. Das, was wir erlebt haben, ist genauso, bloß andersrum", bestätigt Ruhal Ahmed. "Man kann schwarze Ekstase dazu sagen."

2004, nach mehr als zwei Jahren, wurde er aus Guantanamo entlassen, in eine Welt, in der Musik überall zu hören ist, in jedem Werbeclip, in jedem Laden, in jedem Taxi. Ruhal Ahmed sagt, dass es ihn nicht stört.

Er habe viele Menschen gesehen, die beinahe verrückt wurden. Die im Lager ihren Kopf gegen die Wand schlugen, wenn sie von den Verhören zurückgebracht wurden, die versuchten, sich umzubringen. Als Ahmed nach England zurückkam, sagte ihm eine Psychologin, dass er wohl Glück gehabt habe, weil er noch so jung war.

Ruhal Ahmed lebt nun das merkwürdige Leben eines Ex-Guantanamo-Häftlings. Seine Familie hat ihn aufgefangen, mit seiner jetzigen Frau war er schon auf der Schule zusammen, bald nach seiner Rückkehr haben sie geheiratet. Er hat nur selten Arbeit, es gibt nicht viele Jobs in Tipton. Im Februar bringt seine Frau das zweite Kind zur Welt, es wird schwierig werden, weil sie dann nicht mehr arbeiten kann. Sie hat einen Job bei der Stadt.

Im Wohnzimmer steht eine riesige Multimedia-Anlage. Ahmed hat sie von dem Geld gekauft, das er für seine Mitarbeit an "Road to Guantanamo" bekommen hat. Wenn er ins Internet geht, nutzt er den großen Flachbildschirm an der Wand als Monitor. Über Facebook hält er Kontakt zu anderen Ex-Gefangenen. Neulich, erzählt er, habe ihn ein ehemaliger Wärter aus Guantanamo über Facebook angeschrieben. Er wollte sich entschuldigen. Die beiden trafen sich zum Essen.

Im Regal von Ruhal Ahmed stehen ein Koran und ein paar alte Kassetten mit Aufnahmen von Gebeten. Er besitzt keine einzige CD.

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