AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 19/2010

Millionäre Teure Vorliebe

Ein Frankfurter Bier-Baron hat eine 64 Jahre jüngere Frau geheiratet. Jetzt streiten die Gattin, ein Anwalt und eine Stiftung um Einfluss und Geld.

Mäzen Schubert, Ehefrau: "Ich bin so verliebt"
action press

Mäzen Schubert, Ehefrau: "Ich bin so verliebt"

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In Frankfurt am Main gilt Bruno H. Schubert als großzügiger Gastgeber und Mäzen. Zu seinem 90. Geburtstag schenkte er seiner Heimatstadt im vergangenen Oktober mal eben einen Gobelin aus dem 17. Jahrhundert. Der kostbare Wandteppich, begründete der frühere Besitzer der Henninger-Brauerei die noble Geste, habe der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth halt "so gut gefallen".

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Heft 19/2010
Wie viel Griechenland können wir uns noch leisten?

Auch außerhalb der Stadt schätzte man die Generosität des Multimillionärs. Mit bislang insgesamt 100.000 Euro pro Jahr vergab die von ihm gegründete Bruno H. Schubert-Stiftung die am höchsten dotierten Umwelt- und Naturschutzpreise der Republik. Im Stiftungskuratorium versammelten sich Professoren und politische Prominenz wie Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer. Beinahe täglich bewirtete Schubert zudem Politiker, Intellektuelle, Bankenchefs und Diplomaten an den üppig gedeckten Tischen seiner Frankfurter Villa oder seiner Sommerresidenz bei Berchtesgaden.

Einem breiteren Publikum wurde Schubert freilich erst im vergangenen Jahr bekannt. Im Juli heiratete er die damals 25-jährige Meharit Kifle, eine Äthiopierin mit belgischer Staatsbürgerschaft: "Das Ja-Wort des Jahres", jauchzte "Bild", und die "Bunte" säuselte über "Das junge Glück des Bierkönigs". "Ich bin ja soo verliebt", ließ sich der damals 89-Jährige vom Boulevard zitieren.

Könne hinter der "Blitz-Hochzeit" mehr stecken als selbstlose Liebe?

Bei seinen prominenten Freunden und den Mitgliedern des Stiftungskuratoriums keimte schnell der Verdacht, hinter der "Blitz-Hochzeit" ("Bild") könne mehr stecken als selbstlose Liebe. Der Eindruck verstärkte sich, als wenige Tage nach der Eheschließung plötzlich der Frankfurter Rechtsanwalt Hubertus Kestler die Bühne betrat.

Der Jurist, nach eigenen Angaben mit einer "Generalvollmacht" Schuberts ausgestattet, hob zunächst in dessen Namen einen alten Erbvertrag des Ex-Unternehmers mit seiner Anfang 2009 verstorbenen Ehefrau Inge auf. Danach sollte das Familienvermögen nach Schuberts Tod an die Stiftung fließen. Stattdessen wurde nun Meharit als Erbin eingesetzt.

Kestler ist kein Anwalt, der für Kleingeld arbeitet. Ende 2001 geriet er in die Kritik, weil er sich als Aufsichtsratsvorsitzender der Firma Biodata im hessischen Lichtenfels noch schnell einen Rechnungsbetrag von 142.000 Euro überweisen ließ - einen Tag, bevor die Überschuldung des Unternehmens bekannt wurde. Anderen Gläubigern wurde damals mitgeteilt, sie müssten auf 85 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Eine gespenstische Veranstaltung

In dem knappen Dreivierteljahr, in dem er nun als Schuberts Rechtsvertreter auftritt, soll er nach Auskunft von Insidern schon eine hohe sechsstellige Summe für Honorare abgerechnet haben. Außerdem drängte er nach Einfluss in der Stiftung: Im vergangenen Oktober saß er plötzlich neben dem ehemaligen Bier-Baron in einer Sitzung des Kuratoriums und beanspruchte für sich und Meharit je einen Sitz im Stiftungsvorstand. Schubert selbst, erinnern sich Teilnehmer, habe die ganze Zeit "wie abwesend" gewirkt und wortlos dabeigesessen. "Es war eine gespenstische Veranstaltung", sagt Kuratoriumsmitglied Otto Rudolf Kissel, der frühere Präsident des Bundesarbeitsgerichts.

Als das Gremium dieses Ansinnen ablehnte, reichte der Anwalt Klage gegen die Zusammensetzung und die Beschlüsse des Kuratoriums ein. Die entsetzten Mitglieder, meist jahrzehntelange Freunde Schuberts, hatten anschließend in persönlichen Gesprächen mit dem Ex-Unternehmer den Eindruck, dass dieser das alles gar nicht gewollt habe. Aber dann seien offenkundig von Kestler formulierte und von Schubert unterschriebene Briefe eingetroffen, die "diametral im Gegensatz zu seinen mündlichen Äußerungen standen", sagt Manfred Niekisch, Kuratoriumsvorsitzender und Direktor des Frankfurter Zoos.

"Inzwischen kommen wir nicht mehr an ihn ran"

Inzwischen, klagt Niekisch, "kommen wir nicht mehr an ihn ran". Schuberts nichtehelicher Sohn Hanns Peter Nerger spricht von einer "eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit" seines Vaters und will dessen Geschäftsfähigkeit prüfen lassen. Nerger, der nicht erbberechtigt ist, wird nicht einmal mehr zu dem in einem Schweizer Hotel logierenden Schubert durchgestellt. Ebenso erging es dem SPIEGEL.

Kestler sagt, sein Mandant müsse sich von einer Lungenentzündung erholen, dürfe sich nicht aufregen. Er sei angeschlagen, aber keineswegs dement, das bestätige auch sein Arzt. Er selbst, so Kestler, vertrete ausschließlich die Interessen von Schubert, der eine inhaltliche Neuausrichtung der Stiftung wünsche.

Alte Weggefährten des Millionärs erklären das offenkundige Interesse Kestlers und Meharits an der Stiftung dagegen profaner mit dem dort eingelagerten Kapital von rund 2,6 Millionen Euro. Denn vom dreistelligen Millionenbetrag, den Schubert einst durch den Verkauf seiner Henninger-Anteile erlöste, soll nicht mehr allzu viel übrig sein. Schließlich ist stadtbekannt, dass der Frankfurter Ehrenbürger seiner Vorliebe für deutlich jüngere, attraktive Damen schon intensiv nachging, bevor er Meharit, angeblich in einem Restaurant, kennenlernte. Eine Ex-Geliebte, ein ehemaliges Playboy-Modell namens Swetlana, verwöhnte er zum Beispiel mit einem Porsche, einem Einfamilienhaus, teuren Reisen und Luxuseinkäufen mittels seiner Kreditkarte.

Allein diese Beziehung, berichtet ein Eingeweihter aus Schuberts engstem Umfeld, habe den alten Herren rund zehn Millionen Euro gekostet.



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
Peggy Bundy 14.05.2010
1. xxx
Zitat von sysopEin Frankfurter Bier-Baron hat eine 64 Jahre jüngere Frau geheiratet. Jetzt streiten die Gattin, ein Anwalt und eine Stiftung um Einfluss und Geld. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,694098,00.html
Erinnert mich an die Geschichte von Anna Nicole Smith. Ab welchem Alter darf man sein Geld nicht mehr verprassen? ;-)) Gönnt dem alten Mann doch seinen Spaß! Statistisch gesehen bleibt ihm doch nicht mehr soo lange Zeit, sein Leben zu genießen ... ;-)) Denn: Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat. (Somerset Maugham)
Haio Forler 14.05.2010
2. .
Zitat von Peggy BundyErinnert mich an die Geschichte von Anna Nicole Smith. Ab welchem Alter darf man sein Geld nicht mehr verprassen? ;-)) Gönnt dem alten Mann doch seinen Spaß! Statistisch gesehen bleibt ihm doch nicht mehr soo lange Zeit, sein Leben zu genießen ... ;-)) Denn: Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat. (Somerset Maugham)
Wie wahr, wie wahr. Und für die Frau bedeutet das: kneif die Augen zusammen, solange Du noch mußt ;) Bei den Milliarden hätte ich mich auch verliebt. Und zwar auf den ersten Blick.
Peggy Bundy 14.05.2010
3. xxx
Zitat von Haio ForlerWie wahr, wie wahr. Und für die Frau bedeutet das: kneif die Augen zusammen, solange Du noch mußt ;) Bei den Milliarden hätte ich mich auch verliebt. Und zwar auf den ersten Blick.
Als ich jung war, war ich leider zu dumm dazu. ;-)) Jetzt ist es zu spät ...;-)) Wie die alten Chinesen das schon formuliert haben: Je älter der Mann, um so jüngeres Mädchen braucht er. Also mich würde so ein 80Jähriger gar nicht mehr nehmen ... LOL
mavoe 14.05.2010
4. hmmm
Zitat von sysopEin Frankfurter Bier-Baron hat eine 64 Jahre jüngere Frau geheiratet. Jetzt streiten die Gattin, ein Anwalt und eine Stiftung um Einfluss und Geld. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,694098,00.html
Falls ich 90 werden sollte, in 44 Jahren, dann sollte analog meine potentielle Partnerin erstmal noch geboren werden. Da müssen aber noch 18 Jahre vergehen. hmm, ich hab aber nicht soviel Geld, und Viagra beschert mir dann garantiert einen Herzinfarkt. (Brauche ich allerdings noch nicht) Sind die denn alle bescheuert? Nein, ich (m) würde ja auch gerne eine hundertjährige Multimillionärin heiraten. Gut aussehen tu ich allemal. lol.
klausm0762 14.05.2010
5. lasst ihn doch....
Dass älteren Herren die vielleicht letzte Beziehung oft sehr viel Geld wert ist, ist ja wohl absolut alltäglich. So einen Fall kent doch fast jeder. Bitter für die Erben, aber schliesslich ist es *sein* Geld.
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