AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 51/2011

Bildung Massen-Uni 2.0

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2. Teil: Elite für alle - weltweit: Exzellenzstudium? Macht nur 20 Dollar


"Die Universität ist ein toller Ort, aber die Kosten sind einfach zu hoch", sagt Thrun. Die Studenten in Kalifornien zahlen mehrere zehntausend Dollar pro Jahr. Thrun sagt, dass er seinen Online-Kurs kostendeckend für 20 bis 30 Dollar pro Person anbieten könne. Im Moment zahlen die Online-Studenten sogar gar nichts, der Professor finanziert das Angebot aus seinem Privatvermögen. "Mein Traum ist ein kostenloses Studium von 20 aufeinander aufbauenden Kursen", sagt Thrun.

Er schwärmt von dem einmaligen Angebot, das er Studenten in Entwicklungsländern machen könne, von den E-Mails begeisterter Teilnehmer, die er erhalte. "Da sind Menschen dabei, die uns sagen, dass wir ihr Leben verändern", sagt er und entwirft die Vision einer "Demokratisierung der Hochschulbildung". Die praktischen Probleme - Pfuschereien zu unterbinden, Lernerfolge zu kontrollieren - hält er für lösbar, notfalls mittels Testzentren in vielen Ländern.

Doch wie sehen die Hochschulen aus, wenn die Welt zum globalen Campus wird? Die Konkurrenz würde wachsen, weil Studenten unabhängig von Zeit und Raum ihre Wahl treffen könnten. Die amerikanischen Elite-Unis müssten beweisen, dass sie in Forschung und Lehre tatsächlich exzellent sind und nicht nur davon profitieren, aus einer großen Anzahl guter Bewerber die besten auswählen zu können. Und die deutschen Hochschulen müssten in einem weltweiten Wettbewerb - Heidelberg gegen Harvard - bestehen, wenn jede Uni nur noch einen Mausklick entfernt ist.

E-Learning ist hierzulande nicht viel mehr als ein Schlagwort

Dafür aber ist Deutschland schlecht gerüstet, denn E-Learning ist hierzulande nur an wenigen Universitäten über ein Schlagwort hinausgekommen, so groß die Hoffnungen und die Fördersummen auch waren. Kurz nach der Jahrtausendwende prophezeite ein Expertenkreis der Bertelsmann Stiftung: Im Jahr 2005 werde "mindestens die Hälfte der Studenten zumindest einzelne Teile des Studiums über das Netz absolvieren". Und die rot-grüne Bundesregierung stellte im Förderprogramm "Neue Medien in der Bildung" nicht weniger als 100 Millionen Euro für Hochschulen zur Verfügung.

In einem Prospekt ließ die Regierung im Jahr 2000 die Defizite beschreiben, die sie zu beheben gedachte. Dummerweise klingt die Beschreibung der damaligen Wirklichkeit, als wäre sie von heute. "Es fehlt den meisten Hochschulen noch an einer Gesamtstrategie und einer Zielbestimmung dessen, was die jeweilige Hochschule mit dem Medieneinsatz erreichen will", heißt es. Daher kämen "vorrangig Einzelprojekte zum Einsatz".

Die großen deutschen Universitäten haben keine Angebote erarbeitet, die die Möglichkeiten ausreizen, so dass die Studenten interaktiv und individuell lernen könnten. Es fehlt an Zeit und Geld, manchmal wohl auch an Wissen und Willen und dem Glauben daran, dass die neuen Technologien tatsächlich einen Mehrwert ermöglichen.

Dabei müssten solche Studiengänge gar nicht das Versprechen einlösen, eine ganz neue Art des Lernens zu begründen, um von Nutzen zu sein. Denn die Hochschulen ächzen unter einem Rekordansturm, bei rund 2,4 Millionen Studenten in diesem Wintersemester sind in der realen Welt schon die beheizten Räume knapp. Eine virtuelle Alternative könnte Entlastung bringen.

Nur äußerst wenige Studenten studieren weitgehend online

Bisher studieren nur äußerst wenige Studenten weitgehend online. Es gibt zwar die Fern-Universität Hagen, mit rund 80.000 Studenten immerhin die größte deutsche Uni, doch hier wird noch viel Papier per Post verschickt. Andere Anbieter sind weder groß noch besonders bekannt. In Berlin wurde die "Virtual Global University" gegründet. In Bayern führt die "Virtuelle Hochschule Bayern" einige Angebote der bestehenden Hochschulen des Freistaats zusammen. Hinter der "Virtuellen Fachhochschule" steckt die Fachhochschule Lübeck mit einigen Partnern.

In Mecklenburg-Vorpommern kündigte ein Unternehmensberater vor einem Jahr "die erste echte Virtuelle Universität zumindest Europas" an. Mehrere hundert Mitarbeiter, eine Milliarde Investitionen, so war es im Plan vorgesehen, doch seitdem ist davon nichts mehr zu hören. Das Schönste ist noch der Name des Projekts: "iMeck".

In der iMac-Heimat Kalifornien setzt Sebastian Thrun erst mal bis Dezember seine Vision in Videoclips um. Von der zahlenden Kundschaft habe sich noch keiner beschwert, sagt er, die bekomme ja nach wie vor jede Woche ihre Vorlesung, "wenn auch von einem übermüdeten Professor, der jede Nacht bis zwei, drei Uhr am Online-Angebot bastelt".

Am Anfang seien sogar die Server zusammengebrochen, aber solche Probleme habe sein Team mittlerweile gelöst. Die Herausforderung bestehe vielmehr darin, nun vor Zehntausenden Studenten bestehen zu müssen. "Wenn ich bislang einen Fehler gemacht habe, hat es manchmal keiner gemerkt", sagt er, "und wenn doch, konnte ich den Fehler halt gleich einordnen und korrigieren."

Jetzt sei alles anders. Einmal habe er eine Aufgabe nicht ganz eindeutig formuliert. In solchen Fällen folge nun ein Massenprotest. "Wenn nur zehn Prozent der Studenten es bemerken", sagt Thrun, "dann sind das ja schon 16.000 E-Mails."



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Seite 1
Björn Borg 22.12.2011
1. Schwachsinniger Einfall
Zitat von sysopEin Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod? http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html
Kostenlose Bildung im Internet. Ich bin beeindruckt: Und wer bezahlt künftig und wovon die dazu notwendigen qualifizierten Hochschullehrer?
trgoe 22.12.2011
2.
An der Universität Göttinen werden seit Jahren viele Vorlesungen an einem Smartboard gehalten und aufgezeichnet - auch Austauschvorlesungen per Videokonferenz mit anderen Universitäten sind inzwischen nichts besonderes mehr. So weit hinterher, wie in dem Artikel beschrieben, sind deutsche Universitäten längst nicht mehr, die Studenten hier sind es sehr wohl gewohnt, ihre Vorlesungen als Podcast bei der Bahnfahrt zu hören und Fragen in Foren und Wikis zu diskutieren. Georg-August-Universität Göttingen - E-Learning: Anwendungsunterstützung (http://www.uni-goettingen.de/de/102369.html) Georg-August-Universität Göttingen - Stud.IP (http://www.uni-goettingen.de/de/124889.html)
alexkie 22.12.2011
3. Einfache Antwort
Zitat von Björn BorgKostenlose Bildung im Internet. Ich bin beeindruckt: Und wer bezahlt künftig und wovon die dazu notwendigen qualifizierten Hochschullehrer?
Wie jetzt auch schon: Der Staat? Hauptsächlich beschäftigen sich Hochschullehrer ohnehin mit der Forschung.
schuworld@online.de 22.12.2011
4. Kein ersatz
Zitat von sysopEin Deutscher unterrichtet an der Elite-Universität Stanford - und per Internet Zehntausende Studenten in der ganzen Welt. Ist das die Zukunft der Hochschulen oder ihr Tod? http://www.spiegel.de/0,1518,805028,00.html
Eine online-Vorlesung ist bequem und einem digitalen Lehrbuch gleichzusetzen. Entgegen der weitverbreiteten Meinung wird die Hauptlernarbeit nicht in Vorlesungen geleistet, sondern in den angeschlossenen Seminaren und Praktika, in denen es eine direkte Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden gibt. Niemand kann sich ohne Kommunikation weiter entwickeln. Ich sage dies als erfahrener Studierender und Lehrender.
Bernd.Brincken 22.12.2011
5. Intelligenz
Klar, wenn man davon ausgeht, dass der Kern von Wissen und Bildung in der Vermittlung von klaren Regeln und eindeutigen Informationen besteht, dann hat der Professor recht. Dazu passt dann auch sein Fachgebiet. Nur haben sich die alle zehn Jahre wiederholten Behauptungen der KI, in den nächsten zehn Jahren gäbe es dann aber wirklich intelligente Maschinen, in den letzten fünfzig Jahren nicht bewahrheitet. Also irgendwie hapert es bei den Spezialisten für künstliche Intelligenz mit der natürlichen Intelligenz, oder auch der Verbindung zwischen Wissen und Praxis. Es steht zu befürchten, dass die daraus abgeleiteten pädagogischen Konzepte irgendwie auch unter dieser Dichotomie leiden (werden).
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