AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2000

Irak Bagdad manövriert US-Luftwaffe aus


Ein ungewöhnlicher Auftritt des Diktators Saddam Hussein und ein Schlagabtausch zwischen US-Kampfflugzeugen und der irakischen Luftabwehr nahe der Großstadt Mossul am Tigris sorgt bei Luftkriegstaktikern der Nato und der U. S. Air Force für Unruhe. Sie müssen davon ausgehen, dass ein wichtiges Waffensystem der Allianz - so genannte Harm-Raketen (High Speed Anti-Radar Missiles) - obsolet geworden ist.

Harm-Raketen folgen den elektromagnetischen Wellen feindlicher Radaranlagen, um die Stellungen von Luftabwehrraketen zu zerschlagen. Seit Wochen aber setzen die Amerikaner im Irak keine Harm mehr ein. Ende Mai, bei dem viertägigen Feueraustausch im Norden des Landes, beschränkten sich die US-Maschinen darauf, Luftabwehrstellungen ausschließlich mit Bomben zu belegen. Weil die Iraker beim Start von Abwehrraketen seit langem das Zielsuchradar ausschalten, flogen die Harm-Projektile meist am Ziel vorbei. Möglich ist aber auch, dass die irakischen Schützen eine neue Leitmethode verwenden, die ohne das verräterische, am Boden installierte Radar auskommt. Dafür spricht, dass Staatschef Saddam Hussein irakische Wissenschaftler eingeladen hat und deren "einfallsreiche Arbeit" lobte, mit der die Aggressoren gestoppt würden.

Die Air Force hat deshalb ein Verbesserungsprogramm für die Harm-Waffe eingeleitet. Auf dem Versuchsgelände China Lake in Kalifornien wird eine neue Zielanflugtechnik erprobt, die wie bei modernen Verkehrsflugzeugen auf Angaben von Satelliten und einem Trägheitsnavigationssystem beruht. Zuletzt waren im Kosovokrieg mehr als 1000 Harm-Raketen (Stückpreis: 200 000 Dollar) abgefeuert worden.



© DER SPIEGEL 24/2000
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