14.12.2010

TIERE SAGEN UNS IHRE MEINUNGVOR DEM SCHLITTEN DES WEIHNACHTSMANNS

1. RENTIER UND MENSCH
Scheu wie ein Reh? Nein. Unter allen Hirscharten sind wir Rentiere die große Ausnahme: Wir haben uns an den Menschen gewöhnt. Zu Anfang verfolgten und jagten uns die Menschen – nicht viel anders als Wölfe oder Bären. Vor gut dreitausend Jahren begannen sie dann aber, uns zu zähmen.
2. BEINAHE FREI
Heute gibt es nur noch wenig wilde Rentiere. Wir sind so etwas wie die Kühe und Schafe der Menschen im hohen Norden. Aber im Grunde können wir uns nicht beklagen. Anderswo sind Tiere, die der Mensch als Nutzvieh hält, in engen Ställen eingepfercht. Wir Rentiere leben weiterhin in der freien Natur, ohne Gitter und Stacheldraht. Manchmal treiben Menschen die Herden zusammen und markieren die Ohren der Jungtiere, aber das tut nicht besonders weh.
3. UNTERWEGS
Wenn der Winter naht, ziehen wir weite Strecken südwärts, dorthin, wo die Schneedecke nicht alle Pflanzen zugedeckt hat, und kehren erst im Frühjahr wieder in die Arktis zurück. Bis zu 5000 Kilometer legen wir bei einer Wanderung zurück. Solche Strecken schaffen sonst höchstens Zugvögel.
4. KARGE KOST
Hoch im Norden darf man nicht wählerisch sein, wenn es ums Futter geht. Im Sommer gibt es jede Menge Gras zu fressen, aber im Winter begnügen wir uns oft mit Baumrinde, Flechten und Moosen.
5. BLUTSAUGER
Autsch! Auch wenn wir ein dickes Fell haben, gegen diesen Feind sind wir einfach machtlos: In den warmen Sommermonaten schwirren unzählige Stechmücken um uns herum. Rinder können mit Schwanzschlägen wenigstens noch ein paar Plagegeister vertreiben, aber wir haben leider nur einen Stummelschwanz.
6. HERAUSGEPUTZT
Nur männliche Hirsche tragen ein Geweih? Irrtum! Bei uns Rentieren haben auch die Hirschkühe eins. Allerdings tragen die Männchen größere. Damit wollen sie bei den Weibchen Eindruck schinden. Zur Brunftzeit stehen sie sich als Rivalen drohend gegenüber. Ihre Geweihe verhaken sich, und dann wird geschoben und gedrückt, bis einer von beiden aufgibt.
7. KEIN WEIHNACHTSMÄRCHEN
Selbst Menschen, die noch nie in ihrem Leben ein richtiges Rentier gesehen haben, kennen dieses bunte Bild: Der Weihnachtsmann hat seinen Schlitten mit Geschenken vollgepackt, und Rentiere fliegen mit dem Gespann über die verschneite Landschaft. Ist natürlich nur ein Märchen für kleine Kinder. Aber ein Körnchen Wahrheit steckt doch drin, denn wir sind so stark und geschickt, dass die Menschen in der Arktis uns häufig als Zugtiere einspannen. Sogar Rentierrennen gibt es hier anstelle von Pferderennen.

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