14.12.2010

GLOBUS

+++ NACHRICHTEN AUS ALLER WELT +++

SCHULE FÜR SANTA

Es ist wohl einer der schlimmsten Momente, den man sich vorstellen kann, wenn man als Weihnachtsmann arbeitet: Ein Kind sitzt auf dem Schoß - und zieht einem mit einem Ruck den Bart herunter. Wie soll man sich dann nur verhalten? Im britischen Ort Wookey Hole bekommt man dafür Tipps. Denn dort gibt es eine Schule für Leute, die im Dezember Weihnachtsmann sein wollen, zum Beispiel in Einkaufszentren. Der Unterricht dauert einen Tag und ist für die Schüler kostenlos. Jedes Jahr werden 50 Teilnehmer zugelassen. Die Schüler sehen sich sehr ähnlich: Mit rotem Mantel und weißem Rauschebart sitzen sie an ihrem Pult. Auch der Lehrer sieht aus wie ein Weihnachtsmann. Er gibt ihnen Schauspielunterricht. Darin lernen sie, dass sie nicht schimpfen sollen, falls ihnen ein Kind den Bart herunterreißt. Sie sollten höflich sagen: "Bitte lass das, das tut weh." Weitere Fächer sind: Geschichte des Weihnachtsmanns, Kostüm und Make-up sowie Rentierkunde. Am Ende des Tages bekommen die Schüler eine Urkunde. Doch ob sie wirklich was gelernt haben, können sie erst an Weihnachten zeigen.

VERLASSENE PFERDE

Sie heißen Ruby, Duke und Sammie. Sie sind Pferde, kommen aus Irland und haben noch etwas gemeinsam: Ihre Besitzer können sie sich nicht mehr leisten. Grund dafür ist die Wirtschaftskrise, die Irland in den vergangenen zwei Jahren stark getroffen hat. Deshalb haben die anderen europäischen Länder beschlossen, Irland zu helfen - die Insel benötigt 85 Milliarden Euro. Einige Iren haben ihre Arbeit verloren, ihr Haus verkauft und Schulden: Sie müssen sparen. Doch wohin nur mit den teuren Pferden? Von denen haben sich die Iren nämlich besonders viele als Haustier oder zur Zucht zugelegt. Und nun sind dort etwa 20 000 Pferde überflüssig geworden. Manche Leute setzen die Pferde aus und riskieren, dass sie sterben. Denn im Winter brauchen die Tiere Heu, das sie in der Natur nicht finden. Sie verhungern oder müssen eingeschläfert werden. Pferde, die noch nicht zu mager sind, werden zu Fleisch und Wurst verarbeitet. Ruby, Duke und Sammie hatten Glück. Tierschützer fanden sie und päppelten sie auf. Vor allem die siebenjährige Stute Ruby war geschwächt. Das sanftmütige Tier lag auf steinigem Boden und bestand nur noch aus Haut und Knochen. Jetzt lebt Ruby in der Obhut des irischen Tierschutzbundes ISPCA - und sucht ein neues Zuhause.
WAS WAR DA LOS, WESTON
Der New Yorker Schüler Weston, 9, über einen ungewöhnlichen Gottesdienst
Der Junge mit den braunen Haaren und dem merkwürdigen Tier vor der Brust, das bin ich. An diesem Tag musste ich meiner Rosie eine Leine um den Hals legen, damit sie nicht wegrennt. Denn Rosie ist eine muntere Echse, und an einem Gottesdienst hat sie noch nie teilgenommen. 40 Tiere haben wir vor den Altar getragen, gezogen und geschoben. Hasen, Schweine, Schildkröten - sogar ein Kamel. Ein sehr bockiges Exemplar, es wollte einfach nicht durch die Tür. Warum der ganze Rummel? Einmal im Jahr feiern wir den Tag des heiligen Franz von Assisi, das ist der Schutzpatron der Tiere, mit einer großen Tiersegnung. Diesmal waren ziemlich exotische Geschöpfe dabei. Aus der Wüste, den Tropen und den Bergen. Meine Freunde und ich haben sie vom Zoo ausgeliehen oder von zu Hause mitgebracht. Rosies Heimat ist eigentlich Australien, aber sie ist in den USA geboren. Ich hatte sie ein paar Tage vorher in einer Tierhandlung gekauft, ganz bei uns in der Nähe. Auch wenn sie älter aussieht, sie ist erst ein Jahr und hat einen stachligen Bart. Wenn man sie anfasst, fühlt sich ihre Haut rau und warm an.

AIRBAG FÜR DEN KOPF

Das sieht gefährlich aus: Ein Fahrradfahrer bremst plötzlich, sein Hinterrad wird hochgerissen, und der Mann fliegt kopfüber über den Lenker. Gleich wird er mit dem Gesicht auf den Boden knallen. Doch bevor das passiert, öffnet sich eine weiße Haube und umschließt seinen Kopf: ein Airbag für den Kopf. Falls dieser Sturz wirklich passiert wäre, hätte der Helm den Fahrer vor schweren Verletzungen bewahrt - und womöglich sein Leben gerettet. Auf den Fotos stürzt aber nur ein sogenannter Dummy, der Fahrer ist eine Puppe. Die beiden schwedischen Designerinnen Anna Haupt und Terese Alstin wollten damit prüfen, ob ihre Erfindung funktioniert. Sechs Jahre lang haben sie an dem Airbag für Radler getüftelt. Er sollte den Leuten besser gefallen als normale Helme: Wenn der Airbag geschlossen ist, sieht er aus wie eine unauffällige Halskrause oder ein Schal. Deshalb zerstört er auch die Frisur nicht. Nur bei einem Unfall pustet er sich blitzschnell auf und wird zur Haube. Bald soll man ihn für etwa 300 Euro kaufen können. Wie andere Fahrradhelme hält er nur einen Sturz aus. Danach schützt er nicht mehr, und man muss ihn austauschen.

BRAUCHT JEMAND MÜLL?

Da hatten die Politiker mal eine wirklich schlaue Idee: Müll aus Süditalien soll jetzt bis hoch nach Norwegen geschafft werden. Das klingt erst mal nach weiten Wegen und viel Aufwand, ist aber eine Lösung, die den Menschen in beiden Ländern helfen soll. Es ist nämlich so: Im italienischen Neapel stapelt sich der Müll auf den Straßen, es gibt keinen Platz mehr für die ganzen Abfälle. Das ist ein Glücksfall für die Norweger, 2700 Kilometer weiter nördlich. Sie brauchen mehr Müll, als bei ihnen zu Hause anfällt. Denn aus ihren Abfällen machen sie Licht und Wärme: Die Müllverbrennungsanlage in Oslo versorgt die Haushalte mit Energie zum Heizen und mit Elektrizität. Im Jahr sollen insgesamt etwa eine Million Tonnen Hausmüll aus Neapel nach Norwegen und Schweden geliefert werden. Die Menschen im frostigen Norden können sich darüber sogar doppelt freuen: Sie gewinnen Energie und kassieren Geld. 90 Millionen Euro sollen die Neapolitaner für diese europäische Müllabfuhr bezahlen.

STEINE SCHLEPPEN OHNE MUSKELKATER

Im Osten Schottlands gibt es eine Menge kleiner, verzierter Steinkugeln. Spielten die Leute in der Jungsteinzeit damit etwa Tennis oder Cricket? Der Archäologe Andrew Young hat eine bessere Erklärung: Steinzeitliche Baumeister könnten die Bälle benutzt haben, um damit Riesensteine zu bewegen für Monumente in Schottland oder Stonehenge. Das ist ein Bauwerk im Süden Englands, das aus meterhohen Steinen besteht. Ein solcher Stein kann bis zu 70 Tonnen wiegen - für Menschen ist das zu schwer. Aber vielleicht kann man ihn auf Kugeln bewegen? Auf die Idee kam Andrew Young, als er Modelle dieser Steinbälle über den Fußboden rollte. Er nahm zwei Holzschienen und legte die Kugeln in die Rillen. Darauf platzierte er eine 100 Kilo schwere Betonplatte: "Ich konnte das Gewicht mühelos mit einem Finger bewegen." Der Forscher hockte sich sogar selbst darauf und ließ sich von einem Kollegen mit einer Hand schieben. Doch die Steine von Stonehenge wiegen viel mehr als 100 Kilo. Deshalb baute Young ein größeres Modell. Es konnte das Gewicht eines mittelgroßen Stonehenge-Steins tragen. Und auch diese Riesenlast konnten acht Leute auf Kugeln rollen, ohne ins Schwitzen zu kommen. Deshalb vermutet Andrew Young nun: Möglicherweise haben Arbeiter früher einen Stein 30 Kilometer bewegen können - vom Steinbruch nach Stonehenge, an nur einem Tag. Zwei Hilfsmittel wären dafür nötig: Ochsen und Kugeln.

Dein SPIEGEL 1/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


Dein SPIEGEL 1/2011
Titelbild
Abo-Angebote

Dein SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.