14.12.2010

DAS WAR 2010!

RÜCKBLICK: Ein Vulkan spuckt Asche, ein Präsident tritt zurück, ein Krake weiß, wer Weltmeister wird. Die wichtigsten, lustigsten und traurigsten Momente aus dem vergangenen Jahr

BERG DES JAHRES
Eyjafjallajökull, Vulkan auf Island. Bricht im März aus und legt mit seiner Asche wochenlang den Flugverkehr lahm.

DAS KLEINSTE GESCHENK DES JAHRES
… sind fünf Euro. So viel sollen erwachsene Hartz-IV-Empfänger im nächsten Jahr mehr pro Monat bekommen. Das hat die Regierung beschlossen. Fünf Euro klingt nach wenig - und ist es auch. Es reicht zum Beispiel für zwei Packungen Waschmittel, drei Brote oder fünf Tafeln Schokolade. Für Kinder aus Hartz-IV-Familien gibt es nicht mehr Geld. Allerdings gibt es Gutscheine, etwa für Nachhilfe oder Musikkurse.

UNGLÜCK DES JAHRES
Bei der Love Parade in Duisburg passiert im Juli ein Unglück: Das Gelände ist für die vielen Besucher zu klein, der Weg zum Eingang führt durch einen engen Tunnel. Ordner und Polizei kommen mit den Menschenmassen nicht klar. In dem Gedränge sterben 21 Menschen - und hinterher schieben Polizei, Veranstalter und die Stadt Duisburg jeweils die Schuld auf den anderen. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wollte zwar unbedingt die Love Parade in seiner Stadt haben, aber nach dem Unglück weigert er sich zurückzutreten.

FRISCHLING DES JAHRES
Lena Meyer-Landrut. Zuerst gewinnt sie die Casting-Sendung "Unser Star für Oslo". Dann siegt sie beim Eurovision Song Contest. Das hat seit 28 Jahren kein deutscher Künstler mehr geschafft. Ihr Lied "Satellite" ist über ein halbes Jahr ganz oben in den Charts. Alle lieben Lena.

TOP-POLITIKER
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist bei den Deutschen am beliebtesten - einige reden schon davon, dass er Angela Merkel als Kanzler ablösen könnte. Dann müssten wir uns wohl auch seinen vollständigen Namen merken. Der Mann heißt: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg.

FLOP-POLITIKER
Ziemlich beliebt war auch Horst Köhler - bis er im Mai überraschend vom Amt des Bundespräsidenten zurücktrat. Er fand, dass er zu stark kritisiert wurde - seitdem halten ihn viele für zu empfindlich. Sein Nachfolger ist Christian Wulff.

LAND DES JAHRES
Die Chinesen haben in diesem Jahr viel erreicht, auf das sie stolz sein könnten. Zum Beispiel auf die riesige Ausstellung, die sie bis Oktober in Shanghai zeigten: die Weltausstellung oder auch "Expo". Dort kamen 72 Millionen Besucher - für eine Expo ist das Rekord. Die Chinesen sind auch Weltmeister im Export. Das bedeutet, dass kein Land mehr Güter ins Ausland verkauft als China. Bis vor kurzem war Deutschland noch Export-Weltmeister. Über eine andere Auszeichnung hat sich die chinesische Regierung nicht gefreut: den Friedensnobelpreis. Der geht an den chinesischen Schriftsteller Liu Xiaobo, der mehr Rechte für die Menschen in China verlangt. Wegen seiner Kritik an der Regierung sitzt er im Gefängnis.

TIERE DES JAHRES
1. Kluger Krake. Paul hat acht Arme, aber kein einziges Bein - und wird trotzdem im Sommer zum weltweit beachteten Fußball-Experten. Vor jedem Spiel konnte er zwischen zwei Dosen mit Muschelfleisch wählen. Die waren jeweils mit der Flagge zweier gegnerischer Mannschaften versehen. Paul lag immer richtig - auch die Niederlage der Deutschen gegen Spanien sagte er voraus. Mittlerweile ist Paul an Altersschwäche gestorben, es gibt aber einen Nachfolger: Paul II. lebt in seinem Becken und wird 2012 bei der Europameisterschaft zum Einsatz kommen.
2. Polizei-Ponys. Die Moskauer Polizei ärgert sich über die Autofahrer. Die bleiben nämlich an Zebrastreifen nur selten stehen. Das ist für Fußgänger sehr gefährlich. Damit die Autofahrer endlich mal die Augen aufmachen, will die Polizei ein paar Zebras durch die Stadt führen. Weil sie aber keine hat, lässt sie einige Ponys mit schwarzen und weißen Streifen bemalen.
3. Starker Stier. Bei einem Stierkampf in der spanischen Stadt Tafalla soll Quesero getötet werden, ein 500 Kilogramm schwerer Stier. Doch Quesero ergreift die Flucht, springt über die Absperrung ins Publikum - und jetzt flüchten die Menschen. Geholfen hat es Quesero nicht: Ein Ex-Torero auf der Tribüne tötet ihn mit einem Dolchstoß in den Nacken.

PROTEST DES JAHRES
In Stuttgart soll der Bahnhof abgerissen und unter der Erde neu gebaut werden. Das ist seit langem beschlossen und genehmigt. Aber nun protestieren jede Woche Tausende Bürger: Ihnen ist das zu laut, zu aufwendig und vor allem zu teuer. Die Politiker sind von dem heftigen Protest überrascht - und die Landesregierung von Baden-Württemberg muss Angst haben, im nächsten Jahr nicht wiedergewählt zu werden.

TOP-SPORTLER
1. Thomas Müller, Torschützenkönig der WM und Neuentdeckung des Jahres.
2. Sebastian Vettel, Formel-1-Fahrer. Sagte vor der Saison im Interview mit "Dein SPIEGEL", dass nur der Sieg zählt: "Der Zweite ist der erste Verlierer." Jetzt ist Vettel Weltmeister. Glückwunsch.
3. Magdalena Neuner, Biathletin. Kam von den Olympischen Winterspielen mit fünf Medaillen zurück, darunter zwei goldene.

FLOP-SPORTLER
1. Kevin-Prince Boateng, Fußballer. Trat Michael Ballack krankenhausreif und versaute ihm so die WM.
2. Alberto Contador, Radrennfahrer. Gewann die Tour de France, wurde aber dann nach Doping-Vorwürfen gesperrt.
3. Michael Schumacher, Rennfahrerlegende. Kehrte mit viel Getöse aus dem Ruhestand in die Formel 1 zurück. Fuhr aber den Siegern immer nur hinterher.

ALIENS DES JAHRES
Die "Na'vi": blaue Wesen mit muskulösen Körpern und langen Beinen. Das sind die Hauptfiguren in dem Film "Avatar", der drei Oscars gewann. Um noch mehr Geld zu verdienen, kam in diesem Jahr eine Extraversion von "Avatar" auf den Markt. Ganze acht Minuten länger als das Original - bei einem fast dreistündigen Film ist das nicht viel.

DIE GROSSE FLUT
In Pakistan gibt es im Sommer normalerweise eine kurze Regenzeit - den sogenannten Monsun. Aber in diesem Sommer regnet es dort stärker als sonst. Flüsse treten über die Ufer, Dörfer und Felder werden überschwemmt. Ein Gebiet fast so groß wie Italien steht unter Wasser, Millionen Menschen müssen fliehen. Seitdem leben viele Bewohner Pakistans in Trümmern oder Zelten. So gut wie möglich versuchen sie, sich auf den harten Winter vorzubereiten. Hilfsorganisationen haben Kleidung und Lebensmittel verteilt.

TRÖTE DES JAHRES
Sie klingt wie Elefantengebrüll oder ein verrückt gewordener Bienenschwarm. Während der Fußball-WM in Südafrika ist sie überall zu hören: die Vuvuzela. Die Spieler können kaum noch die Anweisungen ihrer Trainer verstehen, Fernsehzuschauer sind vom Dauerlärm genervt. Am besten kommen die Spanier mit dem Krach zurecht und werden Weltmeister. In deutschen Stadien sind Vuvuzelas verboten - aber wegwerfen muss man sie deshalb nicht. Mit etwas Tannengrün geben sie einen hübschen Weihnachtsschmuck ab.

KUSS DES JAHRES
Millionen Menschen auf der ganzen Welt schauen zu, als die schwedische Kronprinzessin Victoria im Juni ihren Daniel heiratet.

DAS GROSSE BEBEN
12. Januar, Haiti: 35 Sekunden lang wackelt die Erde - das schlimmste Erdbeben in der Geschichte des Landes. Mehr als 220 000 Menschen kommen in den Trümmern ums Leben, eine Million werden obdachlos. Auf der ganzen Welt sieht man die Fotos, wie Mütter ihre Kinder suchen und wie die Menschen in Notunterkünften aus Plastikplanen hausen. Viele Menschen spenden für Haiti, im Sommer machen die ersten Schulen wieder auf, doch jetzt gibt es neue schlechte Nachrichten aus dem Inselstaat: Noch immer gibt es nicht genügend sauberes Trinkwasser, deshalb ist dort eine Seuche ausgebrochen, die Cholera. Daran sind schon mehr als 1600 Menschen gestorben.

DICKKOPF DES JAHRES
Laura Dekker besteigt als 14-Jährige im August ihr Segelboot "Guppy". Damit will sie einmal um die ganze Welt segeln, ganz allein. Die Frage ist nur: Ist das nun mutig, oder ist das einfach nur dumm? Auf jeden Fall hat Laura lange um die Reise kämpfen müssen: Eigentlich wollte sie schon vor einem Jahr los, aber damals hatte ein Gericht das verhindert. Sie war noch zu jung. Laura blieb stur. Im Sommer erlaubte ein anderes Gericht die Fahrt - jetzt kann sie die jüngste Weltumseglerin aller Zeiten werden. Wenn sie heil durchkommt.

DIE GROSSE SAUEREI
Im April kommt es auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko zu einer Explosion. 780 Millionen Liter Öl sprudeln ins Meer, die Ölfirma BP braucht mehr als drei Monate, um das Leck mit Schlamm und Zement zu stopfen. Aber für viele Meerestiere, wie Delfine, Walhaie und Austern, ist das zu spät: Für sie ist Öl pures Gift. Tausende Tiere sterben in dem Schmutzwasser.

DURCHBLICK DES JAHRES
Der Nacktscanner. Seit September werden zwei Körperscanner am Hamburger Flughafen getestet. Die Reisenden gehen durch, heben kurz die Arme und werden mit speziellen Strahlen abgetastet. Das Gerät soll erkennen, ob unter der Kleidung Waffen stecken. Bisher schlagen die Scanner aber auch Alarm, wenn jemand ein Taschentuch in der Hose trägt oder ein Rock zu viele Falten wirft.

TOP-STARS
1. Lady Gaga, Sängerin. Mehr als eine Milliarde Klicks bei YouTube. Modekönigin: Kann alles tragen - und trägt auch alles.
2. Robert Pattinson, Vampirdarsteller. Bei den "MTV Movie Awards" zum weltweiten Superstar gewählt. Mädchenschwarm.
3. Taylor Swift, Sängerin. Hat mehr Grammys gewonnen, als sie tragen kann. Bei der Verleihung fiel ihr einer von vieren aus den Händen.

SKANDAL DES JAHRES
Missbrauch ist ein Thema, über das leider viel zu oft geschwiegen wird. Anfang des Jahres hören viele Opfer auf zu schweigen. Sie erzählen, wie sie als Kind in ihren Schulen missbraucht wurden. Bei einer Schule in Berlin waren katholische Pater die Täter. Und bei einer Schule in Hessen waren es die Lehrer, die über 20 Jahre lang Kinder missbraucht hatten. Für die vielen Priester unter den Tätern hat sich nun auch der Papst bei den Opfern entschuldigt.

FLOP-STARS
1. Pink, Sängerin. Sagt in einem Interview, dass Eltern ihre Kinder ruhig schlagen dürften. Kriegt nächstes Jahr selbst ein Kind. Hoffentlich denkt sie noch mal nach.
2. Mehrzad Marashi, Superstar. Jedenfalls wäre er gern einer, ist nach der "DSDS"-Staffel aber untergegangen.
3. Lindsay Lohan, Schaupielerin. Fuhr betrunken mit dem Auto und wurde von einem Gericht dazu verurteilt, eine Therapie zu machen. Schwänzte die Termine, musste deshalb sogar ins Gefängnis und verlor jetzt die Hauptrolle in einem geplanten Film.

WUNDER DES JAHRES
Dieser Schrei geht um die Welt: "Chi! Chi! Chi! Le! Le! Le! Chile! Chile!", rufen die Bergleute, ihre Retter und ihre Angehörigen. Es ist ein Schrei der Erlösung. Über zwei Monate lang saßen 33 Minenarbeiter in einem Schacht unter der Erde fest, nachdem der Stollen über ihnen zusammengebrochen war. In den ersten Tagen essen die Bergleute nur ein paar Löffel Tunfisch, um Nahrung zu sparen. Dann bekommen sie Essenspakete und Medikamente von oben, bis endlich ein Rettungsschacht zu ihnen gebohrt wird. Millionen Menschen schauen bei der Rettung live zu.

SCHWITZKASTEN DES JAHRES
Im Sommer 2010 gibt es eine Hitzewelle - und ausgerechnet in den modernsten Zügen der Deutschen Bahn klappt die Klimaanlage zusammen. Besonders blöd: Im ICE kann man noch nicht einmal ein Fenster aufmachen. Im Waggon steigt die Temperatur auf rund 50 Grad. Ein Zug muss sogar im Bahnhof stehenbleiben, damit Rettungssanitäter die völlig erschöpften Reisenden betreuen können.

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