14.12.2010

FROHES NEUES JAHR!

Es funkelt, zischt, knallt, böllert und heult: Die Deutschen geben für ihr Silvesterfeuerwerk rund 110 Millionen Euro aus. Hier steht, was eine Silvesterrakete so antreibt.

Die Kracher-Macher

Mehr als zwei Drittel unserer Silvesterraketen werden in China produziert - oft in der Region von Liuyang, in der wohl vor rund 1400 Jahren die ersten Feuerwerkskörper knallten. In Deutschland stellt nur noch eine große Firma Feuerwerk her. Damit bei einem Unfall nicht die ganze Fabrik in die Luft fliegt, sitzen die Arbeiter in abgetrennten Häuschen: Drei Wände sind aus Stahlbeton, die vierte aus dünnem Holz. Bei einer Explosion würde sie weggeschleudert werden. Zum Glück ist seit Jahrzehnten nichts passiert.

Abflug

Nur Erwachsene dürfen Raketen zünden. Erst brennt nur die Zündschnur, dann das Schwarzpulvergemisch im Treibsatz. Heißes Gas zischt durch die Düse nach außen, der Rückstoß lässt die Rakete in den Himmel sausen, meist 80 bis 100 Meter hoch. Dann hat sich das Feuer bis oben zu den Leuchtsternen durchgefressen. Die entzünden sich, fliegen nach draußen, glühen rot, gelb, blau oder grün.

Treibsatz:

Ein Schwarzpulvergemisch, das in die Treiberhülse gepresst ist und nach oben hin verbrennt. In Deutschland dürfen Raketen bis zu 20 Gramm explosives Pulver enthalten.

Pappdeckel:

Hält die Leuchtsterne in Position.

Anzündschnur:

Früher oft aus Seidenpapier gedreht; heute meist eine Kunststoffschnur mit Schwarzpulverkern.

Düse:

Oft aus Ton.

Raketenkörper:

Aus bunter Pappe.

Kupfer

Holzstab:

Wichtig für den Start, aber auch für die Flugbahn. Darf deshalb nicht gekürzt werden.

Raps-Samen

Natrium

Leuchtstern-Füllung: Die leuchtenden Sterne bestehen aus Chemikalien; Natrium funkelt gelb beim Abbrennen, Kupfer blau. Man nimmt einen Raps-Samen, der ist schön rund. Um den herum wird in einer Trommel der Leuchtstoff gerollt - so wie man aus einem Schneeball eine große Kugel rollen kann.

Die Silvester-Trends 2010

Besonders beliebt ist Dauer-Raketenfeuer. Das besteht aus vielen Pappröhrchen, aus denen hintereinander Leuchtkugeln in den Himmel geschossen werden. Seit letztem Silvester dürfen diese Teile ein halbes Kilo Schwarzpulver und Glitzereffekt enthalten. Das sorgt für minutenlanges Gewummer.

Die Knall-Tester

Alle in Deutschland verkauften Raketen müssen von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung getestet werden. Mehr als die Hälfte fällt jährlich durch. Silvesterraketen dürfen nur an den letzten drei Werktagen des Jahres verkauft werden - und nur an Personen über 18 Jahre. Trotzdem sind viele leichtsinnig: Notärzte müssen an Silvester oft Verbrennungen und Augenverletzungen behandeln.

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