14.12.2010

ES GAB NIE SCHUHE IN MEINER GRößE DER GROßE TRAUM

Riese, Millionär, gefeierter Basketballstar - in den USA nennen sie ihn „the german Wunderkind“. Die Kinderreporter SVEN, 13, und LA TISHA, 12, haben DIRK NOWITZKI, 32, beim Training getroffen.
Dein SPIEGEL: Dirk, hast du als Kind jemals Angst gehabt, nicht groß genug für Basketball zu werden?
Dirk Nowitzki: Nein. Ich war schon in der dritten Klasse ein paar Köpfe größer als meine Mitschüler und fast so groß wie meine Lehrer. Das fand ich gar nicht so gut. Außerdem gab es nie Klamotten in meiner Größe und erst recht keine Schuhe. Als ich klein war, habe ich mich sogar von einem Spezialisten untersuchen lassen. Der hat sich meine Handwurzeln angeschaut und prophezeit: Der Junge wird gut und gern 2,07 Meter.
Und: Lag er richtig?
Fast. Es wurden 2,14 Meter.
Beim Basketball ist das ein Vorteil. Wie wird man so groß und stark?
Wollt ihr wirklich so groß werden wie ich? Dann weiß ich nur einen Rat: Hängt euch jeden Tag ein paar Minuten an die Sprossenwand. Und um stark zu werden, müsst ihr eine Menge Bananen essen und literweise Milch trinken.
Wenn das so ist, dann müsstest du das doch genauso machen. Wir haben gehört, du kannst die Finger nicht von Nussecken lassen.
Quarktaschen! Und die genehmige ich mir auch nicht jeden Tag. Was die Zeitungen so schreiben …
Gibt es einen Trick, um so gut wie du zu werden? Aber jetzt sag nicht: viel trainieren.
Mit Spaß bei der Sache sein. Das ist das Wichtigste. Als Nächstes kommt der Wille, sich zu quälen, und dann braucht man natürlich auch noch ein bisschen Talent.
Was, wenn nicht Basketball-Profi, hätte aus dir werden können?
Ein Leben ohne Basketball - ein schrecklicher Gedanke. Malermeister wahrscheinlich. Meine Eltern hatten ein eigenes Geschäft, da musste ich in den Ferien hin und wieder mit anpacken: Tapeten abziehen und streichen - das ist Schwerstarbeit!
Wie hast du Training und Schule unter einen Hut gebracht?
Was die Schule betrifft, bin ich euch weiß Gott kein Vorbild. Es gab eine Zeit, da bin ich an ein und demselben Tag zum Handball-, Basketball- und ins Tennistraining gegangen. Dass ich trotzdem die Schule abgeschlossen habe, verdanke ich wohl dem sanften Druck meiner Eltern. Mein Abi habe ich mit 3,3 gemacht, nicht so berauschend.
Bereust du, dass du nicht mehr gelernt hast?
Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde ich heute eine Fremdsprache mehr sprechen, hätte viel früher angefangen, ein Instrument zu spielen, und viel mehr in der Schule gelernt. Aber was den Sport betrifft, habe ich eine Menge richtig gemacht.
Du bist mit 19 Jahren von deinem Heimatverein DJK Würzburg in die USA gewechselt. In die beste Basketball-Liga der Welt - die NBA. War dir das nicht ein bisschen unheimlich?
Der Anfang war sehr schwer für mich. Ich hatte ja bis dahin immer bei meinen Eltern gelebt: Meine Mutter hat jeden Tag für mich gekocht, ich musste mich nicht um die Rechnungen und den Haushalt kümmern. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich an die neue Umgebung zu gewöhnen.
Die Amerikaner sind große Basketballfans - und du einer ihrer Superstars. Traust du dich ohne Bodyguards auf die Straße?
Sehe ich so aus, als ob ich Leibwächter bräuchte? Ich bin groß genug, um mich ganz allein zu wehren.
Du hast mal geschimpft: "Meine Mannschaft ist nicht intelligent genug, um die Meisterschaft zu gewinnen." Muss ein Basketballspieler denn schlau sein?
Das habe ich nicht gesagt. Niemals!
Ehrlich nicht?
Nein, ich habe damals nur angesprochen, dass wir schlauer spielen sollten und unser Spielverständnis verbessern müssen.
Du bist einer der reichsten deutschen Sportler. Was macht man mit so viel Geld?
Geld war nie der Grund für mich, Basketball zu spielen. Aber es ist angenehm zu wissen, dass ich nach der Karriere nicht mehr arbeiten muss und meine Familie abgesichert ist.
Was machst du sonst, wenn du nicht gerade Basketball spielst?
Ich nutze unter anderem meine freie Zeit, um mich mit meiner Stiftung für benachteiligte Kinder zu engagieren. Außerdem lese ich gern, spiele Gitarre, Saxofon oder auch Tischtennis.
Was war der schönste Moment in deiner Karriere?
Die Olympischen Spiele in Peking 2008. Mit der Fahne in der Hand habe ich meine Nation in das Olympia-Stadion geführt. Das war ein wahnsinniges Gefühl und ein unvergesslicher Moment.
Nur eine Handvoll deutsche Basketballspieler waren gut genug, um es in die NBA zu schaffen. Wenn du mit der deutschen Nationalmannschaft spielst, denkst du dir dann: Mann, seid ihr schlecht?
Nein. Ich habe mit der deutschen Nationalmannschaft tolle Erfolge gefeiert. Der europäische Basketball ist nicht schlechter, nur anders als der in Amerika.
Kannst du dir vorstellen, nach deiner NBA-Karriere wieder in Deutschland zu spielen?
Ich habe dort noch einen Vierjahresvertrag - den werde ich erfüllen. Was danach passiert, weiß ich heute noch nicht. Aber man soll ja niemals nie sagen.
Gibt es Länder, in denen man dich nicht erkennt?
In Malaysia. Dort habe ich gerade zwei Wochen Urlaub gemacht. Das war toll. Die Malaysier spielen Cricket und Badminton. Mit Basketball haben sie absolut gar nichts am Hut.
Das muss für einen NBA-Star die reinste Erholung sein.
Dafür haben mich alle angestarrt, weil ich so groß bin - aber immerhin, erkannt hat mich keiner.

Am 19. Juni 1978 kommt Dirk in Würzburg zur Welt. Mit sechs turnt er, mit acht spielt er Tennis, erst mit zwölf steigt er auf Basketball um. Der dürre, 2,14 Meter lange Junge mit der Schuhgröße 50 wird richtig gut: Spielt Bayern-Auswahl, mit 18 in der Bundesliga, ein Jahr später - 1998 - wechselt er vom DJK Würzburg nach Amerika in die berühmteste Profi-Liga der Welt. 2007 wird Nowitzki als erster Europäer zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt. Sein großes Ziel: mit seinem Verein, den Dallas Mavericks, die US-Meisterschaft gewinnen.

Dein SPIEGEL 1/2011
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