07.12.2016

16.01.2016Die Katzenfrau

Ihr erster Anlauf war 2012 gescheitert, ihr zweiter endet mit einem Triumph: Am 16. Januar wird die Rechtsprofessorin Tsai Ing-wen, 60, zur Präsidentin von Taiwan gewählt. Es gelingt ihr sogar, ihrer Demokratischen Fortschrittspartei zum ersten Mal eine absolute Mehrheit zu sichern.
Das ist eine Zeitenwende in Taiwan, wo seit 1949 die Kuomintang dominierte, die Partei des langjährigen Präsidenten Chiang Kai-shek. Doch die Kuomintang, einst stramm gegen die Kommunisten ausgerichtet, die Chiang und seine Getreuen vom chinesischen Festland vertrieben hatten, ist weich geworden im Umgang mit Peking. Tsais Vorgänger hat das kleine Taiwan wirtschaftlich eng an die große Volksrepublik China gebunden und damit Ängste geschürt, auch Taiwans politische Eigenständigkeit sei in Gefahr.
Pekings Presse macht es Tsai von Anfang an so schwer wie möglich, diese Ängste zu zerstreuen. Ein Kommentator kritisiert sie dafür, dass sie nicht verheiratet – und deshalb "emotional" und "launisch" sei. Tsai überlässt es den sozialen Netzwerken, den Kommentator als Sexisten zu entlarven. Und sie kontert mit der scheinbar schwachen, im Verhältnis zum immer machtbewussteren Peking aber geradezu mutigen Ankündigung, den "Status quo", nämlich Taiwans Eigenständigkeit, zu verteidigen. In Taipeh ist Tsai als "Katzenfrau" bekannt, seit sie ihren Kater Xiang Xiang zum Maskottchen ihrer Wahlkampagne machte. Sie wird Geschmeidigkeit brauchen können.

SPIEGEL Chronik 1/2016
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