12.12.2007

STADTKUNSTArchitekt Ungerer gestoppt

Es ist ein exotisches, außergewöhnliches Kunstprojekt und schon im Planungsstadium ein aufregendes Stadtgespräch im beschaulichen Neckarstädtchen Plochingen. Der ausführende Künstler verspricht ein "Riesen-Pipapo". Hier soll kein stilles Örtchen wachsen, sondern ein "Meisterwerk würdiger Arschitektur" - eine öffentliche Toilette, entworfen vom weltläufigen elsässischen Zeichner Tomi Ungerer. Plochingens aufgeschlossene Stadtväter sind begeistert. Das defäkistische Stadtmöbel, so hoffen sie, könne wahre Touristenströme an den Neckar locken. Schließlich hat sich auch im neuseeländischen Örtchen Kawakawa ein Kunstklo, entworfen von Friedensreich Hundertwasser, als veritables Profitcenter erwiesen. Aber der revolutionäre Tourismus-Reibach geht den Plochingern leider - pardon - am Arsch vorbei. Die üppig gewölbte rosa Kuppel des Tomi-Klosetts gemahnt die örtlichen Muslime allzu sehr an die Rundung einer Moschee, untragbar. Als Ungerer, "ein Mann von erfreulicher geistiger Beweglichkeit" ("Süddeutsche Zeitung"), sein Werk in die Nähe der Ottilienkapelle plazieren will, fühlen sich die Christen auf den Topf gesetzt. Plochingen muss aber nicht ganz auf "neue Wege in der Toilettenarchitektur" verzichten, nun ziert ein modifiziertes Örtchen die kregle Gemeinde. Der "größte Arsch der Welt" soll künftig das Ungerer-Museum in Straßburg zieren.

SPIEGEL Chronik 54/2007
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