AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 26/2017

Trumps "Alt Right"-Bewegung Amerikas gefährliche Manipulatoren

Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, erblüht in den USA die rechtsradikale "Alt Right"-Bewegung. Hier sammeln sich Chauvinisten, Internettrolle, Islamhasser, Rassisten, Neonazis - und der Präsident selbst. Wer sind ihre Anführer?

Milo Yiannopoulos: "Der Troll lockt sein Opfer in eine Falle"
Robert Gallagher/DER SPIEGEL

Milo Yiannopoulos: "Der Troll lockt sein Opfer in eine Falle"

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Natürlich wohnt er in einem Trump-Hotel, allein schon wegen der Botschaft. In seinem Zimmer im 35. Stock des New Yorker Trump Soho sitzt Milo Yiannopoulos vor einem Laptop und hackt letzte Korrekturen in seine Rede.

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Heft 26/2017
Das vergiftete Erbe des Helmut Kohl

Es ist ein Freitagvormittag Ende Mai, ein paar Tage nachdem ein islamistischer Attentäter 22 Besucher beim Konzert von Ariana Grande in Manchester getötet hat. In zwei Stunden wird Yiannopoulos vor dem Gebäude der New Yorker City University in der 42nd Street eine seiner inzwischen berühmten Hassreden halten.

Ziel seines Spotts soll diesmal eine Muslimin namens Linda Sarsour sein.

Yiannopoulos kannte die Frau bis vor Kurzem nicht, aber er hat erfahren, dass Sarsour in der folgenden Woche bei der Abschlussfeier der Universität die Festrednerin sein soll. Eine krude Koalition aus orthodoxen Zionisten, Anti-Islam-Aktivisten und Trump-Fans hat zu einer Protestkundgebung gegen das Engagement von Sarsour aufgerufen.

Und Yiannopoulos, der im Februar wegen angeblich pädophiler Aussagen seinen Job bei dem rechtsradikalen Nachrichtenportal Breitbart verloren hat, will endlich zurück ins Rampenlicht.

Dann eben eine Hassrede auf eine Frau, die ihm bis eben noch vollkommen egal war.

Draußen regnet es in Strömen. Aus dem Fenster im 35. Stock ist Manhattan schon nicht mehr zu sehen. Die neuen Veloursleder-Stiefeletten von Gucci werden danach ruiniert sein.

Yiannopoulos hat seinen Stylisten Sebastian mitgebracht, der zwei Koffer mit Outfits sowie diverse Gucci-Tüten in das Hotelzimmer geschleppt hat. Die Kleidung liegt nun im Zimmer verstreut, man muss aufpassen, nicht auf eine der Louis-Vuitton-Brillen zu treten.

"Kein Problem", sagt Yiannopoulos, "die sind ohnehin aus der letzten Saison."

Außerdem an diesem Morgen mit im Hotelzimmer: die Redenschreiber und Berater Chadwick Moore und Matthew Perdie, die hinter Yiannopoulos auf und ab gehen und Vorschläge für die Rede machen. Gerade haben sie herausgefunden, dass Sarsour, der Nachname der muslimischen Rednerin, auf Arabisch wohl Kakerlake heißt. Großes Gelächter. Damit lässt sich doch arbeiten, findet Yiannopoulos.

Im Bett, zugedeckt mit einer Decke, liegt ein junger Mann und liest das Buch "Plant Paradox", das davon handelt, dass gesundes Essen Fake News ist und in Wirklichkeit ungesund.

Nahe der Tür lehnt, die tätowierten Unterarme vor der Brust verschränkt, Xavier, der 14 Jahre lang für die U.S. Marines im Irak und in Afghanistan war. Um sein Handgelenk trägt er die Marke eines im Irak getöteten Kameraden. Yiannopoulos trägt Perlenketten am Unterarm.

Xavier gehöre zu seinem Securityteam, sagt Yiannopoulos. Zumindest noch so lange, bis die Trump-Regierung ihn ausweise. Yiannopoulos spielt damit auf den mexikanischen Vornamen des Bodyguards an. Alle außer Xavier lachen.

Von dieser Art Witz macht Yiannopoulos viele, und in diesem Geiste schreibt er nun auch an seiner Rede für die Protestkundgebung weiter. Gut gelaunt tippt Yiannopoulos in seinen Laptop: "Wir sind uns alle einig, dass Linda eine die Scharia liebende, Terroristen unterstützende, Juden hassende tickende Zeitbombe des linksliberalen Horrors ist. Ich nenne sie übrigens bei ihrem Vornamen Linda", Yiannopoulos macht eine kurze Pause und blickt vielsagend zu seinen Redenschreibern, "denn ihr Nachname Sarsour ist arabisch für Kakerlake, und jeder hier weiß, wie sehr ich es hasse, respektlos zu sein."

Freude im Hotelzimmer. Yiannopoulos ruft: "Solche Sachen fallen mir immer erst zwei Stunden vorher ein!"

In diesem Moment ist es im 35. Stock des Trump-Hotels gar nicht so leicht vorstellbar, dass dieser gut aufgelegte, blendend aussehende, teuer angezogene 33-jährige Mann, Mutter Deutsche, Vater Grieche, aufgewachsen in der Grafschaft Kent, einer der gefährlichsten rechtsradikalen Hetzer des Landes sein soll.

Andererseits ist das ja häufig so mit den Hetzern. Besonders scheint das zuzutreffen auf die Vertreter jener neuen Bewegung, die in den USA seit einiger Zeit "Alt Right" genannt und seit der Wahl Donald Trumps immer stärker wird. Alt wie in alternativ, manche sagen auch New Right oder Cool Right. Eine coole Rechtsbewegung?

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs waren rechte Bewegungen vieles, aber nie cool. Es gab Alt- und Neonazis, Spießer der NPD, dumpfe Skinheads, aber es gab nie eine breitere rechtsradikale Gegenkultur. Coole Protestbewegungen waren immer links.

Alt Right ist keine genaue politische Verortung, sondern ein Verlegenheitsbegriff. Hinter ihm verbergen sich Gegner der linken Political-Correctness-Kultur, Trump-Fanatiker, Chauvinisten, Trolle in sozialen Medien, Islamhasser, Einwanderungsgegner, Rassisten, Neonazis. Gemein haben alle, dass sie sich eher in Onlinechats als in Parteien zu Hause fühlen. Bizarrerweise lässt sich der amtierende Präsident der USA auch zu dieser Bewegung zählen.

Sie versucht, sich von der traditionell konservativen, reaktionären oder faschistischen Rechtsbewegung abzusetzen. Alt Right ist oft jung, modern oder gar hip, in der Pop- und Konsumkultur verankert und groß vertreten auf Twitter und Instagram. Auch wäre es falsch zu sagen, Alt Right bestehe aus Abgehängten oder Frustrierten, wie es von Trump-Wählern gern behauptet wird.

Milo Yiannopoulos zum Beispiel ist ein schwuler Engländer, der mit einem Afroamerikaner in Miami lebt. Er sagt, er habe seinem Lebensgefährten gerade einen Elektrosportwagen von Tesla geschenkt, das Statussymbol der linksliberalen Elite. In Miami hat Yiannopoulos kürzlich Milo Inc. ins Leben gerufen, das ein rechtes Medienimperium werden soll mit Buchverlag, YouTube-Kanälen, Nachrichten-Websites und Veranstaltungen. Yiannopoulos sagt, er habe innerhalb eines Monats zwölf Millionen Dollar Startkapital von konservativen Investoren eingesammelt.

Das klingt unglaublich. Manche in der Alt-Right-Szene zweifeln diese Summe an. Andererseits soll Yiannopoulos schon immer das Lieblingskind von Robert Mercer gewesen sein, einem Informatiker, Hedgefonds-Manager und Milliardär, der als das geheime Mastermind hinter der Trump-Präsidentschaft gilt. Mercer, der abseits der Öffentlichkeit lebt, hat nicht nur zehn Millionen Dollar in Breitbart investiert, sondern auch die Datenanalysefirma Cambridge Analytica finanziert, die für Trump Wählerprofile durchleuchtet und schon früh gewusst hat, dass Clinton die Wahl nicht gewinnen würde. Und Mercer soll es auch gewesen sein, der vergangenen Sommer Yiannopoulos' skandalöse Auftritte an Universitäten bezahlt hat. Yiannopoulos selbst äußert sich nicht zu seinen Investoren, aber es gilt als wahrscheinlich, dass von Mercer auch ein Großteil des Geldes für Milo Inc. kommt.

Denn die Sehnsucht nach einer neuen, starken Plattform für Alt Right ist groß. Die bisher wirksamsten Lautsprecher der Rechten schwächeln, die Website Breitbart und der Nachrichtensender Fox News.

Bis vorigen Februar hat Yiannopoulos selbst noch bei Breitbart gearbeitet. Die rechte Website, einst geführt vom Trump-Berater Stephen Bannon, hatte einen großen Anteil daran, dass Trump Präsident werden konnte. Sie war bis vor Kurzem das Zentrum der Alt-Right-Bewegung. Doch Breitbart hat an Gewicht verloren, seit Bannon in die Trump-Mannschaft gewechselt ist. Und Fox News ist in eine Identitätskrise gestürzt, nachdem erst sein Gründer Roger Ailes und nun der Chefkommentator Bill O'Reilly gehen mussten, beide wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung. Es gibt also gerade viel Raum für ein neues multimediales Alt-Right-Netzwerk.

Was Milo Yiannopoulos mit Trump und den anderen in der Alt-Right-Welt verbindet, ist die Überzeugung, dass die führenden Medien des Landes - "New York Times", "Washington Post", CNN, NBC - voreingenommen auf der linken Seite stehen und gemeinsam mit den akademischen Institutionen daran arbeiten, die amerikanische Gesellschaft in eine Diktatur des guten Geschmacks und der Minderheitenrechte umzubauen.

Die Verstrickung in diesen vermeintlich asymmetrischen Kampf, in dem die Rechte von vornherein benachteiligt ist, dient als Rechtfertigung für ihre schrillen Auftritte. Auch dies ist ein urrechter, aber auch uramerikanischer Topos: aus der Position des einzelnen Underdogs das System zu attackieren und das Land zurückzuerobern.

Donald Trump sei für diese Rückeroberung kein perfektes Vehikel, aber das einzige, das zur Verfügung gestanden habe, sagt Yiannopoulos. Und so ist Trump auch der Präsident der Alt-Right-Bewegung. So zumindest habe es Stephen Bannon ihm erklärt. Yiannopoulos sagt, Bannon sei der intelligenteste Mensch, dem er je begegnet sei.

Alt Right hat alles, was eine Bewegung braucht: ihre eigene Bezugswelt, die vor allem im Internet inszeniert wird, eigene Symbole, Mythen, Märtyrer, Geschichten und sogar ein eigenes Vokabular. Es ist die erste Protestbewegung, die die Möglichkeiten des Digitalen voll ausnutzt und ohne das Internet nicht denkbar wäre. "Internet Trolling" ist eine ihrer bevorzugten Techniken. Es bedeutet, den politischen Gegner auf Websites so lange zu beleidigen und zu provozieren, bis dieser die Contenance verliert.

Mike Cernovich: "Wir stehen am Anfang der nächsten Stufe des Informationskriegs. Er ist das Einzige, was noch zählt"
Robert Gallagher/DER SPIEGEL

Mike Cernovich: "Wir stehen am Anfang der nächsten Stufe des Informationskriegs. Er ist das Einzige, was noch zählt"

Auch deshalb sind einige der Alt-Right-Protagonisten in der Schattenwelt des Internets Riesenstars, in der herkömmlichen Öffentlichkeit allerdings ziemlich unbekannt - oder hat schon einmal jemand von Mike Cernovich gehört?

Nein? Aber Mike Cernovichs Tweets werden monatlich mehr als hundert Millionen Mal gelesen. Während des Wahlkampfs hat er aus seinem Reihenhaus in einem Vorort von Los Angeles die Gerüchte über Hillary Clintons angeblich vertuschte Nervenkrankheit quasi im Alleingang verbreitet.

Oder Dave Rubin, in dessen Internettalkshow alle Stimmen der Alt Right in einem pseudoseriösen Setting zu Wort kommen; Gavin McInnes, der vor 20 Jahren das linke "Vice Magazine" gegründet hat und als Vater der Hipsterbewegung gilt, aber heute mit seinen "Proud Boys" für die "westliche chauvinistische Zivilisation" und gegen Muslime, Feministinnen und Transsexuelle antritt. Bis hin zu dem Schriftsteller Bret Easton Ellis, Autor von Klassikern wie "Unter Null" und "American Psycho", der inzwischen glaubt, in seinen Podcasts die Kunst- und Redefreiheit wütend gegen eine Opferkultur linksliberaler Political-Correctness-Jünger verteidigen zu müssen.

Drei dieser fünf Männer sind schwul. Sie führen moderne, aus dem Geist der Achtundsechziger gegründete Existenzen, die nur in einer liberalen, permissiven Gesellschaft möglich sind. Warum wollen sie diese dann zerstören?

Mike Cernovich sagt: Wir stehen am Anfang der nächsten Stufe eines Informationskriegs. Herkömmliche politische Auseinandersetzungen - im Parlament, in der bürgerlichen Presse - haben ihre Bedeutung verloren. Das Einzige, was jetzt noch zählt, ist der Informationskrieg. Siegreich zu sein bedeutet zu wissen, wie man die Alt-Right-Themen mit ein paar richtigen Handgriffen im Internet mitten in die Echokammer des Politikdiskurses rammen kann.

"Krieg führen" bedeutet für Cernovich: twittern. Es bedeutet, Videos auf Periscope und YouTube zu senden und so in möglichst vielen Zusammenhängen aufzutauchen. Wenige Leute hätten das bisher begriffen, sagt Cernovich. Milo sei einer, er der andere. Aber man täte sie als Trolle ab.

"Der ideale Troll", schreibt Yiannopoulos in seinem bald erscheinenden Buch "Dangerous", "lockt sein Opfer in eine Falle, aus der es ohne öffentliche Bloßstellung keinen Ausweg gibt. Es ist eine Kunst jenseits des Fassungsvermögens von Normalsterblichen. Es ist teils Trickserei, teils Boshaftigkeit."

Mike Cernovich führt seinen Informationskrieg aus einem voll gestellten Arbeitszimmer seines kleinen Hauses irgendwo in einer Siedlung südlich von Los Angeles, in der die Häuser den identischen Grundriss haben und die Dächer mit blau glasierten Ziegeln gedeckt sind. Aus dem Garten kann man über grüne Hügel hinweg in der gleißenden Sonne den Pazifik sehen. Die Orte, von denen aus das Internet mit Desinformation geflutet wird, stellt man sich eigentlich anders vor. "Niemand prügelt die Narrative durch wie ich", sagt Cernovich und öffnet seinen Laptop.

Er ruft die Seite Twitter Analytics auf. Für den Account Mike Cernovich steht dort: 118 Millionen Aufrufe innerhalb der letzten 28 Tage. "Ich bin vielleicht nicht einflussreicher als die ,New York Times'", sagt er, "aber ich bin einflussreicher als jeder einzelne Schreiber der 'New York Times'."

Mike Cernovich ist Ende dreißig und eigentlich Rechtsanwalt, allerdings hat er nie als solcher gearbeitet. Im Jurastudium hat er seine erste Frau kennengelernt, sie machte Karriere als Anwältin für Silicon-Valley-Firmen, er verbrachte seine Zeit in Bars und Fitnessstudios. Die Ehe hat das nicht ausgehalten. Cernovich glaubt, sie sei einem dem Feminismus geschuldeten Karrierebewusstsein seiner Frau zum Opfer gefallen. Doch bei der Scheidung hat er einen siebenstelligen Betrag von ihr erhalten, weil sie durch einen Start-up-Börsengang reich geworden war.

Cernovich hat danach relativ misogyne Ratgeberbücher für Männer geschrieben. Wie man den Gorilla in sich weckt, wie man Ängste überwindet sowie seelisch und körperlich stark wird und endlich die Frauen ins Bett bekommt.

In seinem Arbeitszimmer, vor sich auf einem Podest, hat Cernovich eine kleine, an das Handy angeschlossene Kamera aufgestellt, er will gleich sein tägliches Videoblog senden. Doch es ist ein komplizierter Tag für ihn, ein komplizierter Tag für das Verhältnis zwischen der Alt-Right-Welt und ihrem Präsidenten. Donald Trump hat am Abend zuvor einen Flugplatz des syrischen Diktators Assad mit Raketen beschossen. Alt Right ist deswegen in Aufruhr. Das ist genau jene "globalistische und interventionalistische Außenpolitik", für die Cernovich Hillary Clinton nun monatelang getrollt hatte. Er überlegt, wie er in seinem Videoblog die Fakten so drehen kann, dass alles doch wieder Sinn ergibt.

Vielleicht ist der jüdische Schwiegersohn Jared Kushner schuld, sinniert Cernovich. Er habe Stephen Bannon gekillt, sagt er, das Alt-Right-U-Boot im Weißen Haus, so könnte es gewesen sein. Kushner sei auch "nur so eine Basic Bitch". Cernovich benutzt den Ausdruck "Basic Bitch" für die meisten Frauen und für besonders verachtenswerte Männer.

Dann geht er auf Sendung, gleichzeitig über YouTube und Periscope, das eine Art Twitter für Videobotschaften ist. Jeder seiner rund 74.000 Periscope-Follower bekommt nun eine Nachricht auf sein Handy: "Mike Cernovich is live: The Real Story on Jared Kushner".

Sie sehen einen Mann vor einer kotzgrünen Tapete. Cernovich hat die obersten drei Knöpfe seines Hemds geöffnet und zeigt sein Brusthaar. Obwohl er durch die Zähne lispelt und durch die Nase spricht, kann er ein mitreißender Redner sein.

Innerhalb der ersten 20 Sekunden schalten sich 984 Zuschauer zu, nach einer Minute sind es 2593, am Ende 35.979. Die Zuschauer kommentieren Cernovichs Ansprache in Echtzeit in unzähligen kurzen Textbotschaften, die über den Bildschirm laufen: @CrackAman schreibt: "Who are we fighting today, Mike?"

Tag für Tag hat Cernovich gelernt, wie man künstliche Onlinelawinen kreiert und so den etablierten Medien Bedeutung vorgaukelt. Irgendwann wird eine Nachrichten-Website seine Story aufgreifen, nur weil sie in allen Ecken des Internets auftaucht. Dann springt meist einer der Newssender auf, und manchmal schafft es Cernovich mit dem von ihm losgetretenen Zeugs sogar bis in die "New York Times" oder "Washington Post".

Als er während des Wahlkampfs die Idee verfolgte, dass Hillary Clinton an einer schweren neurologischen Erkrankung leide, die die seriöse Presse zu vertuschen suche, dachte er sich immer wieder neue sogenannte Memes aus. Memes sind lustige oder makabre Symbolbilder für eine bestimmte Aussage, die sich in sozialen Netzwerken viral verbreiten. Sie haben die Kraft, eine ganze Geschichte, einen ganzen Assoziationszusammenhang auf Anhieb zu vermitteln. Ein klassisches Meme war zum Beispiel "#HillaryZombie": eine kleine Fotomontage, auf der Hillary Clinton aussah wie eine Untote, wie jemand, der sich weigert, politisch zu verschwinden. Während des Wahlkampfs wurde es millionenfach getweetet.

Als Clinton vor der Wahl bei einer Gedenkveranstaltung wirklich kurz taumelte, hatte Cernovich mit seinen Memes den Boden so lange bearbeitet, dass ihr Taumeln nicht mehr wie ein singuläres Ereignis aussah, sondern wie der Endpunkt einer langen Kette.

Das berühmteste Meme der Alt-Right-Bewegung ist übrigens das Bild eines pervers ausschauenden grünen Froschs. Er heißt Pepe. Manchmal taucht er mit Donald-Trump-Frisur auf, manchmal mit "Make America Great Again"-Kappe oder in Nazi-Uniform.

Cernovich muss seine Übertragung an diesem Tag früher abbrechen, unten schreit seine fünf Monate alte Tochter Cyra. Cernovichs zweite Frau ist persischer Abstammung, seine Schwiegereltern sind Muslime, sie leben in einem Haus mit Swimmingpool um die Ecke. Cernovich scheint ein guter und liebevoller Vater zu sein und sagt, wenn "Cyra keine Basic Bitch wird", würden sie sicher gut klarkommen. Seine Frau scheint zu hoffen, dass die Dinge, die ihr Mann öffentlich sagt, nicht mehr als eine Karrierestrategie sind.

Aber kann man davon leben? Cernovich behauptet, er verdiene sein Geld durch den Verkauf seiner Bücher. "Gorilla Mindset", sein Selbsthilfebuch für Männer mit Selbstbewusstseinsproblemen, steht bei Amazon ungefähr auf Platz 5000. Vielleicht lebt er auch von dem Scheidungsgeld seiner Exfrau, das wäre weniger Gorilla-Mindset-mäßig.

Natürlich ist Cernovich auch auf Patreon zu finden. Patreon ist eine Website, mit der die Stars der Alt-Right Bewegung zunehmend Geld machen, eine Art Spotify für Alt-Right-Inhalte. Als "Patron" kann man auf Patreon für einen bestimmten Betrag bestimmte Inhalte eines Künstlers, Journalisten oder Comedians abonnieren.

Wer für Cernovichs "High Impact Journalism", wie es auf der Patreon-Seite heißt, 15 Dollar spendet, bekommt neben seinen Videoblogs "exklusive Live-Chats" mit ihm oder "Mitgliedern meines Media-Teams", das offenbar aus seiner Frau und seiner Tochter besteht. Im Moment hat Cernovich auf Patreon 316 Patrons. Er verdient damit monatlich 5700 Dollar.

Neulich hat sogar der Präsidentensohn Donald Jr auf Twitter Cernovich als wahren investigativen Journalisten gefeiert. Als Cernovich eine ehemalige Obama-Sicherheitsberaterin völlig unbegründet des Geheimnisverrats anklagte, tweetete der Präsidentensohn über Cernovich: "In einer längst vergangenen Zeit des unvoreingenommenen Journalismus würde er den Pulitzer gewinnen, aber nicht heutzutage!"

In der Simulation von seriösem Journalismus, in dem Vorspiegeln von Reichweite, in der Behauptung von Einfluss sind die Alt-Right-Aktivisten Meister. Es ist die Geste des Hofnarren, der dem Philosophen das Buch der Weisheit entreißt und damit wegrennt. Jemand wie Cernovich, der unter dem Hashtag #Pizzagate davon geredet hat, dass die Clintons einen Kinderprostitutionsring aus einer Washingtoner Pizzeria heraus leiten, hat den Vorwurf von Fake News einfach umgedreht, sekundiert vom Weißen Haus, vom Präsidenten selbst.

Der wiederum bezieht Teile seiner Weltsicht aus den Postillen der Alt Right. Reporter der "New York Times" berichteten jüngst, auf Trumps Schreibtisch habe ein Ausdruck eines Artikels von "GotNews" gelegen, der Website des rechtsradikalen Internet-Trolls Charles Johnson.

Cernovich ist in letzter Zeit häufiger nach Washington gefahren, zu den Pressekonferenzen im Weißen Haus. Er gehört ja jetzt dazu.

Dave Rubin: "Ich bin ein Linksliberaler, der nur im Moment ein paar Probleme mit seinen Gesinnungsgenossen hat"
Robert Gallagher/DER SPIEGEL

Dave Rubin: "Ich bin ein Linksliberaler, der nur im Moment ein paar Probleme mit seinen Gesinnungsgenossen hat"

Dave Rubin ist der größte Illusionist der Alt-Right-Szene. Rubin hat die perfekten Gesichtszüge und den Blick eines Nachrichtensprechers, er bezeichnet sich selbst als Linksliberalen, der nur im Moment ein paar Probleme mit seinen Gesinnungsgenossen habe.

Von außen sieht sein Leben wie das eines Vorzeigeprogressiven aus: ein modernistischer Bungalow aus Waschbeton, Glas und skandinavischem Holz, innen malt eine befreundete Künstlerin auf einer großen Leinwand ein "Work in Progress", im Flur gerahmte Cover des linksliberalen Hausblatts "The New Yorker". Hier lebt Dave Rubin mit seinem Ehemann David, der an einer italienischen Kaffeemaschine Kaffee zubereitet. Und von hier, aus einem Studio in der ausgebauten Doppelgarage gleich neben dem Wohntrakt, streamt Rubin seinen Rubin Report, in dem er, vermeintlich offen und interessiert, anderen Alt-Right-Figuren in Form von Suggestivfragen Vorlagen auflegt.

An diesem Tag sind zwei Muslime zu Gast. Er interessiere sich sehr für ihren Blick auf Trump, sagt Rubin, gerade jetzt nach dem gescheiterten Einreisestopp für Menschen aus muslimischen Ländern.

Doch in der Sendung stellt sich schnell heraus: Die Ägypterin Yasmine Mohammed und der Iraker Faisal Said al-Mutar sind Exmuslime, sie verabscheuen den Islam.

Und während das ganze Setting suggeriert, dass hier eine normale Talkshow stattfinde, lässt Rubin sich von Yasmine Mohammed erklären, wie schlimm der Islam sei, und zwar von ihr als Betroffener, die gegen ihren Willen "mit al-Qaida verheiratet war", wie sie sagt.

Der Iraker Mutar genießt es sichtlich, dass die üblichen Grenzen politischer Korrektheit ausgesetzt sind und er mit seiner Nummer als Islamhasser im rechten Amerika so prima ankommt.

Wie Cernovich ist auch Rubins Talkshow über die Website Patreon zu abonnieren. Rubin verdient hier 28.070 Dollar im Monat, er hat 4374 Sponsoren.

Am Abend moderiert er noch eine Veranstaltung an der University of Southern California in Los Angeles. Eingeladen haben die rechte Studentenorganisation "Young Americans for Liberty" und das "Ayn Rand Institute", ein konservativer Thinktank. Der Campus der University of Southern California ist eine Oase mitten in Los Angeles, er strahlt Wohlstand, Bildung und Kultur aus. Den Zorn der wütenden weißen Unterschicht wähnt man weit weg. Doch die Aula ist bis auf den letzten Platz gefüllt, zwei bewaffnete Sicherheitsmänner haben Position bezogen.

Das verbindende Element im Saal ist eine verschworene Scheinheiligkeit; Rubin, der Moderator, sagt: "Es heißt, das hier sei ein Alt-Right-Treffen oder eins von Rassisten. Dafür ist es hier allerdings ziemlich ethnisch vielfältig, finde ich."

Auf dem Podium unterhält sich Rubin mit Colin Moriarty, einem ehemaligen Moderator einer Online-Game-Community. Der Mann ist dadurch zu Ruhm gekommen, dass er am Weltfrauentag auf Twitter schrieb: "Ah. Peace and Quiet. #ADayWithoutAWoman."

Er musste daraufhin die Firma verlassen, die er mit drei Freunden selbst gegründet hatte, das machte ihn zum Märtyrer und Helden des Antifeminismusflügels der Alt Right. Heute unterhält er einen Videoblog, in dem er nicht mehr über Computerspiele, sondern über Politik und Geschichte referiert. Sein monatlicher Patreon-Stand: 32.428 Dollar.

Die Onlinecomputerspielszene ist ein wichtiger Bezugspunkt für Alt Right. Hier begann vor drei Jahren, lange vor dem Aufstieg Trumps, im Kleinen jener Kulturkrieg, bekannt als "Gamergate", den Alt Right heute im Großen führt: Es war, etwas vereinfacht gesagt, der Aufstand des blassen, pickligen Computerspielers, der sich vor allem für Titten und Knarren interessiert, gegen eine steigende Anzahl von Frauen in der Spielewelt wie überhaupt gegen ein wachsendes Maß an Vielfalt. Weibliche Programmierer wurden getrollt und gejagt, irgendwann ermittelte das FBI. Viele der Kanäle und Memes, die heute auch Alt Right nutzt, wurden damals etabliert, auch das Vokabular, wie zum Beispiel "Social Justice Warrior" als abfälliger Ausdruck für linke Aktivisten.

Dieser ganze Hintergrund schwang in Moriartys Tweet mit. Aber Moriarty tut, als gäbe es diesen Zusammenhang nicht, und gibt sich unschuldig in der Rolle des Kämpfers für die freie Rede: Man wird ja wohl noch mal einen Witz machen dürfen.

Später, als die Runde für Fragen geöffnet wird, stehen harmlos aussehende Studenten hinter den Mikrofonen und nennen sie alle, die Codes der Alt-Right-Bewegung. Sie reden von Pepe, dem Frosch, und auch Kekistan, einem fiktiven protofaschistischen Land, es geht um die "Cucks" in den klassischen Medien und all die "Betamänner" (das Gegenteil von Alphamännern) unter den Linken. Auf einmal wird es ein bisschen zum Fürchten.

Xavier, der Exmarine, sagt nun, dass im Trump Hotel Soho in New York unten vor dem Hotel zwei Chevrolet Suburban auf Yiannopoulos warten. Die Route sei militärisch ausbaldowert, sie wären so weit für den Transport in die 42nd Street, die Kräfte vor Ort stünden bereit. Denn trotz des Regens seien doch ein paar Hundert Gegendemonstranten da. Yiannopoulos wertet das als gute Nachricht.

"Wenn ich nicht überall mit einem Haufen fucking Navy-Seals auftauche, bringen die mich um", sagt er. Xavier sagt, er sei ein Marine und kein Navy-Seal.

"Milo", die Marke, ist darauf gegründet, die Empörung des linksliberalen Justemilieu zu triggern, wie man heute sagt, also auszulösen. Das ist das Geschäftsmodell. Twitter hat Yiannopoulos lebenslang von der Plattform verbannt, nachdem er dort die schwarze Schauspielerin Leslie Jones belästigt hatte, bis sie kurz vorm Nervenzusammenbruch stand.

Wenn man Yiannopoulos später, in einer ruhigen Minute, fragt, ob er all das nicht gerade nur wegen der zu erwartenden Ausschreitungen veranstalte, dass ja ohne diese Proteste seine Auftritte irgendwie auch belanglos bleiben würden, wird er böse.

Man könne sich als bequemer Reporter wohl schlecht vorstellen, wie es sich anfühle, wenn die eigene körperliche Unversehrtheit ständig bedroht ist: "Auf Besucher meiner Veranstaltungen wurde schon geschossen!"

Er klettert dann in einen Geländewagen. Zwei dieser schwarzen Fahrzeuge, die aussehen wie Panzer, folgen ihm. "Wir fahren da vor wie Al Gore bei einem Klimagipfel", sagt Yiannopoulos und freut sich über den Witz.

Bisher hatte Yiannopoulos seine politische Gesinnung aus einer quasi popkulturellen Argumentation abgeleitet: Wenn das linke Establishment in der westlichen Welt den Ton angab, war es plötzlich subversiv und damit cool, rechts zu sein, so, wie es in den Sechzigerjahren cool war, links zu sein. In seinem Buch "Dangerous", das nun am 4. Juli in seinem neu gegründeten Milo Inc. Verlag erscheinen wird, schreibt er über die Prägungen seiner Jugend: "Ich habe meine Jugend in Nachtklubs voller Drogen in London verbracht, habe meine Unschuld in einem ethnisch gemischten Fünfer mit Dragqueens verloren, ich habe mit jeder kaputten Spielart des Eskapismus experimentiert ... Ich habe Musiktheorie studiert, Schopenhauer und Wittgenstein, Margaret-Thatcher-Biografien gelesen, mit den Gewehren meines Vaters geschossen und davon geträumt, George W. Bush einmal zu treffen."

Das Buch, obwohl bisher nur vorbestellbar, ist Anfang Juni in den USA bei Amazon schon auf Platz eins.

Im vergangenen Sommer ist er mit seinem Provokationsbaukasten an einer Reihe von Eliteuniversitäten aufgetreten, im Maschinenraum der liberalen amerikanischen Kultur. Jedes Mal zog er wütende, schreiende Gegendemonstranten an, fast immer kam es zu Ausschreitungen, einmal wurde tatsächlich geschossen. In einer Welt, die sich über Bilder auf den sozialen Netzwerken definiert, war Yiannopoulos jedes Mal Sieger. Das Opfer eines wütenden Mobs, dem das Recht der freien Meinungsäußerung genommen werden sollte. Er konnte jedes Mal Foul schreien.

Das ist nun leider auch das Problem an der heutigen Kundgebung. Yiannopoulos hat herausgefunden, dass ihr Ziel darin besteht zu verhindern, dass Frau Sarsour ihre Festrede halten darf. Aber das ist ja nun dummerweise genau das, worüber er sich in seinem Fall stets beschwert. Er muss diesen Widerspruch noch irgendwie in seiner Rede auflösen.

Yiannopoulos setzt sich während der Fahrt wieder an das Manuskript.

Er fügt ein, er sei gegen Frau Sarsour, aber er habe nichts dagegen, wenn sie an der Universität spräche, im Gegenteil, er würde sie sogar dafür bezahlen, denn ihre Dummheit amüsiere ihn, er zahle ihr 1000 Dollar oder - Yiannopoulos lacht schon wieder - wie viele Ziegen das auch immer in ihrer Währung seien.

Auf dem Handy guckt er einen Stream der Protestkundgebung. Sein Vorredner spricht schon. Die Gegendemonstranten pfeifen und schreien.

"Wenn die wegen eines Typen, von dem ich noch nie gehört habe, schon so einen Aufstand machen, dann mache ich mir keine Sorgen", sagt er.

Der Ex-Marine schlägt eine schusssichere Weste vor. Yiannopoulos überlegt kurz, dann lehnt er ab. Besser nicht, ruiniert das Outfit. Eine Flasche gekühlten Chardonnays wird ihm gereicht, Yiannopoulos trinkt sie zur Hälfte in großen Schlucken aus.

Am Kundgebungsort spannt Yiannopoulos seinen Trump-Hotel-Regenschirm auf und schreitet mit seiner Entourage aus Stylisten und Beratern, flankiert von drei Ex-Navy-Seals, die in Wirklichkeit Ex-Marines sind, zu einer kleinen Bühne.

Zufrieden blickt er von ihr herunter auf seine Gegner in schwarzen Kapuzenpullis, die hinter einer Polizeiabsperrung stehen und wüten und schreien. Wie Hunde in einem Zwinger, findet Yiannopoulos, als würden sie sich jeden Moment auf ihn stürzen wollen. Unmittelbar vor ihm, durch eine weitere Absperrung getrennt, seine Fans. Manche von ihnen tragen Motorradhelme, Schutzschilde und Stöcke.

Auch der "Based Stickman" ist gekommen, ein inzwischen fast mythischer Warrior der Alt-Right-Welt. Er ist berühmt dafür, in einer Art Rüstung und mit einem großen Knüppel auf Demonstrationen aufzutauchen. Jeder hier kennt das Video, in dem der Based Stickman zu sehen ist, wie er ein paar Wochen zuvor an der Universität Berkeley seinen Knüppel auf dem Kopf eines Antifa-Demonstranten zertrümmert.

Während sich die Gewalt von Alt Right in den ersten Jahren vor allem auf Internet-Trolling beschränkte, sieht es nun so aus, als seien die Trolle dem Netz entstiegen und stünden hier mitten in Manhattan auf der 42nd Street mit ihren hässlichen Fratzen und USA-Flaggen, mit ihren Helmen und Rüstungen.

Und Milo Yiannopoulos' Rede? Da steht er hinter dem Podium mit seinem Trump-Schirm. Man kann kein einziges Wort verstehen. All die sorgsam im Hotelzimmer erdachten Witze, man hört sie gar nicht. Zu viel Geschrei. Nach 20 Minuten wird Yiannopoulos von seinen Seals/Marines wieder über die Straße zum Hotel geleitet. Komischerweise ist er hochzufrieden. Er trinkt den Rest der Weinflasche aus. Nun will er bis auf seine engsten Vertrauten schnell alle loswerden und den Rest des Nachmittags shoppen gehen.

Am nächsten Tag, längst wieder in Miami, wo er eine Villa gemietet hat, aus der heraus Milo Inc. operiert, schickt Yiannopoulos eine SMS mit dem Link eines "New York Times"-Artikels über die Protestkundgebung. Darin berichtet die Zeitung auch über Yiannopoulos' Rede: "Selbst Mr Yiannopoulos erkannte bei der Kundgebung kurz Ms Sarsours Recht zu sprechen an, bevor er dann einen rassistisch aufgeladenen Witz darüber machte, sie in Ziegen zu bezahlen."

In der SMS schreibt Yiannopoulos zu dem Link: "Ich kann die dazu bringen, einfach alles zu drucken."

Eine Minute später eine weitere SMS. Darin steht nur noch: "Hahahaha."


Im Video: Animation - Was ist Alt Right?

Milo Yiannopoulos / Youtube


insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
ruhepuls 25.06.2017
1. political correctness?
Political Correctness ist sicher nicht der einzige Grund für das Entstehen solcher Bewegungen, aber sie füttert sie. Früher konnten "die Leute" ihre Vorurteile und Abneigungen gegen diese oder jenen überall äußern. Das war nicht schön, aber hat auch nicht wirklich etwas bewirkt. Inzwischen müssen sie die Klappe halten - und aus Stammtischgerede wird eine politische Bewegung, die alle diejenigen einsammelt, die "endlich mal wieder sagen dürfen wollen, was Sache ist..."
kakadu 25.06.2017
2. Das ist sehr traurig
Der Artikel macht mich sehr traurig. Als sei die Menschlichkeit verschwunden. Ich will in so einer Welt nicht leben. Im Wissen, daß dieser Satz solche Leute erfreut, wenn ein Mensch stirbt. Hoffnung geben mir meine Kinder, die sogar bei dem Anblick eines verstorbenen Käfers weinen. Ich bin gerne ein Betamännchen. Denn, die Menschlichkeit darf nicht aussterben
Matschegenga 25.06.2017
3. Gerne glaube ich dass die alt-rights gefährlich sind, aber...
...dann brauch man diesen Umstand ja nicht mit einer völlig einseitigen Berichterstattung aufzupeppen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Unbedenkliche Zitate werden durch zynische Kommentare zugespitzt. Unterstellungen von Rassismus angeführt ohne dass ein Beleg nachfolgt. Über Yiannopolous' Twitterverbannung lese ich hier, er belästigte Leslie Jones bis nahe an den Zusammenbruch, eine eher fragwürdige Zusammenfassung des Vorgangs. "Pepe der Nazifrosch" wird völlig zusammenhangslos mitten in einen Sinnabschnitt reingekeilt. Was schwerer wiegt: Die Beweggründe dieser Leute werden mit demonstrativer Naivität nicht reflektiert. Ist es tatsächlich so verwunderlich dass Leute, insbesondere Homosexuelle, sich daran stören wenn eine Linda Sarsour als Sprachrohr der Vielfalt gefeiert wird? Immerhin propagiert sie das Schariagesetz, welches in Ländern wie Brunei und Indonesien gerade schwer im Kommen ist und dort die letzten Reste sexueller Vielfalt zerstört. Erfordert es blinden Hass und Paranoia um dagegen zu sein? Oder dass sie, die als Feministin auftritt, sich öffentlich wünscht einer Hirsi Ali (als Mädchen im Namen des somalischen Islam genitalverstümmelt) ihre "Vagina" wegnehmen zu können, da diese nicht verdiene eine Frau zu sein?
anonymester 25.06.2017
4. Dave Rubin ein Rechter?
Weil er es wagt Gespräche mit Rechten zu führen? Ist Tilo Jung auch rechts weil er AFD-Politiker interviewt? Ich verfolge den Content von Rubin schon länger, zu den anderen Personen kann ich wenig sagen, aber Rubin hat weder Trump noch seine Vorhaben unterstützt. Er will nicht "die liberale permissive Gesellschaft zerstören", alles was er öffentlich tut zielt gerade den Erhalt eben dieser ab. Ist jemand, der Redefreiheit über Political Correctness stellt jetzt automatisch rechts, unabhängig von dem was er eigentlich glaubt? Und zum Thema Islamhass, ich glaube nicht dass Rubin den Islam hasst geschweige denn Muslime. Kürzlich erst war Maajid Nawaz bei Rubin zu Gast, ich kann jedem empfehlen sich dieses Gespräch mal anzuhören: https://www.youtube.com/watch?v=lpit8jc3NeI
underdog 25.06.2017
5.
Fakt ist: Überall, wo der Islam die politische Macht bekommt, nach der er strebt, schwindet die Freiheit. Sexuelle Vielfalt und Selbstbestimmung werden zu Fremdwörtern, ebenso Toleranz gegenüber Anders- und Nichtgläubigen. Es entsteht ein Klima der Unterdrückung und Bedrohung. Der Kampf dagegen, ebenso wie gegen jede andere Form religiöser Bevormundung, sollte auf der linken Agenda ganz oben stehen. Dies ist aber nicht der Fall, irgendwie ist der Islam, was dies angeht, ein "blinder Fleck". Stattdessen wird Islamisten wie Linda Sarsour ein Podium geboten und diese sogar noch gegen berechtigte Kritik verteidigt. Dass die Rechte diese Themen aufgreift und damit auch noch Erfolg hat, liegt in erster Linie an dem völligen Versagen der Linken, dem Verrat an den eigenen Idealen zugunsten einer falschen, unreflektierten und sehr einseitigen Toleranz. Denn sie ist dem Islam gegenüber in vielem tolerant (oder gleichgültig?), was sie bei der "Rechten"/konservativen Christen vehement und aggressiv bekämpft. An dieser Doppelmoral stören sich meinem Eindruck nach viele...
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© DER SPIEGEL 26/2017
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