Donald Trumps Russlandgeschäfte Die Deutsche Bank und ihr ganz spezieller Kunde

Welche Rolle spielte die Deutsche Bank bei Donald Trumps dubiosen Russlandgeschäften? Half sie bei Geldwäsche? Der Fall steht exemplarisch für die verrottete Unternehmenskultur in Deutschlands größtem Kreditinstitut.
US-Hauptsitz der Deutschen Bank in New York

US-Hauptsitz der Deutschen Bank in New York

Foto: Bloomberg/ Getty Images

Auf den ersten Blick wirkt Maxine Waters wie eine dieser harmlosen älteren Damen aus dem Süden Kaliforniens mit einem unerschöpflichen Vorrat an Nettigkeiten. Sie sitzt als Abgeordnete der Demokraten im Repräsentantenhaus, wird bald 79 Jahre alt und trägt gern helle, pastellfarbene Kostüme mit Perlenketten. Ihre jungen Fans, von denen sie derzeit eine Menge hat, nennen sie wegen ihres tantenhaften Charmes "Auntie Maxine". Waters hat allerdings die Fähigkeit, ungemütlich werden zu können, vor allem wenn es um ihren Erzfeind geht.

Kaum eine Veranstaltung, auf der Waters nicht fordert, Donald Trump aus dem Weißen Haus zu entfernen. Ihr Lieblingsslogan lautet: "Impeach 45" - werft den 45. Präsidenten aus dem Amt. Selbst Parteifreunde finden, Waters gehe damit zu weit. Ihre Kollegen bei den Demokraten wollen ihre schwerste Waffe, das Amtsenthebungsverfahren, nicht voreilig einsetzen und dadurch riskieren zu scheitern. Waters sieht das anders. Sie sitzt im Ausschuss für Finanzdienstleistungen und damit an einer Schlüsselstelle im Räderwerk von Washington. Im Moment befasst sie sich mit der Deutschen Bank.

Das Institut hat Trump mit Krediten unterstützt, als andere Geldgeber sich von ihm abwandten. Außerdem wurde die Bank vor Kurzem zu Strafzahlungen wegen mutmaßlicher Geldwäschegeschäfte in Russland verdonnert. Waters glaubt, dass die beiden Dinge zusammenhängen: die Geschäfte in Russland und die Kredite an Trump. Es geht um die große Frage, ob sich Trump in den vergangenen Jahrzehnten in finanzielle Abhängigkeit begeben hat. Ob Banken, Geschäftsleute oder Investoren ihm über Umwege Geld geliehen oder Kredite abgesichert haben, ob er an der Geldwäsche direkt oder indirekt beteiligt gewesen ist.

US-Präsident Trump: "Warum fragen Sie nicht die Chefin der Deutschen Bank?"

US-Präsident Trump: "Warum fragen Sie nicht die Chefin der Deutschen Bank?"

Foto: Susan Walsh/ dpa

Also darum, ob der Präsident der Vereinigten Staaten beeinflussbar ist, womöglich erpressbar.

Sonderermittler Robert Mueller, der die Verstrickungen von Trumps Wahlkampfteam mit Russland untersucht, hat seine Leute um Geldwäsche- und Wirtschaftskriminalitätsexperten ergänzt. Sie sollen prüfen, ob es verdächtige Geldströme zwischen Trumps Firmen und Russland gab. Ex-FBI-Chef Mueller hat dabei auch Jared Kushner im Visier, Trumps Schwiegersohn.

Ausgerechnet die Deutsche Bank nimmt in dieser Geschichte womöglich eine Schlüsselposition ein. Jenes Geldhaus, das sich von einer konservativen Kreditanstalt für die deutsche Industrie in eine aggressive Investmentbank gewandelt hat, die global mitspielen wollte und tief stürzte. Josef Ackermann, von 2002 bis 2012 Chef der Bank, soll Trump mehrfach getroffen haben. Er betonte im Vorstand seine guten Beziehungen zu Wladimir Putin. Heute ist Ackermann Verwaltungsratschef der Bank of Cyprus, zu deren Großkunden russische Oligarchen zählen. Sein Stellvertreter dort war bis vor Kurzem: Trumps Handelsminister, der Milliardär Wilbur Ross.

Solche Verbindungen sind es, die Politikerin Waters und andere glauben lassen, dass die Deutsche Bank eine Art Mittlerrolle zwischen Trump und Russland gespielt haben könnte. Als Geldwaschmaschine womöglich.

Ende Mai schrieb die demokratische Abgeordnete mit vier Parteifreunden im Finanzausschuss einen Brief an die Bank. Sie fordert, interne Untersuchungsberichte offenzulegen, die sich mit Russland und Trump befassen. Sie wolle wissen, ob "Kredite der Deutschen Bank an Präsident Trump von der russischen Regierung abgesichert wurden oder in irgendeiner Weise mit Russland in Verbindung stehen".

Waters' Ausschuss ist nicht der einzige, der sich mit den Kontakten von Trumps Helfern zu Russland auseinandersetzt. Auch der Geheimdienstausschuss des Senats befasst sich mit der Materie, der Auswärtige Ausschuss und andere Gremien. Seit Monaten findet in Washington ein Wettlauf um die heißeste Trump-Information statt. Großes Interesse richtet sich dabei auf: die Deutsche Bank.

Tatsächlich verbindet den Frankfurter Konzern seit 20 Jahren eine Beziehung mit Trump, die auf irritierende Weise für die wechselvolle und von Skandalen gespickte Geschichte beider Geschäftspartner steht.

Vor ein paar Jahren kreuzten sich die Wege von Trump und Ackermanns Nachfolger Anshu Jain. Trump stand am Beginn seines Aufstiegs vom zwielichtigen Immobilienmagnaten zum US-Präsidenten; Jain, lange Zeit einer der erfolgreichsten Banker, verlor dagegen gerade die Aura des Regenmachers. Er bekomme so eine schlechte Presse, soll Jain im Gespräch mit Trump gejammert haben. Ihm ergehe es viel schlimmer, tröstete ihn der angehende Politiker. Zwei Alphatiere, die sich ungeliebt fühlten. Kurze Zeit später war Jain weg, der von ihm ausgerufene Kulturwandel hatte sich angesichts der Geldwäscheaffäre in Russland als Makulatur entpuppt. Zehn Milliarden Dollar sollen Händler über Aktiengeschäfte von Russland über Offshore-Paradiese ins Ausland verschoben haben.

Eine Affäre, die selbst für die inzwischen skandalerprobte Bank eine nicht vorstellbare Dimension erreichte. Und die ebenjenes Bild verstärkt: dass man es bei dem Kreditinstitut nicht immer ganz genau genommen hat mit seinen Kunden.

Abgeordnete Waters: "Werft den Präsidenten aus dem Amt"

Abgeordnete Waters: "Werft den Präsidenten aus dem Amt"

Foto: The Washington Post/ Getty Images

Dass sie beide wegen einer solchen Affäre einmal unter Druck geraten könnten, ahnten weder Trump noch die Deutsche Bank, als sie Ende der Neunzigerjahre begannen, gemeinsam Geschäfte zu machen.

Die Frankfurter hatten gerade zum großen Sprung angesetzt. Mit der Übernahme des amerikanischen Geldinstituts Bankers Trust stiegen sie in das Investmentbanking ein, zockten an Finanzmärkten und beteiligten sich am Monopolyspiel um Firmen und Immobilien. Einer der Kunden, die mit Bankers Trust zur Deutschen Bank gekommen sein sollen, hieß Donald Trump.

Einige Jahre lief es gut für die Bank und ihren reichen Kunden. Der Konzern stieg in den Olymp der erfolgreichsten Investmentbanken auf, Trump schwamm im Immobilienboom Anfang des neuen Jahrtausends mit nach oben.

Der Milliardär genoss schon damals einen zweifelhaften Ruf, nach mehreren Insolvenzen hatten sich viele Wall-Street-Banken von ihm abgewandt. Die Deutsche Bank finanzierte ihn weiter - bis Trump in Chicago einen riesigen Turm baute, seinerzeit der zweithöchste Wolkenkratzer der USA. 2008, mitten in der Immobilienkrise, blieb er seinen Geldgebern 330 Millionen Dollar schuldig.

Die Geschäftspartner überzogen sich gegenseitig mit Klagen: Trump forderte drei Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das Institut habe durch sein Geschäftsgebaren die Finanzkrise mitverursacht. Die Deutsche Bank wiederum verlangte als erste Rate 40 Millionen Dollar von Trump. 2010 einigten sich die Parteien. Seitdem hieß es bei den Investmentbankern der Deutschen Bank: Nie wieder Trump!

Die Trumps suchten und fanden zu dieser Zeit anderswo neue Geschäftspartner: in Russland. Die Kinder des Milliardärs bewarben die Marke Trump in Moskau und in anderen Städten aggressiv. Trumps Sohn Donald junior sagte 2008 bei einer Immobilienkonferenz, dass erstaunlich viele Russen in Trump-Objekte investieren würden. "Wir sehen eine Menge Geld aus Russland zu uns strömen."

Im selben Jahr verkaufte Trump senior eine Villa in Florida an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew für 95 Millionen Dollar, mehr als das Doppelte des Kaufpreises - und das mitten in der Immobilienkrise. Rybolowlew wird ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Putin nachgesagt.

Auch die Deutsche Bank machte in diesen Jahren in Russland fleißig Geschäfte. An kaum einem anderen Ort lebten sich die Investmentbanker des Instituts derart ungehemmt aus wie in Moskau. Die Deutsche Bank galt neben der Credit Suisse als bevorzugtes ausländisches Institut Putins.

Den Aktienhandel in Moskau leitete damals ein Amerikaner namens Tim Wiswell. 2011 ließ sich Wiswell auf dubiose Geschäfte ein. Sie liefen stets nach dem gleichen Muster ab: Russische Broker wie Westminster Capital kauften im Auftrag anonymer Kunden über Wiswells Team Aktien und bezahlten in Rubel. Gleichzeitig verkauften Offshore-Firmen Aktien der gleichen Firmen über die Deutsche Bank in London und erhielten dafür Dollar.

Der Trick: Auf beiden Seiten waren Briefkastenfirmen, die miteinander verbunden waren, mit dem Kauf und Verkauf der Aktien befasst. Aus möglicherweise schmutzigen Rubel wurden so saubere Dollar, das Geld floss aus dem Land.

Ob der Vorstand der Deutschen Bank davon wusste? Wiswell erklärte in einem Arbeitsgerichtsprozess, mindestens 20 Vorgesetzte und Kollegen hätten von den Deals gewusst. Die Bank erklärt, sie habe "disziplinarische Maßnahmen gegen bestimmte Personen eingeleitet", und verweist auf Untersuchungen der Behörden. Der Prüfbericht der britischen Aufsicht FCA machte zwar den Vorstand für mangelhafte Kontrollsysteme verantwortlich, sah aber keinen Beleg, dass die Konzernspitze von den Vergehen gewusst hätte. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin nahm sich den Fall in einer Sonderprüfung vor, legte die Ergebnisse jedoch nie offen. Sie soll zu dem Schluss gekommen sein, dass dringender Geldwäscheverdacht bestehe.

Unklar ist bis heute, wessen Vermögen die Deutsche Bank eigentlich über all die Jahre aus Russland herausschaffte. Vor allem amerikanische Ermittler interessieren sich dafür, ob sie eine Mittlerrolle für Unternehmen oder Personen aus Russland einnahm, die wegen des Ukrainekonflikts von den USA mit Sanktionen belegt sind.

Maxine Waters und andere Trump-Kritiker wollen außerdem wissen, ob es von den Profiteuren der Deals womöglich Verbindungen zum heutigen Präsidenten gibt.

Trump-Bankerin Vrablic: Geheimwaffe für schwerreiche Kunden

Trump-Bankerin Vrablic: Geheimwaffe für schwerreiche Kunden

Foto: Michael Nagle

Fast zur gleichen Zeit, zu der Tim Wiswell die Moskauer Milliardendeals begann, entwickelte die Deutsche Bank wieder ein enges Verhältnis zum Trump-Clan - dank Rosemary Vrablic, der Geheimwaffe im Geschäft mit schwerreichen Privatkunden. Trumps Bankerin.

Die stets elegant gekleidete Frau sei eine Kundenbetreuerin, wie man sie liebe, beschrieb der ehemalige Vorstandschef Jain die Dame einst überschwenglich. Sie sei eine, die den Leuten gebe, was die gern hätten, nicht, was die Bank ihnen verkaufen wolle.

Geboren in New York, hatte sich Vrablic über die Bank Leumi und die Bank of America nach oben gearbeitet, ehe die Deutsche Bank sie abwarb. Für "Leute, die Vermögen haben, aber kein Geld", wie ein Mitarbeiter es ausdrückt. Fünf Milliarden Dollar soll sie zeitweise für die Bank und ihre superreichen Kunden verwaltet haben. Dem Oracle-Gründer Larry Ellison finanzierte ihr Team eine Südseeinsel. Kreditausfälle habe es bei ihren Kunden so gut wie nie gegeben, erzählen Insider.

Schon bevor Vrablic zur Deutschen Bank kam, soll sie mit Jared Kushner und dessen Mutter Seryl Stadtmauer befreundet gewesen sein und sie als Kunden gewonnen haben. Nach Kushners Hochzeit mit Ivanka Trump ging Vrablic auch bei den Trumps ein und aus. Über Ivanka landete auch ihr Vater in Vrablics Promikundendatei.

Vrablic gilt als eine der bestbezahlten Mitarbeiterinnen in der Vermögensverwaltung der Bank und besitzt ein Penthouse an der Park Avenue. Als Trump einmal nach seiner Kreditwürdigkeit gefragt wurde, berief er sich auf Vrablic, die er für die wichtigste Figur der Bank hielt. "Warum fragen Sie nicht die Chefin der Deutschen Bank? Ihr Name ist Rosemary Vrablic. She is the boss."

Plötzlich war Trump wieder hoffähig, nur wenige Jahre nach dem Zerwürfnis. Die Deutschbanker schmückten sich regelrecht mit ihm. Seine Tochter Ivanka trat in einem internen Werbevideo für die Vermögensverwaltung der Bank auf, Termine mit Jain belegen, wie sehr sich der Konzern um Trumps Gunst bemühte.

Mit Erfolg. Allein für die Renovierung des Trump International Hotel in Washington, nur drei Blocks vom Weißen Haus entfernt, lieh die Deutsche Bank ihm 170 Millionen Dollar. Die Frage, warum Trump wieder als Kunde aufgenommen wurde stellte lange Zeit niemand.

Erst Mitte 2015, als Trump ankündigte, für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen, schwante der Führungsspitze des Kreditinstituts, dass man da einen sehr speziellen Kunden in der Datei hatte, einen, der schwierig werden könnte. Denn wenn Banken Geschäfte mit politisch exponierten Personen, sogenannten PEPs, machen, müssen sie diese und ihr Umfeld besonders streng auf mögliche Verstöße gegen Geldwäschevorschriften durchleuchten. Zweimal soll die Bank ihre Geschäftsbeziehungen zu Trump und seiner Familie untersucht haben: nach seiner Kandidatur und nach seiner Wahl zum Präsidenten.

Umso erstaunlicher ist, dass die Bank noch einen Monat vor der Wahl einen neuen Kredit über 285 Millionen Dollar an Jared Kushner genehmigte - in einer politisch hochbrisanten Phase. Die Ermittlungen gegen die Bank in der russischen Geldwäscheaffäre liefen bereits auf Hochtouren, der Staat New York, die britische Finanzaufsicht und die US-Notenbank forderten später Strafzahlungen von 680 Millionen Dollar von der Bank.

Zu dem möglichen Geflecht zwischen dem eigenen Institut, den Geschäften in Russland und den Beziehungen zu Trump hält sich die Bank bedeckt. Auf den Brief der Abgeordneten Maxine Waters antwortete sie, man müsse sich an die amerikanischen Gesetze zum Schutz der Kunden halten. Keine Akten also, keine Dokumente.

Nur eine Behörde muss noch entscheiden, wie sie mit dem Geldwäscheskandal umgehen soll: das US-Justizministerium. Oberster Dienstherr des Ministeriums ist ein alter Kunde der Deutschen Bank. Er heißt Donald Trump.

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