Verbraucherschutz absurd EU will Grillhandschuhe regulieren

Die EU nimmt Grill- und Ofenhandschuhe ins Visier: Die praktischen Küchenhilfen sollen künftig nur mit strengen Auflagen verkauft werden dürfen. Womöglich ist sogar der gehäkelte Topflappen vom Weihnachtsmarkt betroffen. Von Udo Ludwig

Gottlob gibt es in Deutschland Organisationen wie den "Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur" - sonst hätte womöglich vom Angriff der Europäischen Gemeinschaft auf die Topflappen kaum jemand etwas mitbekommen.

In seinem Branchenmagazin "P&G" (steht für "Porzellan & Glas") warnte der Verband seine Mitglieder vor einer EU-Reform: Ofenhandschuhe, so die Information in der jüngsten Ausgabe, gehörten nach einer neuen Verordnung ab sofort zur "persönlichen Schutzausrüstung". Diese Küchenutensilien dürften deshalb auch an Privatpersonen nur noch unter strengen Auflagen verkauft werden.

Ist die Handschuh-Neuregelung eines dieser Beispiele von Regelwut der Brüsseler Bürokratie, die allerorten für EU-Verdruss sorgen?

Für Hersteller und Händler ist die neue Vorschrift jedenfalls ein bürokratischer Kraftakt. Ab spätestens 2018 muss danach jeder verkaufte Hitzeschutz ein sogenanntes CE-Kennzeichen tragen. Dieses Logo soll zeigen, dass das Produkt entsprechend den EU-Vorschriften hergestellt wurde.

Außerdem muss jeder Verpackung zukünftig eine sogenannte Konformitätserklärung beiliegen - damit erklärt der Hersteller, dass er sich an alle Normen gehalten hat. Auch eine deutschsprachige Handschuh-Gebrauchsanweisung ist demnächst zwingend vorgeschrieben. Auf die Formulierungen darf man gespannt sein. Doch damit nicht genug.

"Für den Einzelhandel erfordert die EU-Verordnung einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand", sagt Imke Ide, Referentin beim Bundesverband für den gedeckten Tisch, "es wird für Händler immer schwieriger zu überblicken, welche Produkte ein CE-Zeichen brauchen und welche keines tragen dürfen. Es gibt keine Liste, in der sie nachschauen könnten."

Gehäkelter Topflappen: Muss er bald dran glauben?

Gehäkelter Topflappen: Muss er bald dran glauben?

Foto: DPA Picturwestend61 / Tanja Luther / Picture Alliance

Die EU-Verordnung 2016/425, die die persönliche Schutzausrüstung (PSA) regelt, ist im April in Kraft getreten und muss spätestens in zwei Jahren umgesetzt sein. Der Feuerschutz für die Hände verbirgt sich in Anhang I des 48-Seiten-Werks. Früher sorgten sich die EU-Beamten vorwiegend um die Augen und die Ohren ihrer Bürger, erließen Vorschriften für Schutzbrillen und Gehörschutz. Jetzt wollen die Bürokraten auch die Hitzerisiken für die Finger am Herd und Grill der Privathaushalte minimieren. Die neue Richtlinie, heißt es in Brüssel, diene dem Verbraucherschutz.

Welche Produkte konkret betroffen sind, ist noch nicht endgültig geklärt. Handschuhe, mit denen der Hausmann oder die Köchin den Braten aus dem Ofen zieht, dürften auf jeden Fall unter die Vorschriften fallen. Auch den Grillhandschuh, dieses beliebte Geburtstagsgeschenk für den Mann, wird es wohl bald nur noch mit CE-Zeichen geben. Und auch der Topflappen kann in Kontakt mit heißen Töpfen, Grillrosten und Backblechen kommen.

Bedeutet die EU-Verordnung 2016/425 womöglich sogar das Aus für den gehäkelte Topflappen auf dem Weihnachtsbasar?

Tatsächlich sind noch nicht alle Details klar. Die Kommission Arbeitsschutz und Normung (kurz: KAN) aus St. Augustin bei Bonn, eine halbstaatliche Organisation zur Förderung der Arbeitssicherheit in Europa, fordert nun "möglichst schnell" ein "Interpretationspapier" der EU an. Es soll klären, was die Regelungen für die Praxis bedeuten. Zudem müsse Brüssel noch einen "Leitfaden" mit Beispielen erarbeiten, sagt ein KAN-Wissenschaftler, damit Betroffene die neue PSA-Verordnung auch verstehen und anwenden können.

Die Befürworter der Reform führen gern ein Beispiel aus den USA an. Dort mussten die Behörden Ende Juli 360.000 goldfarbene Backhandschuhe eines chinesischen Herstellers aus dem Verkehr ziehen. 241 Verbraucher hatten sich trotz der Überzieher Hautverbrennungen am Ofen zugezogen.

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