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Ausgabe 28/2016

Illegale Autorennen Tödlicher Wahnsinn

Bei illegalen Autorennen riskieren junge Männer ihr Leben - und das Unbeteiligter. Warum tun sie das? Von Bruno Schrep


Cruiser-Treffpunkt im Hamburg-Allermöhe
Johannes Arlt / DER SPIEGEL

Cruiser-Treffpunkt im Hamburg-Allermöhe

Tatort Hagen. Zwei Autofahrer liefern sich nach einem Ampelstopp ein spontanes Rennen. Weil einer der beiden die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert, kommt es zum Frontalzusammenstoß auf der Gegenfahrbahn. Die Bilanz: fünf Schwerverletzte, ein sechsjähriger Junge schwebt zwei Wochen lang in Lebensgefahr.

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Heft 28/2016
Terror verändert das Reisen. Was also tun?

Tatort Berlin. Hamdi H. und Marvin N. brettern mit weit mehr als hundert Stundenkilometern nebeneinander durch die Innenstadt, ignorieren eine rote Ampel. Das Auto von Hamdi H. knallt in der Tauentzienstraße in den Wagen des Arztes Michael W., der ist sofort tot.

Tatort Köln. Innerhalb von vier Monaten sterben eine 19-jährige Radfahrerin, ein 26-jähriger Radfahrer und ein 49-jähriger Taxifahrgast bei Unfällen nach wahnwitziger Raserei.

Verursacher sind junge Männer, die bei illegalen Wettrennen und Verfolgungsjagden Vollgas geben, als gehörte die Straße ihnen allein. Die Vorfälle aus den vergangenen anderthalb Jahren offenbaren ein erschreckendes Phänomen: Immer wieder gibt es Tote und Verletzte bei verbotenen Autorennen, oft trifft es unbeteiligte Verkehrsteilnehmer.

Die Fahrer rasen meist bei Nacht um die Wette, häufig in Industriegebieten, auf wenig befahrenen Seitenstraßen, auf leeren Parkplätzen großer Möbelhäuser oder Supermärkte. Die Gefahr steigt, wenn sie ihre Kämpfe mitten in Großstädten austragen: auf dem Hohenzollernring in Köln, auf dem Berliner Kurfürstendamm, auf dem Jungfernstieg in Hamburg.

In manchen Kreisen, unter Studenten oder jungen Akademikern, mag das Auto als Statussymbol an Bedeutung verloren haben. Doch gerade in Vorstädten und in der Provinz gibt es auch eine ganz andere Kultur. Sie wird geprägt von vorwiegend jungen Männern, die stolz auf ihre schnellen Karossen sind und deren Selbstbewusstsein mit der Zahl der Pferdestärken steigt.

Hamburg-Allermöhe, ein warmer Freitagabend im Frühsommer. An der Aral-Tankstelle im Gewerbegebiet wird es verdammt eng. Immer mehr Autos biegen auf das Gelände ein. Bremsen quietschen, Motoren heulen auf, es riecht nach Benzin und verbranntem Gummi, aus geöffneten Wagenfenstern wummern Technorhythmen. Zum allwöchentlichen Cruiser-Treffen, dem sogenannten Car-Friday, sind wieder mehr als 800 Fans angereist. Die Teilnehmer, das verraten die Kennzeichen, kommen vorwiegend aus dem Hamburger Umland: aus Lüneburg und aus Ratzeburg, aus Bad Segeberg und aus Winsen (Luhe), aus Bad Oldesloe und aus Neumünster.

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"Früher war hier freitags tote Hose", sagt Tankstellenpächter Rolf Clemens, für den die Treffen ein lukratives Geschäft darstellen. Er hat vier zusätzliche Mitarbeiter engagiert, die massenweise Energydrinks und Käsebrezeln verkaufen, Letztere auch in veganer Variante. Der Pächter, ein Mensch mit verbindlichen Umgangsformen, lobt die friedliche und freundliche Atmosphäre der Treffen. Alles ganz liebe Leute, wirklich.

Auf der anderen Straßenseite sind Polizeiautos vorgefahren, darunter Mannschaftswagen und ein Spezialfahrzeug mit Videokameras und Radarmessgeräten. Mehrere Beamte kommen herüber, inspizieren kritisch die ausgestellten Exemplare. Da stehen sie, teils in Reih und Glied, teils wild durcheinander: aufgemotzte Kleinwagen in schrillen Farben, von Pink bis Hellblau, mit weißen, grünen, roten Felgen. Schwarze Limousinen mit riesigen Heckspoilern. Silberfarbene Geschosse mit breiten Reifen. Den Eigentümern geht es um eines: sehen und gesehen werden.

"Der Motor ist generalüberholt", schwärmt der Besitzer eines Achtzylinder- Ford Mustang, Baujahr 1968. "Wir sprechen hier von 500 PS", erklärt der Eigner eines Lamborghini Spyder, Baujahr 2006. "Alles im Rennmodus", versichert Marco M. und deutet auf seinen herausgeputzten 3er-BMW: neue Rennsportsitze, neues Rennlenkrad, neuer Überrollkäfig.

Auf seinen linken Unterarm hat sich M. die Umrisse der Nürburgring-Nordschleife tätowieren lassen. Auf der Kühlerhaube seines Wagens sind in pinkfarbener Schrift die Namen tödlich verunglückter Rennsporthelden eingraviert, unter anderen der von Paul Walker, dem waghalsigen Hauptdarsteller der "The Fast and the Furious"-Filme. Die Verfolgungsjagden und Karambolagen dieser Actionstreifen inspirieren die Autonarren.

Viele Besucher sind gerade erst volljährig geworden, haben noch nicht lange ihren Führerschein. Florian G., immerhin schon 21 Jahre alt und in der Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker, präsentiert stolz seinen alten Audi 80, der gebaut worden ist, noch bevor Florian geboren war. Die schicken neuen Seitenteile und den neuen Spoiler hat der schüchtern wirkende Junge selbst montiert, die neuen Boxen, die den Wagen vibrieren lassen, natürlich auch.

Florian und seine Freunde sitzen auf mitgebrachten Campingstühlen, kommentieren lautstark jedes ankommende Fahrzeug. "Besser als jede Party", glaubt Florian. Er öffnet die Motorhaube, erträgt kritische Blicke. "Da muss noch was getan werden."

Die wenigsten Autos sind neu, bei den meisten Besuchern hat es nur für Serienmodelle älterer Allerweltsfabrikate gereicht. Ole ist eine Ausnahme, seine Oma ist vor Kurzem gestorben, von dem geerbten Geld hat er sich einen kaum gefahrenen Porsche Carrera geleistet. "Den lass ich genau so, wie er da steht", erklärt er.

Getunt und frisiert sind sie sonst alle, die alten Golf, die alten Opel, die alten Peugeot, die alten Japaner. Mindestens vorn tiefergelegt, so tief manchmal, dass der Frontspoiler fast auf dem Boden schleift.

Weitaus gefährlicher sind jedoch Umbauten, die alte Kisten in Rennautos verwandeln. "Da gibt es Freaks, die in ein 1000-Euro-Auto einen neuen Motor für 10.000 Euro einbauen", sagt Ercan H., der die Facebook-Seite der Cruiser mit 5000 Fans betreut. Außenstehende könnten das nicht verstehen. "Wir haben einen besonderen Lebensstil."

Der große, breitschultrige Mann klatscht sich ständig mit Neuankömmlingen ab, er kennt viele Besucher persönlich, ist zu einer Autorität geworden. Er achtet darauf, dass die Cruiser ihre leeren Flaschen nicht wegwerfen, sondern in einer Pfandbox entsorgen, greift schlichtend ein, wenn es mal Streit gibt. Er fährt einen hoch motorisierten Kombi, an dessen Steuer er selbst seinen besten Freund nicht lassen würde. "Autos und Frauen verleiht man nicht."

Dass sich die Cruiser bei ihren Treffen auch zu illegalen Rennen verabreden, dass einige Teilnehmer ihre zu Geschossen aufgerüsteten Fahrzeuge nicht nur zeigen, sondern auch bis zum Bruchpunkt testen wollen, wird von Ercan H. als böswillige Propaganda abgetan. Die Polizei hat andere Erkenntnisse. Schon zum Auftakt der Cruiser-Saison im Frühjahr stoppten die Beamten in einem Sondereinsatz mehrere lebensgefährliche Wettfahrten. So hetzten zwei Fahranfänger mit mehr als 140 Stundenkilometern über eine öffentliche Straße. Beiden war wegen vorheriger Verkehrsverstöße die Probezeit des Führerscheins verlängert worden. Im Laufe der Nacht schrieben die Fahnder 42 Anzeigen und kassierten mehrere Führerscheine.

Audi-Besitzer Florian G. und Autofans beim Car-Friday
Johannes Arlt / DER SPIEGEL

Audi-Besitzer Florian G. und Autofans beim Car-Friday

Auch an diesem Freitag kommt nach Einbruch der Dunkelheit Bewegung in die Szene. Der Fahrer eines US-Muscle-Cars und der eines AMG-Mercedes geben im Stand Vollgas, lassen die dicken Auspuffrohre ihrer Wagen glühen, liefern sich ein dröhnendes Wettröhren. Anfeuerungsrufe, Jubel, Klatschen. Kurz darauf fahren sieben, acht Autos von der Tankstelle weg, wenig später folgt eine weitere Gruppe, 30 Sekunden danach eine dritte. Es ist der Moment, in dem auch die Beamten auf der anderen Straßenseite aktiv werden.

Mehrere Streifenwagen folgen den Kolonnen. Handelt es sich um ein Tarnmanöver? Geht es nur zu McDonald's? Oder wird schon eine Rennstrecke gesucht? Auf bevorzugten Kursen, etwa in der City Nord oder der neuen HafenCity, patrouillieren bereits Zivilfahrzeuge, die Fahnder halten nach verdächtigen Autos Ausschau. "Unser Ziel ist es, solche Rennen zu verhindern", sagt Thomas Ohlmeyer vom Hamburger Polizeikommissariat 43 in Bergedorf. Das gelingt nicht immer.

Die erste Gruppe röhrt durch den Neuen Wall, eine noble Einkaufsmeile. Die zweite Gruppe kreuzt am Stadtrand in Stapelfeld auf, die dritte in Barsbüttel. Nachts um eins jagen 40, 50 Autos wie auf Kommando zu einem abgelegenen Rennkurs in Finkenwerder, WhatsApp macht's möglich. Kurz darauf brettern die ersten Wagen solo über die kerzengerade Piste, eine dunkle Nebenstraße, Tempo 100 plus.

"Wir fahren, wo wir wollen", sagt der Besitzer eines dicken BMW, die Polizisten hechelten meistens vergebens hinterher. "In meinen Augen sind das Hampelmänner." Der Mittzwanziger, der nicht mit Namen genannt werden will, hat den Verlauf eines typischen Freitagabends mit seiner Handykamera gefilmt: vom harmlosen Treffen an der Aral-Tankstelle über das blitzartige Ausschwärmen der Gruppen in alle Richtungen bis zum verbotenen Rennen eins gegen eins am Hafenrand.

"Der Kick ist dieser wahnsinnige Nervenkitzel", sagt der Insider, das Versteckspiel mit der Polizei, das Austricksen der Ordnungsmacht, das Wettrennen. Und, nicht zuletzt, ein berauschendes Gefühl von Überlegenheit. "Ich ziehe mit meinem BMW alle Leute ab und lasse die Sau raus", prahlt er, "mit mir kann keiner mithalten." Das Risiko für sich selbst und für Dritte, die ihm zufällig in die Quere kommen könnten, nimmt er in Kauf. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort sei, findet er, "der hat halt Pech gehabt".

André Bresges, Professor für Physikdidaktik an der Kölner Universität, überraschen solche Sprüche nicht. "Wer keinen Respekt vor dem eigenen Leben hat, kennt auch keinen Respekt vor dem Leben anderer", sagt der Hochschullehrer, der für Forschungsprojekte viele junge Raser interviewt hat. Bei Teilnehmern illegaler Rennen, zu 99 Prozent Männer und häufig bildungsfern, entdeckte er einen erschreckenden Mangel an Vorstellungskraft. "Die Fantasie reicht oft nicht aus, sich auszumalen, welche Folgen ein Unfall bei solchen Geschwindigkeiten hat."

Um das zu ändern, gründete Bresges mit Polizeiführern und Politikern die Kampagne "Crash Kurs NRW", mit der an nordrhein-westfälischen Schulen vor der Raserei gewarnt wird. Die Kampagne wendet sich an eine gefährdete Altersgruppe, Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 24 Jahren: Sie haben noch keinen Führerschein gemacht oder sind überproportional oft in Unfälle verwickelt.

In den Kursen schildern Polizisten, Feuerwehrleute und Notärzte die grausamen Folgen schwerer Karambolagen - oft so drastisch, dass Zuhörer es nicht aushalten und davonlaufen. "Manche Schüler müssen hinterher medizinisch versorgt werden", sagt Bresges. "Aber wenn nur einige kapieren, welch tödliche Waffe ein Auto sein kann, hat es sich schon gelohnt."

Gianluca Di Franco traf es wenige Tage nach seinem 26. Geburtstag. Er wollte von seinem Arbeitsplatz, einem Kölner Blumengeschäft, nach Hause radeln, stoppte an einer Ampel in der Aachener Straße. Dem weißen BMW, der nach einem heftigen Aufprall hoch in die Luft katapultiert wurde, zwei Ampelmasten niedermähte und auf dem Gehweg zerschellte, konnte er nicht ausweichen.

"Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an ihn denken", sagt Davide Di Franco, der einzige Bruder. Nur in winzigen Momenten könne man vergessen. Der Mutter gelinge selbst dies nicht, sie sei in ihrem Schmerz wie versteinert. Die Trauer hat die einst vierköpfige Familie in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Eltern haben es in der alten Wohnung nicht mehr ausgehalten, viel zu viele Erinnerungen, sie sind umgezogen.

Autowrack in Hagen
DPA

Autowrack in Hagen

Der Unfall von Arman J., der sich den BMW geliehen hatte, ist von Überwachungskameras aufgezeichnet worden. Die Bilder quälen Davide, der den Film gesehen hat, jeden Tag: das Autowrack, das zerstörte Fahrrad, der am Boden liegende Bruder. Was Davide ebenfalls erschüttert: Unfallfahrer Arman J., der sich laut Zeugenaussagen mit einem anderen Autofahrer duellierte, nahm lange Zeit keinerlei Kontakt zur Opferfamilie auf, äußerte zunächst keinerlei Bedauern. "Erst auf Anraten seines Anwalts hat er sich halbherzig entschuldigt, für mich nicht wirklich glaubhaft", sagt Davide Di Franco.

Maximilian W., der Sohn des zu Tode gekommenen Berliner Mediziners Michael W., machte eine ähnliche Erfahrung. Er erhofft sich bislang vergebens einen Moment der Reue von Hamdi H., der bei dem Rennen in der Berliner Tauentzienstraße mit mehr als hundert Stundenkilometern in den Wagen des Mediziners krachte. "Wenn er doch nur ein einziges Wort gesagt hätte, das kleine Wort 'sorry', das wäre schon ein Zeichen gewesen", sagt der Sohn. "Damit hätte er signalisiert, dass er Scheiße gebaut hat."

Gerechtigkeit erhoffen sich die Angehörigen der Opfer von der Justiz, doch die tut sich schwer. Im April sorgte ein Urteil des Kölner Landgerichts für Aufregung. Eine Strafkammer sprach zwei junge Raser zwar der fahrlässigen Tötung schuldig, setzte die Freiheitsstrafen jedoch zur Bewährung aus. Erkan F. und Firat M. hatten ihre Autos Stoßstange an Stoßstange über den Kölner Auenweg gejagt, bis Erkan F. in einer Kurve die Kontrolle über seinen BMW verlor und mit der Radfahrerin Miriam S. zusammenstieß. Die 19-jährige Studentin starb drei Tage später.

Im Gerichtssaal konfrontierte Miriams Mutter die Angeklagten mit zwei Fotos der Tochter: einmal als strahlende junge Frau - und einmal mit einem Schlauch im Mund und geschlossenen Augen kurz vor ihrem Tod. "Damit Sie sehen, was Sie angerichtet haben", sagte sie dazu.

Der Vorsitzende Richter, Harald Helmes, erklärte das milde Urteil mit dem Hinweis, dass beide Autofahrer zum ersten Mal straffällig geworden seien, einen Schulabschluss hätten und noch bei den Eltern wohnten. Die Begründung löste nicht nur bei den Angehörigen großes Unverständnis aus, sondern führte auch zu Diskussionen über den juristischen Umgang mit Teilnehmern illegaler Rennen. Zumal drei Monate zuvor zwei 20-Jährige, die bei einer Wettfahrt in Köln den Tod eines 49-jährigen Taxifahrgastes verschuldet hatten, in der ersten Instanz ebenfalls mit Strafaussetzung davongekommen waren.

"Wer bei einem solchen Wahnsinn einen Menschen tötet, darf nicht als freier Mann mit einer Bewährungsstrafe aus dem Gerichtssaal gehen", sagte daraufhin Jörg Radek, Vizechef der Gewerkschaft der Polizei. "Schon die Teilnahme an einem illegalen Rennen muss künftig strafbar sein", forderte der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty, bislang sei das in der Regel nur eine Ordnungswidrigkeit. Sein Kabinettskollege Innenminister Ralf Jäger erklärte nach dem Rennunfall in Hagen, Raser müssten "die ganze Härte unserer Gesetze zu spüren bekommen".

Auf Initiative Kutschatys hat Nordrhein-Westfalen diese Woche dem Bunderat einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach Teilnehmer an illegalen Autorennen mit Todesfolge künftig mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren und dem Verlust ihres Autos rechnen müssen.

Ein Kölner Gericht fällte bereits im Mai ein vergleichsweise strenges Urteil: Arman J., der mit seinem geliehenen BMW den Tod des 26-jährigen Gianluca Di Franco verschuldete, soll wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zwei Jahre und neun Monate lang ins Gefängnis, Bewährung ist bei dieser Strafhöhe nicht möglich. Mit dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, sollen laut Richter Benjamin Roellenbleck künftige Raser abgeschreckt werden: "Wir wollten ein Zeichen setzen, dass man so nicht fahren kann."

Wobei sich die Frage stellt, ob illegale Wettrennen mit tödlichem Ausgang lediglich eine "Fahrlässigkeit" darstellen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat das jetzt verneint und will Hamdi H. und Marvin N. nicht wegen fahrlässiger Tötung anklagen, sondern wegen versuchten Totschlags. "Wer mit über hundert Stundenkilometern durch die Innenstadt rast", sagt Oberstaatsanwalt Martin Steltner, "der nimmt den Tod anderer Menschen billigend in Kauf."

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Amadís 12.07.2016
1.
Auch in Kassel finden jedes Wochenende Rennen in der Innenstadt statt. Die Polizei tut: NICHTS! Der Disponent in der Leitstelle rät den Anwohnern, sie sollten sich selbst mal an die Kreuzung stellen, und die Kennzeichen notieren. Welche strafrechtlich relevante Erkenntnisse dabei erziehlt werden sollen, kann allerdings auch dieser feine Herr nicht zweifelsfrei erläutern.
gollum04 12.07.2016
2. das ist kein modernes Phänomen....
,...das war schon immer so. Und wir haben auch nicht überlegt, was passieren konnte....und wir hielten uns für tolle Fahrer und absolut unsterblich. Nur das in meiner Jugend der mit dem 75PS Kadett C schon der Held war, und der mit dem 110PS GTE Manta der Gott. Heute trauen sich die Kiddys mit derartiger Motorleistung garnicht zum Sammelpunkt. Im Netz kauft man heute einen 250PS Kracher für unter 3000 Euro. Diese Autos sind dann mit entsprechenden Wartungstau gesegnet...aber wen stört das. Die ausgeschlagenen Fahrwerke hört man eh nicht, wenn die Musik sogar locker die Notarztfanfare übertönt. Und mit diesen Boden-Boden-Raketen gehts dann los. Null Erfahrung, null Praxis, aber jede Menge Leistung und schon 2 Millionen Kilometer Nürburgring auf der Playstation. Dazu Habitus und Attitüde aus den Fast`n Furious Filmen. Gefährliche Mischung. Aber wir hätten das damals genau so gemacht. Klar! Aber unsere Computer konnten nur Astroids und ein mechanischer Flipper hat einem nicht zum Rasen verleitet. Aber ich habe versucht auf dem Metroparkplatz einen Sprung wie Bullit hinzubekommen. Aber der 02 hatte wohl nicht genug Leistung. Aber was tut man gegen diesen Wahnsinn? Den Kiddies permanent den Verbotsfinger zeigen, verschärft die Sache nur. M.E. wäre es eine Möglichkeit, aus den Möchtegern-Rennfahrern "echte" zu machen. Schafft wir früher die Möglichkeit, auf Parkplätzen ADAC Geschicklichkeits- oder Slalomrennen abzuhalten. Da lernt man am BEsten, das es Mist ist, wenn man gegen den Bordstein knallt. Und man baut Adrenalin ab, und die Hormone könnnen Ihrer Bestimmung nach Abenteuer und Paarung nachkommen.
hirnschlacht 12.07.2016
3. der moderne Mensch
hat ein Problem. Uns fehlt Gefahr. Gefahr im Alltag. Es nutzt daher gar nichts Aufklärungsarbeit zu leisten. Diesen Autofahrern ist durchaus bewusst, was sie da tun und wen sie gefährden. Aber es ist egal und wird für das Erlebnis gerne in Kauf genommen. Ob man diese Gefahr in Extremsportarten sucht, bei Schlägereien unter Hooligans oder im 200PS-Wagen, es geht darum, den Körper absichtlich in Gefahrensituationen zu begeben. Die Konsequenzen werden dafür gerne in Kauf genommen. Auch Knast, Geldstrafen etc. bringen rein gar nichts.
quark2@mailinator.com 12.07.2016
4.
Jeder braucht irgendwas in dem er besonders gut ist und Respekt aus seiner Gruppe bekommt. Und für manche ist das eben Rasen oder Prügeln. Gerade in einer Zeit, in welcher körperliche Fähigkeiten beruflich immer weniger gebraucht werden, suchen sie sich halt andere Wege um sich zu beweisen.
bernd_laurer 12.07.2016
5.
Viel tödlicher und wesentlich wahnsinniger ist, dass es im Alter keinerlei medizinische Checks gibt, ob eine Fahrtauglichkeit überhaupt besteht. Es ist nicht sinnvoll, dass einem Führerschein-Neuling nach einem Joint der Führerschein entzogen wird (unabhängig davon, ob er überhaupt unter Drogeneinfluss fuhr oder gar auffällig wurde), während Senioren munter Menschen totfahren dürfen und sich niemand darum schert. Jeden Tag geschehen unzählige Unfälle, mit hohem Sachschaden und schwer verletzten Personen oder gar Toten, die vermeidbar wären, wenn der Unfallverursacher körperlich und geistig fahrtauglich gewesen wäre. Oder im Falle der Untauglichkeit den Führerschein abgeben hätte müssen. Hier ist dringend der Staat gefordert. Illegale Autorennen sind Kinkerlitzchen im Vergleich zu der Verkehrsgefährdung durch Alte.
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