29.07.2013

Neue CDs

Anton Bruckner: "Symphonie Nr. 1" (Accentus Music)
Wohl an keinem anderen Ort auf der Welt versammelt sich ein Orchester aus derartigen Könnern wie alljährlich in Luzern unter Claudio Abbado. Der wurde am 26. Juni 80 Jahre alt, aber was er vergangenen Sommer aus Bruckners komplex-leidenschaftlicher Erster Symphonie machte, hat nichts von Ruheständlertum an sich. Unheimlich präzise und bis in die rätselhaften Ecken ausgeleuchtet, erklingt das Werk wie neu.
Sergej Prokofjew: "Violinsonaten etc." (Bis)
Was ihm orchestral bisweilen zu wuchtig und plakativ geriet, hat Prokofjew (1891-1953) im kleineren Format mehr als wettgemacht: Verblüffend farbenreiche Melodik kontrastiert mit teils herben Rhythmen; nur Virtuosen kommen mit den erheblichen Schwierigkeiten zurecht. Vadim Gluzman und Angela Yoffe spielen musterhaft die F-Moll-Sonate, die für Violine adaptierte Flötensonate in D-Dur und drei Stücke aus "Romeo und Julia".
"Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie" (Raumklang)
Als der Kontrapunkt noch das A und O guten Komponierens war, um 1680, bedeutete es schon Freiheit, eine schwungvolle Toccata mit Ciaconne zu schreiben. J. S. Bach trieb auch diese Kunst in einsame Höhen; sein Sohn Philipp Emanuel wagte sich zum reinen Gefühlsausdruck vor. Auf einem herrlich vollstimmigen Cembalo nach Hamburger Bauart um 1750 zeigt Magdalena Hasibeder phantastische barocke Fingerfertigkeit.
Richard Wagner: "Die Walküre, 2. Akt"
(Music & Arts)
Es hat sie wirklich gegeben, die Traumbesetzung der "Walküre" mit den Jahrhundertsängern Lotte Lehmann (Sieglinde), Lauritz Melchior (Siegmund), Kirsten Flagstad (Brünnhilde) Friedrich Schorr (Wotan) und Emanuel List (Hunding). Zwar existiert von der Aufführung unter Fritz Reiner, 1936 in San Francisco, nur ein knisternder Radiomitschnitt. Aber er reicht, um Genießer ins Träumen zu bringen.
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 8/2013
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KulturSPIEGEL 8/2013
Titelbild
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