Schwarz auf Weiß

Warum gehen mehr Migranten zu „DSDS“ als auf deutsche Schauspielschulen? Wenn Deutschland ein Einwanderungsland ist, warum sieht man das dann auf deutschen Bühnen nicht? Ist es rassistisch, wenn sich weiße Schauspieler schwarz schminken? Wer soll dann all die Othellos spielen? Muss das Gretchen immer blond sein? Wieso protestiert niemand, wenn ein weißer Schauspieler einen Klischee-Asiaten spielt? Oder sind die Asiaten nur zu höflich, um sich zu beschweren? Und sind sie wirklich fleißiger? Gibt es deshalb so viele asiatische Musiker in Klassikorchestern? Kann ein Weißer überhaupt beurteilen, was rassistisch ist und was nicht? Wann gibt es endlich einen schwarzen Doktor Brinkmann? Haben die Sender Angst, dass das Publikum dann abschaltet? Warum werden in Deutschland die TV-Quoten nur bei Zuschauern mit deutschem oder EU-Pass gemessen? Was ist noch mal der korrekte Begriff für Menschen mit nichtweißer Hautfarbe? Warum ist das alles so kompliziert? Sind wir zu verklemmt? Zu humorlos? Gibt es deshalb mehr Comedians mit Migrationshintergrund als ohne? Dürfen nur Türken Türkenwitze erzählen? Ist man engstirnig, wenn man sich nicht für türkische Literatur interessiert? Warum schreiben die nicht die ganze Zeit über unterdrückte Frauen? Sollten migrantische Schriftsteller nur Migrationsromane schreiben? Und woher können die überhaupt so gut Deutsch? Sind Migrationsromane von migrantischen Schriftstellern anders als von urdeutschen? Sind sie authentischer? Ist urdeutsch nicht ein furchtbares Wort? Können Schwarze besser tanzen? Und haben Weiße weniger Rhythmusgefühl? Warum gibt es so wenige Singer-Songwriter mit Migrationshintergrund? Mögen die eh nur R'n'B? Ist der deutsche Kulturbetrieb rassistisch?
Von Mareike Nieberding, Christoph Dallach, Anke Dürr, Ulrike Knöfel, Maren Keller, Tobias Becker, Daniel Sander und Johann Dehoust

DER SPIEGEL 4/2014

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