25.08.2014

Das Vermächtnis

Wie eng gehören Mozarts letzte Symphonien zusammen? Zwei Dirigenten ringen um die Deutung der drei Meisterwerke.
A n Mut fehlte es ihm nie. Eine Gelegenheit hätte sich wohl auch schon früher ergeben. Aber erst jetzt, mit 84 Jahren, bekennt sich Nikolaus Harnoncourt, Pionier der Originalklang-Bewegung, zu einer kühnen These: Mozarts drei letzte Symphonien in Es-Dur (KV 543), g-Moll (550) und C-Dur (551) bildeten ein "Instrumental-Oratorium". Höre man sie hintereinander und berücksichtige die enge Folge ihres Entstehens, müsse es sich einfach so verhalten, da sei er "nun sicher", verkündet der Altmeister - und lässt seinen Wiener Concentus Musicus entsprechend farbenprächtig und agil aufspielen. Aber ist die unbelegbare Groß-Einheit nicht eher ein netter Trick, um für die magische Qualität von Mozarts orchestralem Vermächtnis wieder mehr Interesse zu wecken? Hartmut Haenchen jedenfalls kommt ganz ohne aufgesetzte Neuigkeiten aus. Für ihn und sein Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach waren die drei Symphonien ein Abschied: Mit dem Berliner Konzert am 1. Mai 2014 endete nach 34 Jahren eine Zusammenarbeit ganz ohne Verträge und Gagen, ein idealistischer Dienst am schönen, authentischen Klang. Viele Entdeckungen, vor allem aus dem 18. Jahrhundert, sind dem Ensemble zu danken. Die Summe dieser reichen Erfahrung bündelt sich jetzt bei Mozart: Pulsierend, majestätisch, dann wieder subtil, ja zwielichtig, entfaltet sich ein Kosmos, der nach Haenchens Worten "Freiheit und Gesetz" unübertrefflich verbindet.
Wolfgang Amadeus Mozart: "Symphonien 39, 40, 41" - (Sony Classical und Berlin Classics)
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 9/2014
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