31.01.2015

Die Revolution übertönt

Ehrenrettung für einen vergessenen Star: Das Ignaz-Pleyel-Quartett stellt Werke seines Namenspatrons vor.
K lavierfreunde kennen den Namen als Marke - aber konnte der geschäftstüchtige Mann, aus dessen Firma später Chopin seine Lieblingsinstrumente bezog, auch komponieren? Musikhistoriker sind überwiegend skeptisch. Zwar habe Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831), Sohn eines kinderreichen niederösterreichischen Schulmeisters, vorzügliche Lehrer gehabt, doch sei ihm das "Streben nach höheren Zielen, der tiefere künstlerische Ernst" abgegangen, urteilte beispielsweise 1918 Deutschlands damaliger Musikpapst Hugo Riemann. Davon haben sich die Violinisten Raimund Lissy (Foto o.l.) und Dominik Hellsberg (u.l.), Bratschist Robert Bauerstatter (u.r.) und Cellist Bernhard Naoki Hedenborg (o.r.) zum Glück nicht einschüchtern lassen. "Hidden Gems" (Verborgene Juwelen) nennen sie den ersten Teil ihrer Aufnahme von Pleyel-Quartetten. Kaum zu glauben, dass die drei Stücke in F-, B- und D-Dur, artig balanciert und interessanterweise nur dreisätzig, ausgerechnet während des Revolutionsjahrs 1792 entstanden: Pleyel, der sich nach guten Londoner Gagen ein Château in Ittenwiller bei Straßburg zugelegt hatte, wollte seine Hörer offenbar mit geistreicher Harmonie und - vor allem in den Mittelsätzen - nahezu mozartischem Lyrismus von allen Kriegsängsten erlösen. Unterstützt durch einen rührigen Förderverein (www.pleyel.at), werden die vier Wiener wohl noch manchen zauberhaften Fund machen können: Immerhin hat Pleyel rund 80 Quartette geschrieben.
Ignaz-Pleyel-Quartett: "I. J. Pleyel - Hidden Gems Vol. 1: Ben 359, 360, 361" (Ars)
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 2/2015
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