30.05.2015

SpielplanDie Schauspielerin Martina Gedeck plant ihren Juni

Die Schauspielerin Martina Gedeck plant ihren Juni

Ich freue mich sehr auf Ariadne auf Naxos an der Berliner Staatsoper. Abgesehen von der herrlichen Musik von Richard Strauss ist die Geschichte Ariadnes, die hier als Oper in der Oper erzählt wird, eine der wunderbarsten Geschichten überhaupt: Ariadne, die ihrem Geliebten zum Sieg über den Minotaurus verholfen hat, wird von ihm verlassen. Am Ende aber vermählt sie sich mit einem Halbgott! Die Inszenierung von Hans Neuenfels wird sicher hochinteressant, sein Blick geht in die Tiefe, seine Arbeiten sind verwegen und unberechenbar, das ist etwas Seltenes. Es ist ja ein Trugschluss zu glauben, dass die Dinge irgendwann mal ihre Form gefunden hätten. Man kann ruhig jeden Monat einen neuen Gedanken haben. Oder auch zwei.
Unbedingt sehenswert ist sicher die Ausstellung ImEx in der Berliner Alten Nationalgalerie. Da wird die impressionistische Malerei der expressionistischen thematisch gegenübergestellt, das hat man so noch nie gesehen. Und die meisten Gemälde sind aus hauseigenen Beständen, Dinge, die sonst aufgrund von Platzmangel in den Museumskellern schlummern.
Diesen Monat startet ein Dokumentarfilm, den ich sehen möchte, Beyond Punishment von Hubertus Siegert. Es geht um drei Mordfälle in drei Ländern. Siegert besucht die Täter und die Familien der Opfer und konfrontiert beide Seiten miteinander. Im deutschen Fall geht es um Patrick von Braunmühl, dessen Vater 1986 von der RAF erschossen wurde. Jahrelang hat er versucht, mit der RAF Kontakt aufzunehmen, jetzt kommt es zu einer Gegenüberstellung. Der Film dokumentiert den Wunsch nach Vergebung und zeigt die Grenzen von Schuld und Strafe.
Der andere Film, den ich mir angucken werde, ist Die Frau in Gold in der Regie von Simon Curtis mit Helen Mirren in der Hauptrolle. Sie spielt eine Frau, die um die Rückgabe eines Klimt-Gemäldes kämpft, das die Nazis ihrer Familie geraubt haben. Ich kenne das Drehbuch, da ich beinahe mitgespielt hätte, und bin gespannt, was Curtis daraus gemacht hat.
Und ich werde mich an den vierten Teil von Heinrich August Winklers Geschichte des Westens machen. Er behandelt nahezu alle wichtigen Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre. Einen systematischen Überblick über eine Zeit zu bekommen, die man selbst erlebt hat – was für ein Genuss.
Aufgezeichnet von Anke Dürr
Martina Gedeck, 53, ist eine der renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie war die Erste, die im KULTUR SPIEGEL ihren Monat geplant hat, im April 2002.
Von Anke Dürr

KulturSPIEGEL 6/2015
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