25.11.2003

FILMDer Aufschneider

Sean Penn gilt als größter Schauspieler seiner Generation. Sein neuer Film „Mystic River“ zeigt, dass alles ein Missverständnis ist.
Er ist der letzte Method Man Hollywoods und zugleich der größte. Ein Irrer, der immer dann am besten ist, wenn er zeigen kann, wie der Irrsinn sich in seinen Figuren breit macht; ein Besessener, der sich in seinen Rollen beinahe verliert; ein Perfektionist, der es in seiner inzwischen 20-jährigen Karriere auf drei Oscar-Nominierungen gebracht hat (für "Dead Man Walking", "Sweet and Lowdown" und "I Am Sam"): Gefühle nicht spielen, sondern erleben, Rollen nicht lernen, sondern herausholen, was man in sich gefunden hat. In Clint Eastwoods neuem Film "Mystic River" (Start: 27.11.) spielt Sean Penn, 43, einen Mann, dessen 19-jährige Tochter ermordet wird. Damit stehe er endgültig auf einer Stufe mit dem großen Marlon Brando, jubelte der Kritiker des "New Yorker", "als einer der großen tragischen Schauspieler des Kinos".
Ein Missverständnis. Denn Penn spielt nicht einen Vater, der sein Kind verloren hat, er spielt Sean Penn, der den anderen Schauspielern (Kevin Bacon, Tim Robbins, Laurence Fishburne) vorführt, wie man einen Mann spielen müsste, der sein Kind verloren hat - ein Angeber, der den Stolz über sein Talent nie ganz verbergen kann. Nie antwortet er sofort, wenn jemand etwas von ihm wissen will, stets schaut er vorher zur Seite, steckt die Zunge heraus, zieht Luft ein, stößt sie wieder aus. Seine Ausbrüche sähen aus, als würde irgendein Komiker in einem Nachtclub Sean Penn imitieren, schrieb ein Kritiker. Er blieb mit seiner Kritik allein. Penn gilt inzwischen als einer der Favoriten für die Oscar-Verleihung im Februar. HAUKE GOOS
FOTO: CINETEXT
FILM
Von HAUKE GOOS

KulturSPIEGEL 12/2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


KulturSPIEGEL 12/2003
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

  • Im Autopilot-Modus: Tesla-Fahrer schläft hinter dem Steuer ein
  • Brände im Amazonas: Bolsonaro kündigt Strafen für Brandrodungen an
  • Vor G7-Gipfel in Biarritz: "Die Stadt ist zu einer Festung geworden"
  • Johnson bei Macron: Einfach mal die Füße hochlegen?