30.08.2004

THEATERFeinde ja - aber die richtigen

Der Schauspieler Alexander Khuon ist quasi im Theater aufgewachsen. Jetzt spielt er den Hamlet.
Eigentlich ist Alexander Khuon kein Rebell. Musste er auch nie sein - in seinem Kinderreich war nie etwas faul. Wenn man mal absieht von den Hänseleien der Klassenkameraden, die ihn wegen seines Dialekts aufzogen, als Khuon mit 14 Jahren von Konstanz nach Hannover umzog. Sein Vater hatte dort einen neuen Job.
Der Vater, natürlich. Wer sich in der Theaterszene einen Platz erobern will und mit Nachnamen Khuon heißt, kommt um die Frage nicht herum. Ja, der Schauspieler Alexander Khuon, 25, ist der Sohn von Ulrich Khuon, seit 2000 Intendant des Hamburger Thalia Theaters, eines der besten Theater Deutschlands. Aber er hat damit offenbar kein Problem. "Dieses Thema tritt meistens sehr schnell in den Hintergrund", sagt er mit großer Gelassenheit. Das Gutmütige, die fast provozierende Ruhe, die aus einem großen Selbstvertrauen kommt, aber auch das Nüchterne kennt man vom Vater. Von ihm weiß man auch, dass man ihn deshalb nicht unterschätzen darf. Was er vom Vater gelernt habe? "Dass man auch die richtigen Feinde braucht", antwortet Khuon.
Mit dieser Unbeirrbarkeit ist er seinen Weg gegangen. Seit er fünf ist, hat Khuon kleine Rollen auf Papas Bühnen gespielt. Nach dem Abitur ist er an der Schauspielschule Leipzig angenommen worden, und schon vor Ende des Studiums hatte er ein festes Engagement für Köln. Dort triumphierte er 2003 gleich als ebenso entschlossener wie besonnener Rebell gegen den Vater, als Ferdinand in "Kabale und Liebe" (Regie: Michael Talke). Dass Khuon, wenn er mit sorgenzerfurchter Stirn auftritt, von Ferne an den Hollywood-Star Orlando Bloom erinnert, war dabei sicher kein Nachteil.
Die entscheidende Kölner Begegnung war aber die mit dem tschechischen Regisseur Dusan Parizek, mit dem er sich auf Anhieb verstand: "Das ist kein Schwätzkopf." In Parizeks umstrittenem "Platonow" spielte Khuon die Titelrolle, und bei ihm ist er auch jetzt wieder ein großer Zweifler und Rebell - Hamlet. Der Hamlet ist zugleich schon Khuons Abschied aus Köln. Bernd Wilms hat ihn ans Deutsche Theater Berlin geholt, an das Theater, das wieder das wichtigste der Republik werden soll. Aber da hat Vater Khuon dann doch noch ein Wort mitzureden. ANKE DÜRR
Hamlet. Premiere am 25.9. im Schauspielhaus Köln. Auch 26.9., Tel. 0221/22 12 84 00.
FOTO: KLAUS LEFEBVRE
Von ANKE DÜRR

KulturSPIEGEL 9/2004
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