30.05.2005

Neue CDs - Pop

Platinum Pied Pipers: "Triple P" (Ubiquity)
Auf der Hülle der Vorab-CD ist vermerkt, dass die enthaltene Musik auch "Für Fans von Slum Village, Jill Scott und Talib Kweli" geeignet sei. Das sind Künstler, die recht virtuos HipHop mit Soul kreuzen. In diese Aufzählung reiht sich nun dieses Duo sehr eindrucksvoll ein. Denn sie verstehen sich auch auf Jazz und darauf, all diese Versatzstücke sehr verspielt und unaufgeregt zusammenzufügen. Kein Wunder, immerhin hat Waajeed, einer der beiden Musiker, mal Slum Village mitgestartet.
Erol Alkan: "A Bugged Out Mix By" (Resist)
Plattenaufleger, die gern mit ihrer Kunst prahlen, mischen oft Dinge zusammen, die bisher nicht zusammengepasst haben. Einer, der sich für solche Spielereien feiern lässt, ist dieser Brite. Dass er ein Erfinder schöner neuer Mischungen ist, belegt seine Doppel-CD. Da wirft er gekonnt Deep Purple, Julie London, Alter Ego, Goldfrapp, Nirvana (UK), DJ Koze, Imagination und The Rapture zusammen. Insgesamt ist das sehr unterhaltsam - obwohl die Frage nach dem Sinn des Ganzen unbeantwortet bleibt.
Hal: "Hal" (Rough Trade)
Diese jungen Iren, die von Strokes-Entdecker Geoff Travis betreut werden, haben sich nach dem zickigen Computer in Kubricks "2001" und Burt Bacharachs Partner Hal David benannt. Entsprechend vergangenheitsverliebt klingt ihr Debütalbum. Ihre besondere Zuneigung gilt den frühen siebziger Jahren. So erinnert ihr gemächlicher Brit-Pop an Großmeister wie Harry Nilsson oder Dennis Wilson, den ertrunkenen Bruder von Brian. Das Beste daran ist, dass die Jungs trotzdem nie antiquiert klingen.
Alva Noto + Ryuichi Sakamoto: "Insen" (Raster-Noton)
Achtung: Wer die zweite CD dieses Duos bei geringer Lautstärke hört, wird unter Umständen gar nicht bemerken, dass sie bereits läuft. Eher sehr dezent knistert es hier und dort elektrisch, dazu vernimmt man sehr entspannt Klavierspiel, das wie aus weiter Ferne herüberzuwehen scheint. Das ist also alles sehr ästhetisch, aber wunderbar einlullend und erinnert ziemlich an die Ambient-Werke von Brian Eno. Aber das ist wahrscheinlich auch das Ziel gewesen.
Flotation Toy Warning: "Bluffer's Guide To The Flight Deck" (Talitres)
Die Zeiten für verschrobene Popmusik sind offenbar bestens. Bands wie Ella Guru, The Earlies und natürlich The Flaming Lips sorgen mit spinnerten Platten zumindest in Großbritannien für gepflegten Wirbel. Gut ins Bild passt das vorzügliche Debüt dieser Briten mit dem unsäglichen Bandnamen. Da hört man, wie Wasser sprudelt und dazu allerlei exotische Instrumente, die sich zu entrückten Popsongs verdichten.
Ozzy Osbourne: "Prince of Darkness" (Epic)
Weil das alte Rockfaktotum dank MTV und seiner durchgeknallten Sippe zurzeit wieder gefragt ist, nutzt das Label die Gunst der Stunde für diese äußerst bizarre Zusammenstellung. Auf vier CDs gibt's rares und unveröffentlichtes Material, also Ozzy-Gassenhauer wie "Iron Man" oder "Mr. Crowley" als Konzert- oder Duett-Version mit Gästen wie Miss Piggy, Ol' Dirty Bastard oder Motörhead. Zu dem Paket gehört auch eine CD mit herrlich absurden Coverversionen von "Sympathy For The Devil", "Working Class Hero" oder "Changes" als Duett mit Osbournes Tochter Kelly. CHRISTOPH DALLACH
Von CHRISTOPH DALLACH

KulturSPIEGEL 6/2005
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