28.07.2008

Neue CDs Klassik

Salome Kammer: "Salomix-Max" (Wergo)
Auf Konzertpodien hat die Stimmvirtuosin Salome Kammer, 49, schon viele verblüfft. Dieses lustvolle Album zeigt, wozu ihre "voice without limits" fähig ist: Ob in Mozarts Lied "Die Alte" plötzlich gesächselt oder aus Cole Porters "My Heart Belongs to Daddy" cooler Jazz wird, jedes Stück fesselt. Neben jungen Zeitgenossen sind Weill, Berg, Berio, aber auch der "Hummelflug" vertreten - ein unerhörter Spaß.
Géza Frid: "Fantasia Tropica - Streichquartette" (Coviello Classics)
Nach impressionistischen Anfängen wurde aus dem Ungarn Géza Frid (1904 bis 1989), der als Emigrant in Holland blieb, ein kluger Form-Experimentator. Das Amaryllis Quartett führt es vor: Ob Frid den Kontrapunkt zum Tanzen bringt oder zyklisch-melodisch wird, stets behält seine gern mit Glissandi spielende Musik etwas Essayhaftes, zutiefst Menschliches.
Ludwig van Beethoven: "Klavierkonzerte Nr. 3 und Nr. 6" (Alpha)
Traditionalisten aufgepasst: Arthur Schoonderwoerd deutet Beethoven konsequent historisierend, in Klein-Besetzung, vibratofrei auf Darmsaiten und mit einem trocken-silbrigen Pianoforte von 1810. Es klingt überzeugend authentisch - im von Beethoven selbst abgesegneten "sechsten" Konzert, einer Klavierfassung des Violinkonzerts, dann allerdings doch etwas grob.
"Martha Argerich and Friends - Live from the Lugano Festival 2007" (EMI Classics)
Martha Argerichs Luganeser Sessions begeistern Jahr für Jahr die Fans. An Beethoven, Schumann, Ravel, Bartóks erster Violinsonate und Lutoslawskis Paganini-Variationen nimmt die Klaviermatadorin selbst Anteil, den Rest steuert ihre inzwischen eingespielte Instrumentalisten-Großfamilie bei, zu der Könner wie Mischa Maisky und Renaud Capuçon zählen.
Julius Röntgen: "Klaviertrios Vol. 1" (Ars)
Der Ächtung durch unduldsame Neutöner wird der Deutsch-Niederländer Röntgen (1855 bis 1932) erst seit kurzem entrissen. Eingängige spätromantische Harmonien und gute melodische Einfälle kennzeichnen seine Kunst, die man Spielmusik auf hohem Niveau nennen kann - auch wenn im Alter die Gefühligkeit bisweilen überhandnahm. Zwei der vom Storioni Trio elegant vorgestellten Werke sind Erstaufnahmen.
Richard Strauss: "Capriccio" (Orfeo)
Kenner schätzen das letzte Bühnenwerk des Meisters raffinierter Eingängigkeit, ein offen endendes "Konversationsstück für Musik" über den Rangstreit zwischen Poesie und Komposition, als besonderes Juwel. Die Wiener Staatsoper bot im März 1964 ein Traumensemble: Georges Prêtres Aufführung mit Lisa della Casa, Walter Berry, Christa Ludwig, Lucia Popp und Fritz Wunderlich verströmt noch im Mono-Mitschnitt den Zauber späten, wissenden Humors.
JOHANNES SALTZWEDEL
Von JOHANNES SALTZWEDEL

KulturSPIEGEL 8/2008
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KulturSPIEGEL 8/2008
Titelbild
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