24.11.2008

Neue CDs

Franz Schubert: "Schwanengesang" (Challenge Classics)
Mit Schuberts "Winterreise" haben die beiden einst Maßstäbe gesetzt. Nun liefern Christoph Prégardien und Andreas Staier den letzten Liederzyklus nach - natürlich wieder mit originalgetreuem Fortepiano. Das Ergebnis: eine Begleitung, wie sie lebendiger wohl niemand aus diesem Instrument hervorzaubern könnte, und ein Kunstgesang von so makelloser Intensität, dass alle Kollegen sich daran ein Beispiel nehmen sollten.
Leopold Mozart: "Symphonien" (Chandos)
Nein, er war keineswegs bloß ein Papa, der seinen Sohn zum Wunderkind abrichtete: Pädagogisch hatte Leopold Mozart ebenso Erfolg wie als Komponist. Mehr als 70 Symphonien (in sparsamer Besetzung) sind bekannt, und wenn alle so munter klingen wie die, die Matthias Bamert und seine London Mozart Players hier erstmals aufgenommen haben, dürfte das OEuvre von Mozart senior noch manche Überraschung bereithalten.
Apolinary Szeluto: "Kammermusik" (Dux)
So mühelos er aus dem Impressionismus der Jahrhundertwende zu einem farbigen Personalstil fand, so schwer trafen Szeluto (1884 bis 1966) die Zeitläufte: An der Oktoberrevolution hatte er teilgenommen, doch sozialistische Musik schrieb der Godowsky-Schüler nicht; er blieb Außenseiter mit Brotberuf im Warschauer Justizministerium. Jetzt endlich haben polnische Virtuosen drei Werke des nahezu Vergessenen aufgenommen - faszinierend kluge Spätest-Romantik.
Richard Strauss: "Der Rosenkavalier" (Orfeo)
Auf DVD gibt es einen schon berühmten "Rosenkavalier" von 1979 unter Leitung von Carlos Kleiber. Aber dieser sechs Jahre frühere Mitschnitt aus der Münchner Staatsoper glänzt mit noch exquisiterem Ensemble: Die Marschallin singt Claire Watson in ihrer Abschiedsrolle, und Karl Ridderbusch gibt den Ochs. Brigitte Fassbaender als Octavian und Lucia Popp als Sophie veredeln die Aufnahme zu einem Fest für Operngenießer.
Ferruccio Busoni: "Klavierwerke" (Hyperion)
Ausgerechnet mit Bearbeitungen hat der Übergangs-Titan Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) den größten Erfolg gehabt. Zwei davon, Liszts Orgel-Choralbrocken "Ad nos, ad salutarem undam" und das Andantino aus Mozarts Klavierkonzert KV 271 koppelt der britische Altmeister Hamish Milne, 69, mit Busonis - nomen est omen - "Fantasia contrappuntistica": rauschend und doch formstreng, ganz im Geist ihres Schöpfers.
"Volkslieder - Folk Songs - Chansons Populaires" (Antes Edition)
Volkslieder in geradezu morbide Kunst zu übersetzen, darin übten sich Komponisten um 1900 europaweit. In vier Sprachen stellt Andrea Stadel mit herzerwärmendem Sopran (und stupender Atemtechnik) solche Werke vor - von Brahms, Britten, Ravel, Mahler, Wolf-Ferrari und Zemlinsky. Rita Kloses Begleitung macht die Freude komplett. Einziger Schönheitsfehler: Im Booklet fehlen die Texte. JOHANNES SALTZWEDEL
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Von JOHANNES SALTZWEDEL

KulturSPIEGEL 12/2008
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KulturSPIEGEL 12/2008
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