26.10.2009

Der Gitarrist Mark Knopfler, 60, über Fender Stratocaster und Teetrinken auf der Bühne

KulturSPIEGEL: Mit 17 hat man noch Träume. Erinnern Sie sich?
Mark Knopfler: Überraschung! Ich träumte von einer Karriere als Musiker, hielt es aber für ausgeschlossen, dass daraus Realität werden könnte. Der Plan war, als Journalist Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben. Der große Bruder eines Freundes arbeitete bei einer Tageszeitung und besorgte mir einen Job. Ich war in Englisch in der Schule immer sehr gut, aber meine Aufsatzhefte waren vollgemalt mit Gitarren.
Träumten Sie von Gitarren?
Rund um die Uhr. Genau genommen von einer Fender Stratocaster, aber die konnte sich mein Vater nicht leisten. Am Ende bekam ich eine deutsche Gitarre, eine Höfner, die war rot, preiswert, und ich liebte sie. Ich habe sie immer noch, sie steht in einer Ecke meines Hauses. Mittlerweile gibt es ein Fender-Stratocaster-Modell mit meinem Namen darauf. Es ist schon merkwürdig, wenn Träume wahr werden. Ein anderer Traum, den ich als Teenager hatte, war, Musik mit meinen Idolen zu spielen. Auch der ist wahr geworden. Ich musizierte mit Bob Dylan, The Everly Brothers und Van Morrison. Unfassbar.
Sie haben Ihre Musikerkarriere relativ spät begonnen, waren 28, als Sie mit Dire Straits loslegten. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Ich bin generell ein Spätstarter und vielleicht einfach zu verträumt. Das hat mich schon viel Zeit gekostet und ist immer noch so. Heute morgen habe ich glatt vergessen, meine zweite Socke anzuziehen, weil ich mal wieder gedanklich weit weg war. Ich vergesse auch schon mal, die Schuhe anzuziehen oder so.
Waren Sie vom Erfolg der Dire Straits überrascht?
Nein, ich wusste, dass meine Lieder besonders sind und ein Publikum finden würden. Anfangs war es toll, dass die Menschen in langen Schlangen anstanden, um uns in Clubs zu sehen. Der Welterfolg war dagegen eher anstrengend, ein Schock, und es fiel mir schwer, damit umzugehen. Man muss sich daran gewöhnen, auf der Straße angestarrt zu werden - gerade wenn man älter ist.
Anfangs war Ihr Bruder David noch in der Band, warf aber nach zwei Alben das Handtuch. Sollte man mit Geschwistern besser nicht musizieren?
Manchmal war das unangenehm, aber wenn man im Leben vorankommen möchte, muss man sich eben wirklich reinhängen. Man benötigt Leidenschaft, Hingabe und Willensstärke. Das gilt für Verwandte sowie für andere Menschen.
Das US-Magazin "Rolling Stone" führt Sie auf Rang 27 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten. Kommt man so weit mit Üben oder mit Talent?
Solche Listen sind Quatsch, es gibt Tausende grandiose Gitarristen auf der Welt. Wichtig ist, dass man seinen individuellen Stil findet, Stil ist dein Markenzeichen, die Art, wie deine Finger die Saiten berühren, und dafür muss man üben bis zum Umfallen. Wenn meine Freunde Kartenspielen gingen oder in den Pub, saß ich daheim mit meiner Gitarre und spielte, und das so lange, dass ich dabei einschlief - aber meine Finger bewegten sich noch! John Illsley, mit dem ich Dire Straits gründete, sah mich das erste Mal, als ich schlafend, meine Gitarre auf dem Bauch, auf dem Boden eines Übungsraumes lag.
Sie gelten als skandalfreier Rockstar. Keine Drogenexzesse, keine Affären mit Supermodels. Stimmt es, dass Sie auf der Bühne Tee trinken?
Auf der Bühne genieße ich gern mal ein Tässchen Tee, aber hinter der Bühne trinke ich dann doch was anderes. Ich habe auch meine einschlägigen Erfahrungen gemacht, glauben Sie mir. Aber statt Drogen nehme ich lieber Rotwein zu mir.
Haben Sie sich schon mal gegoogelt?
Nein. Aber manchmal vor Konzerten suche ich im Internet nach Texten meiner Lieder, die ich vergessen habe. Wahrscheinlich auch eine Frage des Alters. INTERVIEW: CHRISTOPH DALLACH
Aktuelles Album: Mark Knopfler "Get Lucky" (Universal). Tournee ab Juni nächsten Jahres (Karten: www.mlk.com).
Von CHRISTOPH DALLACH

KulturSPIEGEL 11/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


KulturSPIEGEL 11/2009
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

  • Hilfe für bedrohte Korallenriffe: Das Geräusch der Fische
  • Nach viralem Witze-Video: Zank unter Staatschefs beim Nato-Gipfel
  • Russische Militäreinheit: Ski-Soldaten mit Schlittenhunden
  • Erster Filmtrailer: "James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben"