26.01.1998

Armin Rohde

Keine deutsche Komödie ohne Armin Rohde. Auch in „Der Campus“ beweist der Bochumer in fünf Minuten: Er ist der beste Nebenroller.
Manchmal, wenn Armin Rohde am Bochumer Hauptbahnhof steht, um zu Dreharbeiten zu reisen, klopfen ihm fremde Menschen auf die Schulter. Sie wollen weder Autogramme noch Fotos zusammen mit dem Schauspieler aufnehmen. "Ey, Bierchen", sagen sie nur, "laß uns doch mal einen trinken gehen."
Rohde, 42, hatte 1991 in einer Nebenrolle des Sönke-Wortmann-Films "Kleine Haie" Bierchen gespielt, einen rüden Ganz-Leder-Rocker, der auf dem Weg in den Italienurlaub eine Dose Bier nach der anderen wegtrinkt. Ein Tramper fragt ihn: "Findest du das eigentlich okay mit dem Bier?" Antwort: "Bier, find' ich okay." Der Tramper: "Nein, ich meine beim Fahren." Antwort: "Fahrbier, find' ich okay."
Seit jenem Auftritt hat Rohde immer wieder den sympathischen Proleten gespielt; selten länger als fünf Minuten, aber mit wachsender Popularität. Nach einem weiteren Auftritt bei Wortmann (als "Metzger" in "Der bewegte Mann") wurde ihm sogar eine Hauptrolle angeboten. Titel des Projekts: "Bierchen - der Film". Nichts für Rohde. "Ich bin nicht so geil auf irgendeine Hauptrolle. Tragische, gebrochene Figuren reizen mich. Der Theatermensch brummt immer noch in mir."
Zwölf Jahre lang spielte Rohde am Stadttheater Bielefeld und am Schauspielhaus Bochum. Doch dem Traum vom hehren Bühnenkünstler hat er nie nachgehangen. Rohde versteht sich als Unterhalter mit schauspielerischem Handwerkszeug. "Auf dem Pausenhof habe ich den Clown gemacht. Leider fiel den Lehrern auf, daß ich nur deswegen zur Penne kam." Der Sohn eines Bergarbeiters flog von der Schule und versuchte erst mal, auf die bequeme Art Karriere zu machen. "Ich wartete in Künstlercafés auf meinen Entdecker. Doch der wollte nicht zur Tür reinkommen", sagt Rohde heute. Glücklicherweise überließ er sein Schicksal nicht ganz den Talentsuchern in seiner Geburtsstadt Gladbeck, sondern bewarb sich erfolgreich um eine Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen.
Auch in Wortmanns Universitätssatire "Der Campus" gibt Rohde wieder den großschnäuzigen Proleten. Er ist Norbert, Penner und ehemaliger Student des in einen Mobbingskandal verstrickten Professors Hanno Hackmann (Heiner Lauterbach). Und wieder ist Rohde der Outlaw im deutschen Komödienstadl: Polternd platzt er in seiner Landstreicherkluft immer dann in die Szene, wenn "Der Campus" nur noch wie ein bunter Werbeclip für den Studentennachwuchs wirkt.
"Diese Rolle kostet mich nichts mehr", sagt Rohde und ist zufrieden. "Als Hauptdarsteller müßte ich vielleicht Autogramme geben, so ist es doch viel besser: Ich werde zum Bier eingeladen."
Hannes Roß

KulturSPIEGEL 2/1998
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