30.05.2011

Viel Leidenschaft, etwas Wahnsinn

Das kleine Label Mute feiert sich mit dem tollen Sampler „Vorwärts“.
D er Brite Daniel Miller ist ein Plattenfirmenbetreiber der besonderen Art: Er veröffentlicht gern auch mal Platten, von denen klar ist, dass sie kaum einer kaufen wird. Seine Bestseller-Lieferanten Depeche Mode hatte er lange nur mit einer per Handschlag getroffenen Abmachung an seine Firma Mute gebunden. Andere bekannte Mute-Klienten sind Moby, Nick Cave, Richard Hawley, Erasure und Goldfrapp; dazu kommen etliche Avantgardisten wie Boyd Rice, deren Werke für normale Ohren eine Herausforderung sind.
Angemessen unkonventionell beging der Brite nun mit dreijähriger Verspätung sein 30-jähriges Firmenjubiläum mit einem Festival in London und dem spannenden Sampler-Album "Vorwärts", auf dem sich tolle Newcomer wie S.C.U.M. und Polly Scattergood finden. Eigentlich hatte Miller den Laden, den er 1978 eher zufällig gegründet hatte, 2002 für sehr viel Geld an die EMI verkauft. Seitdem hätte er für den Rest seines Lebens Golf spielen können, aber weil er unglücklich war über das Schicksal seines Labels, kaufte der 60-Jährige, der im Berliner Berghain-Club gern mal als Techno-DJ auftritt, Mute kürzlich überraschend zurück. Ein Irrsinn in diesen schwierigen Zeiten, möchte man meinen. "Irrtum!", donnert der neue und alte Chef. "Wenn man mit viel Leidenschaft und etwas Wahnsinn rangeht, geht vieles." Da hat er wohl recht.
Diverse: "Vorwärts"
(Mute)
Von Christoph Dallach

KulturSPIEGEL 6/2011
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