30.03.2013

Vom Vordenken und Nachdenken

Harald Welzer: "Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand". S. Fischer; 336
Seiten; 19,99 Euro.
Ein Buchtitel als Etikettenschwindel: Der Sozialpsychologe Harald Welzer gibt sehr wohl eine Denkrichtung vor, er polemisiert gegen Massenkonsum und uferlosen Kapitalismus, gegen das Geduzt-Werden bei Ikea und Formel-1-Rennen in Bahrain. Das Plädoyer für einen achtsameren Umgang mit der Welt, ein richtiges Leben im falschen, ist voller Weitsicht. Seine Beispiele für Menschen, die die Trägheit des Gewohnten zugunsten eines nachhaltigen Lebens überwunden haben, verdeutlichen, was Welzer unter dem Begriff "Widerstand gegen sich selbst" fordert. Mitunter schießt er sehr weit übers Ziel hinaus, schreibt von "Freizeitidioten" und "Wellness-Gulags". Die dann fast klassenkämpferische Agitprop-Rhetorik löst beim Leser aus, was Welzer gerade verhindert sehen möchte: das Gefühl, bevormundet zu werden.
Von Kaspar Heinrich

KulturSPIEGEL 4/2013
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